VW-Mil­li­ar­de weckt Be­gehr­lich­kei­ten

Mehr Rad­we­ge oder mehr Rich­ter? Wo­hin mit dem un­ver­hoff­ten Geld­se­gen?

Bersenbrucker Kreisblatt - - NORDWEST - Dpa

Das VW-Land Nie­der­sach­sen wird zum Pro­fi­teur in der Kri­se. Nach­dem die Die­sel­af­fä­re dem an Volks­wa­gen be­tei­lig­ten Land ar­ge Sor­gen be­rei­tet hat, freut sich nun der Fi­nanz­mi­nis­ter.

HAN­NO­VER Die in der Die­sel­af­fä­re ge­gen Volks­wa­gen ver­häng­te Mil­li­ar­den-Bu­ße spült Nie­der­sach­sen ei­nen un­ver­hoff­ten Geld­se­gen in die Kas­se. Kurz vor der Haus­halts­klau­sur der rot-schwar­zen Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung am 24./25. Ju­ni be­scher­te ei­ne Ent­schei­dung der Staats­an­walt­schaft Braun­schweig Fi­nanz­mi­nis­ter Rein­hold Hil­bers (CDU) ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro an zu­sätz­li­chen Ein­nah­men. „Zur Ver­wen­dung der Mit­tel wird die Lan­des­re­gie­rung im zeit­li­chen Zu­sam­men­hang mit den Haus­halts­be­ra­tun­gen ei­nen Vor­schlag un­ter­brei­ten“, er­klär­te ges­tern die Staats­kanz­lei.

So­wohl Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) als auch Wirt­schafts­mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann (CDU) sind Ver­tre­ter der Lan­des­re­gie­rung im VW-Auf­sichts­rat. Sie be­grüß­ten die An­er­ken­nung der Geld­bu­ße durch Volks­wa­gen und be­ton­ten, der Kon­zern be­ken­ne sich da­mit zu sei­ner Ver­ant­wor­tung.

Die VW-Mil­li­ar­de fällt nach An­ga­ben des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums nicht in den Be­reich der Steu­ern oder steu­er­ähn­li­chen Ab­ga­ben, die für den Län­der­fi­nanz­aus­gleich be­rück­sich­tigt wer­den müs­sen. Im lau­fen­den Haus­halts­plan 2018 hat­te das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um nach ei­ge­nen An­ga­ben bis­her Ein­nah­men in Hö­he von 350 Mil­lio­nen Eu­ro durch Ge­richts­kos­ten, Geld­stra­fen und ähn­li­che Zah­lun­gen bei den Ober­lan­des­ge­rich­ten an­ge­setzt.

Das Buß­geld wur­de am Mitt­woch ver­hängt, weil die An­klä­ger Auf­sichts­pflicht­ver­let­zun­gen bei VW be­legt sa­hen. Es soll bin­nen sechs Wo­chen an die Lan­des­kas­se über­wie­sen wer­den.

Die Nach­richt des un­ver­hoff­ten Geld­se­gens weck­te ges­tern ers­te Be­gehr­lich­kei­ten. Der Vor­sit­zen­de des Nie­der­säch­si­schen Rich­ter­bunds (NRB), Frank Bor­ne­mann, be­ton­te: „Die Jus­tiz fi­nan­ziert da­mit ih­ren Stel­len­mehr­be­darf fak­tisch selbst.“Die im Ko­ali­ti­ons­ver­trag zu­ge­sag­ten 250 Stel­len für Staats­an­wäl­te und Rich­ter kos­te­ten in­klu­si­ve Ne­ben­kos­ten 25 Mil­lio­nen Eu­ro jähr­lich. Mit der Mil­li­ar­de könn­ten die­se Stel­len so­mit für 40 Jah­re fi­nan­ziert wer­den. „Wir wer­den es nicht ak­zep­tie­ren, wenn die­ses von der Jus­tiz selbst er­wirt­schaf­te­te Geld nun nicht auch dort ein­ge­setzt wird“, mahn­te Bor­ne­mann, der von Hil­bers ei­ne kla­re Zu­sa­ge for­der­te.

Da­ge­gen for­dert der Steu­er­zah­ler­bund, dass der ge­sam­te Be­trag in den Ab­bau des Schul­den­bergs von 61,4 Mil­li­ar­den Eu­ro geht. „Das Geld darf nicht zur Ma­nö­vrier­mas­se der Po­li­tik bei der Ver­tei­lung von Wohl­ta­ten wer­den; die Min­de­rung der Haus­halts­ri­si­ken durch den ho­hen Schul­den­berg muss viel­mehr obers­te Prio­ri­tät ha­ben“, for­der­te Bernhard Zent­graf vom Bund der Steu­er­zah­ler Nie­der­sach­sen.

Die Mil­li­ar­den-Geld­bu­ße be­flü­gelt auch die Fan­ta­sie der Grü­nen. Frak­ti­ons­che­fin An­ja Piel for­der­te mas­si­ve In­ves­ti­tio­nen in die Mo­bi­li­täts­wen­de, dar­un­ter den Aus­bau des Rad­we­ge­net­zes oder ei­nes ef­fi­zi­en­ten Nah­ver­kehrs.

Die­selskan­dal und die Fol­gen:

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Foto: dpa/Hol­ger Hol­le­mann

Wo­hin mit dem Geld? Die Dis­kus­si­on hat be­gon­nen, ob die VW-Mil­li­ar­de in die In­fra­struk­tur, in die Jus­tiz oder den Schul­den­ab­bau ge­steckt wer­den soll.

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