Ja­mai­ka: Bun­des­prä­si­dent mahnt zur Ge­duld

„Kom­pro­mis­se sind mit­un­ter müh­sam“– Flücht­lings­zu­zug bleibt ei­ne der schwie­rigs­ten Fra­gen

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK -

An­ge­sichts der schwie­ri­gen Ja­mai­ka-Ge­sprä­che rief Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er die Bür­ger zur Ge­duld auf. De­mo­kra­tie le­be da­von, Kom­pro­mis­se zu su­chen und da­für Mehr­hei­ten zu fin­den, „auch wenn das mit­un­ter müh­sam ist“, sag­te St­ein­mei­er bei ei­nem Be­such in Dres­den.

BER­LIN. An die­sem Don­ners­tag sol­len die Son­die­run­gen – wo­mög­lich in ei­ner lan­gen Nacht­sit­zung – be­en­det wer­den. Am En­de die­ser Auf­wärm­run­de steht ein ge­mein­sa­mes Pa­pier von Uni­on, FDP und Grü­nen, das dann als Grund­la­ge für die Ent­schei­dung über of­fi­zi­el­le Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen dient. Der Ei­ni­gungs­druck auf die Un­ter­händ­ler wächst. Schei­tert Ja­mai­ka? CSU-Chef Horst See­ho­fer sag­te mit Blick auf den bis spä­tes­tens in der Nacht zu Frei­tag ge­plan­ten Ab­schluss der Son­die­run­gen: „Noch zwei­mal schla­fen, dann wis­sen wir Be­scheid.“

Ei­ne der schwie­rigs­ten Fra­gen auf dem Weg da­hin: Wie wol­len Uni­on, FDP und Grü­ne um­ge­hen mit Flücht­lin­gen und an­de­ren Mi­gran­ten? Schnel­le Ant­wor­ten zeich­nen sich nicht ab. Die Ja­mai­ka-Son­die­rer steu­ern beim Kern­the­ma Zu­wan­de­rung auf ei­ne Ent­schei­dung in letz­ter Mi­nu­te zu.

Nord­rhein-West­fa­lens In­te­gra­ti­ons­mi­nis­ter Joa­chim Stamp, der für die FDP mit­ver­han­delt, schlug beim The­ma Flücht­lings­zu­zug vor, „statt ei­ner fi­xen Zahl ei­nen Ziel­kor­ri­dor zu ver­ein­ba­ren, der sich an den Zu­gangs­zah­len des Jah­res 2017 ori­en­tiert und zwi­schen 150 000 und 250 000 Zu­gän­gen liegt“. Die Uni­ons­par­tei­en wol­len ei­nen ei­ge­nen Kom­pro­miss durch­set­zen, der mit Be­din­gun­gen ei­nen Ziel­wert von ma­xi­mal 200 000 Flücht­lin­gen pro Jahr vor­sieht.

Bei an­de­ren strit­ti­gen The­men gab es aber auch Kom­pro­mis­se. So ver­zich­ten FDP und Grü­ne beim The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung und On­li­ne­durch­su­chung

dar­auf, dem Staat zu ver­bie­ten, sich zur Kri­mi­na­li­täts­be­kämp­fung als Ha­cker zu be­tä­ti­gen. Ur­sprüng­lich woll­ten FDP und Grü­ne die heim­li­che On­li­ne-Durch­su­chung

als un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re kom­plett ver­bie­ten.

Ei­ne Ver­stän­di­gung auf ein so­ge­nann­tes Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz wur­de nach ei­nem Ve­to der FDP al­ler­dings wie­der ge­kün­digt. Die FDP be­steht nach dpa-In­for­ma­tio­nen dar­auf, das ent­spre­chen­de Ge­setz von SPDJus­tiz­mi­nis­ter Heiko Maas auf­zu­he­ben. Sie sieht On­li­ne-Netz­wer­ke wie Face­book und an­de­re Platt­for­men durch die­ses Ge­setz auf dem Weg zu ei­ner pri­va­ten Zen­sur­be­hör­de. Ne­ben der SPD hat­te sich auch die Uni­on für das Ge­setz stark­ge­macht. Nach An­sicht von FDP und Grü­nen muss auf an­de­rem Weg ge­gen Mob­bing und Fal­sch­nach­rich­ten in so­zia­len Me­di­en vor­ge­gan­gen wer­den.

Wie es hieß, wol­len die Par­tei­en Grund­schü­lern ei­nen Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung ge­wäh­ren. Die FDP pocht im Bil­dungs­be­reich fer­ner auf die Ab­schaf­fung des im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Ko­ope­ra­ti­ons­ver­bots zwi­schen Bund und Län­dern. CDU und CSU leh­nen dies ab. „Die Auf­ga­ben­tei­lung „ist nicht mehr Teil der Lö­sung, son­dern längst zum Pro­blem ge­wor­den“, schrieb da­ge­gen FDPPar­tei­chef Chris­ti­an Lind­ner in ei­nem Gast­bei­trag in der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. Die Ja­mai­kaGe­sprä­che bö­ten die Chan­ce auf ei­nen Ein­stieg „in ei­ne deut­sche Bil­dungs­re­vo­lu­ti­on“.

Ba­den-Würt­tem­bergs Re­gie­rungs­chef Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) wies dies zu­rück: „Zu die­ser Re­vo­lu­ti­on wird es nicht kom­men.“Sei­ne Re­gie­rung sei ent­schlos­sen, die fö­de­ra­len Prin­zi­pi­en zu ver­tei­di­gen und aus­zu­bau­en.

Mit Blick auf den Be­reich Land­wirt­schaft be­kräf­tig­te Grü­nen-Un­ter­händ­le­rin Ka­trin Gö­ring-Eckardt die For­de­rung nach ei­ner „Agrar­wen­de“. Ge­sprächs­the­men in dem Be­reich sind ein Tier­schutz-La­bel, bei dem aber strit­tig ist, ob es ver­pflich­tend sein soll oder frei­wil­lig. Die Grü­nen for­dern zu­dem we­ni­ger Pes­ti­zid-Ein­satz. „Bie­nen wol­len wir schüt­zen“, sag­te Gö­ring-Eckardt.

Mehr Hin­ter­grün­de zur Son­die­rung auf noz.de/po­li­tik

Fo­to: dpa

Auf dem Weg in die Ver­hand­lun­gen: Schlecht ge­launt schei­nen (v. l.) An­ge­la Mer­kel (CDU), Cem Öz­de­mir (Grü­ne), Horst See­ho­fer (CSU) und Chris­ti­an Lind­ner (FDP) nicht zu sein. Nur See­ho­fer schaut nicht nicht ganz so froh.

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