Wen­de bei Al­ters­tests für un­be­glei­te­te Flücht­lin­ge?

Bund lässt um­ge­kehr­te Be­weis­last prü­fen / Min­der­jäh­rig­keit bringt Vor­tei­le / So­zi­al­mi­nis­te­ri­um: Pra­xis hat sich be­währt

Bersenbrucker Kreisblatt - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er

HAN­NO­VER Die rot-schwar­ze Lan­des­re­gie­rung denkt über schär­fe­re Re­geln bei der Al­ters­fest­stel­lung un­be­glei­te­ter min­der­jäh­ri­ger Aus­län­der (Uma) nach. Auf Be­trei­ben von In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) hat die In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz in Qued­lin­burg den Bund ein­stim­mig auf­ge­for­dert, ei­ne Be­weis­last­um­kehr nach dem „Ham­bur­ger Mo­dell“zu prü­fen. In Ham­burg müs­sen Flücht­lin­ge, bei de­nen die Min­der­jäh­rig­keit zwei­fel­haft ist, nach­wei­sen, dass sie nicht voll­jäh­rig sind. An­ders­wo müs­sen die Be­hör­den dies che­cken. Auch prüft der Bund, ob nicht wie bis­her die kom­mu­na­len Ju­gend­äm­ter, son­dern Zen­tral­stel­len, mög­li­cher­wei­se in den ge­plan­ten An­ker­zen­tren, für Al­ters­tests zu­stän­dig sein sol­len.

An­fang Ju­ni zähl­te Nie­der­sach­sen 4149 Uma und jun­ge Voll­jäh­ri­ge im Land. Die Ei­n­ord­nung als Uma hat für die Be­trof­fe­nen oft Vor­tei­le, da sie da­mit un­ter die Ju­gend­hil­fe fal­len und in der Re­gel bes­ser be­treut, be­ra­ten und un­ter­ge­bracht wer­den als er­wach­se­ne Asyl­be­wer­ber.

An der Pra­xis gibt es im­mer wie­der Kri­tik, vor al­lem nach den auf­se­hen­er­re­gen­den Mor­den an jun­gen Frau­en in Frei­burg, Kan­del und Wies­ba­den. In al­len drei Fäl­len ist wahr­schein­lich oder be­wie­sen, dass die Tat­ver­däch­ti­gen/Tä­ter äl­ter sind als an­ge­ge­ben.

Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um sieht kei­nen An­lass, die bis­he­ri­ge Pra­xis zu än­dern. Das der­zei­ti­ge Ver­fah­ren ha­be sich be­währt, sag­te ein Spre­cher von So­zi­al­mi­nis­te­rin Ca­ro­la Rei­mann (SPD) un­se­rer Re­dak­ti­on. In Nie­der­sach­sen prü­fen Ju­gend­äm­ter bei feh­len­den Pa­pie­ren das Al­ter per Selbst­aus­kunft der Be­trof­fe­nen. Er­scheint die­se dem Amt nicht plau­si­bel, wird der Flücht­ling durch zwei Mit­ar­bei­ter in Au­gen­schein ge­nom­men. Be­ste­hen da­nach wei­ter­hin Zwei­fel, er­folgt ei­ne ärzt­li­che Un­ter­su­chung.

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