CSU droht Mer­kel mit Al­lein­gang in Asyl­po­li­tik

Macht­kampf in Uni­on es­ka­liert / Gün­ther un­ter­stützt Kanz­le­rin

Bersenbrucker Kreisblatt - - VORDERSEITE - Dpa, dds/Sei­te 3

BER­LIN Der Macht­kampf in der Uni­on ist es­ka­liert und be­droht nach we­ni­ger als 100 Ta­gen die Exis­tenz der Ko­ali­ti­on von An­ge­la Mer­kel. Im Streit über die Zu­rück­wei­sung von Flücht­lin­gen droh­te Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) der Bun­des­kanz­le­rin ges­tern mit ei­nem Al­lein­gang. Die CSU wies Mer­kels Vor­schlag zu­rück, in den kom­men­den bei­den Wo­chen auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne ei­ne Lö­sung für das Pro­blem zu fin­den. Statt­des­sen setz­te die Schwes­ter­par­tei der CDUChe­fin ein Ul­ti­ma­tum bis Mon­tag und kün­dig­te in­di­rekt an, See­ho­fer kön­ne an­dern­falls ei­gen­mäch­tig ei­ne Zu­rück­wei­sung von Mi­gran­ten an der Gren­ze an­ord­nen.

See­ho­fer kri­ti­siert Mer­kels Asyl­po­li­tik schon seit dem Hö­he­punkt der Flücht­lings­kri­se 2015/2016. Nun for­dert er sie of­fen her­aus. Seit Ta­gen strei­ten CDU und CSU dar­über, ob auch Asyl­be­wer­ber oh­ne Pa­pie­re und sol­che, die be­reits in an­de­ren EU-Län­dern als Asyl­be­wer­ber re­gis­triert sind, nicht mehr über die deut­sche Gren­ze ge­lan­gen dür­fen. Die CSU will die­se künf­tig zu­rück­wei­sen, Mer­kel lehnt dies ab.

Schles­wig-Hol­steins Mi­nis­ter­prä­si­dent Daniel Gün­ther (CDU) stärkt Mer­kel im Asyl­streit den Rü­cken. „Es gibt ei­ne kla­re Ge­schlos­sen­heit im CDU-Prä­si­di­um, ihr Kurs wird von al­len un­ter­stützt“, sag­te Gün­ther un­se­rer Re­dak­ti­on. „Es kann nicht sein, dass von der CSU plötz­lich ein Pro­blem auf­ge­wor­fen wird und dann qua­si per Ul­ti­ma­tum ge­sagt wird, wir bräuch­ten jetzt ei­ne Kurs­kor­rek­tur, die dann auch noch falsch wä­re.“Es sei not­wen­dig, wie­der sach­lich mit­ein­an­der zu re­den, da­mit es „wie­der ei­ne ge­ein­te Po­si­ti­on der Uni­on“ge­be.

See­ho­fer er­hält hin­ge­gen Un­ter­stüt­zung aus Nie­der­sach­sen. „Ich glau­be, er zielt mit sei­nen Vor­schlä­gen in die rich­ti­ge Rich­tung“, sag­te der CDU-Lan­des­vor­sit­zen­de und Wirt­schafts­mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann. Ei­ne Ei­ni­gung auf EU-Ebe­ne sei zwar rich­tig und wich­tig, las­se aber auf sich war­ten. Der nie­der­säch­si­sche Mi­nis­ter be­ton­te da­her: „So­lan­ge wir kei­ne eu­ro­päi­sche Lö­sung ha­ben, kön­nen wir nicht al­les lau­fen las­sen, die un­ge­re­gel­te Zu­wan­de­rung ist ein ech­tes Pro­blem.“

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