Kreis will RWE-Ak­ti­en bis 2018 ver­kau­fen

CDU: Kreis­wer­ke als Geld­an­la­ge mög­lich – Fi­nanz­aus­schuss be­schließt Richt­li­nie für mehr Nach­hal­tig­keit

Bersenbrucker Kreisblatt - - OSNABRÜCKER LAND - Von Je­an-Charles Fays Ein The­men-Spe­zi­al Um­welt fin­den Sie im In­ter­net auch auf noz.de/um­welt Von Je­anCharles Fays

Der Kreis will sich bis zum kom­men­den Jahr von sei­nen 2,1 Mil­lio­nen RWE-Ak­ti­en tren­nen. SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Reh­me sag­te auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on, dass sie „spä­tes­tens 2018 kom­plett ver­kauft wer­den“. Ak­tu­ell ge­be es drei Sze­na­ri­en, in wel­chen Tran­chen das ge­sche­hen soll.

OSNABRÜCK. Fach­leu­te ha­ben die kon­kre­ten Plä­ne für die Um­set­zung des Ver­kaufs ges­tern in ei­ner nicht öf­fent­li­chen in­ter­frak­tio­nel­len Run­de vor­ge­stellt. Reh­me hält es für selbst­ver­ständ­lich, dass der Kreis­tags­be­schluss zum Ver­kauf des RWE-Ak­ti­en­pa­kets aus dem Sep­tem­ber 2016 spä­tes­tens im kom­men­den Jahr um­ge­setzt wird.

Auch CDU-Frak­ti­ons­chef Mar­tin Bäu­mer hält es für wahr­schein­lich, dass das Ak­ti­en­pa­ket nun bin­nen ei­nes Jah­res ver­kauft wird. Ex­per­ten wür­den die Kreis­po­li­tik zu­dem da­zu be­ra­ten, wie die nach dem ak­tu­el­len Kurs zu er­war­ten­den 44 Mil­lio­nen Eu­ro an­zu­le­gen sind. „Kreis­wer­ke sind da­bei ei­ne Idee, um das Geld an­zu­le­gen und auch wei­ter­hin Er­trä­ge zu er­zie­len. Bei der Neu­an­la­ge wer­den auch Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en Be­rück­sich­ti­gung fin­den“, be­ton­te Bäu­mer.

Im Fi­nanz­aus­schuss wur­de ein­stim­mig be­schlos­sen, dass bei neu­en Geld­an­la­gen künf­tig ethi­sche, öko­lo­gi­sche und so­zia­le Aspek­te ein­zu­hal­ten sind. Der Land­kreis be­rief sich auf die De­fi­ni­ti­on der Welt­kom­mis­si­on für Um­welt und Ent­wick­lung der Ver­ein­ten Na­tio­nen (die so­ge­nann­te „Brundt­land-Kom­mis­si­on“). Dar­in wird Nach­hal­tig­keit als ei­ne Ent­wick­lung de­fi­niert, „die die Be­dürf­nis­se der Ge­gen­wart be­frie­digt, oh­ne zu ris­kie­ren, dass künf­ti­ge Ge­ne­ra­tio­nen ih­re ei­ge­nen Be­dürf­nis­se nicht be­frie­di­gen kön­nen“. Die neue Richt­li­nie des Land­krei­ses be­nennt dem­nach kon­kret fol­gen­de vier Min­dest­stan­dards: Kei­ne Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men, bei de­nen Ver­stö­ße ge­gen ver­ant­wor­tungs­vol­le Un­ter­neh­mens­füh­rung in den Be­rei­chen Men­schen­rech­te, Ar­beit, Um­welt und Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung vor­lie­gen. Kei­ne Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men, die Kriegs­waf­fen her­stel­len oder ver­trei­ben. Kei­ne Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men, die Pflan­zen oder Saat­gut gen­tech­nisch ver­än­dern. Kei­ne Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men, die Tier­ver­su­che für die Her­stel­lung von Kos­me­ti­ka durch­füh­ren.

Grü­nen-Frak­ti­ons­chef Rai­ner Ka­ver­mann hät­te ger­ne noch wei­te­re Punk­te er­gänzt, die die Grü­nen auch in ih­rem ei­ge­nen An­trag zu den neu­en An­la­ge­richt­li­ni­en ge­for­dert hat­ten: Kei­ne Be­tei­li­gung an Un­ter­neh­men, die Atom­ener­gie er­zeu­gen oder über­wie­gend auf nicht nach­hal­ti­ge und kli­ma­schäd­li­che Ener­gi­en wie zum Bei­spiel Koh­le set­zen oder die Gas­ge­win­nung durch Fracking be­trei­ben. Zu­dem hat­ten die Grü­nen be­an­tragt, dass der Land­kreis und sei­ne Toch­ter­un­ter­neh­men künf­tig kei­ne Be­tei­li­gun­gen mehr an Un­ter­neh­men hal­ten, die nach­weis­lich Steu­er­um­ge­hungs­stra­te­gi­en ver­fol­gen. Ka­ver­mann be­dau­ert: „Wir hät­ten die Richt­li­nie des Land­krei­ses ger­ne noch nach­ge­bes­sert, aber das war mit der Gro­ßen Ko­ali­ti­on nicht zu ma­chen.“Es är­gert ihn zu­dem, dass die Richt­li­nie bis­lang nicht für die Be­tei­li­gun­gen des Land­krei­ses wie et­wa für den Ab­fall­wirt­schafts­be­trieb Awi­go gilt: „Es ist doch ab­surd, dass das für den Kern­haus­halt des Land­krei­ses gel­ten soll, aber nicht für ih­re Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Be­vos.“An­sons­ten zeig­te sich Ka­ver­mann aber stolz, dass das En­ga­ge­ment der Grü­nen da­zu bei­ge­tra­gen ha­be, dass der Land­kreis sei­ne Fi­nanz­an­la­gen künf­tig an nach­hal­ti­gen Kri­te­ri­en aus­rich­te.

Tho­mas Reh­me sag­te als Vor­sit­zen­der der SPD/UWGG­rup­pe im Kreis­tag, dass er es als „Gen­tle­man’ s Agree­ment“ver­ste­he, dass die neu­en Richt­li­ni­en auch den Ge­schäfts­füh­rern der Land­kreis-Be­tei­li­gun­gen emp­foh­len wer­den.

Ar­chiv­fo­to: dpa

RWE ist der größ­te CO2-Ein­z­ele­mit­tent in Eu­ro­pa und pro­du­ziert Ener­gie zum größ­ten Teil durch fos­si­le Koh­le- (hier ein RWE-Koh­le­kraft­werk), Gas­kraft­wer­ke und aus Kern­ener­gie. Noch hält der Land­kreis 2,1 Mil­lio­nen RWE-Ak­ti­en.

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