Kol­lek­tiv schlägt Ein­zel­kön­ner

War­um Deutsch­land wie­der den Ti­tel holt

Bersenbrucker Kreisblatt - - DIALOG - Von Yan­nick Rich­ter

Fra­gen wir mal an­ders: Wer au­ßer Deutsch­land soll den Ti­tel ho­len? Et­wa Bra­si­li­en? Die Se­leção ist von ih­rem Su­per­star Ney­mar noch ab­hän­gi­ger als Ar­gen­ti­ni­en von Lio­nel Mes­si. Ich bin ge­spannt, wie lan­ge der 26-Jäh­ri­ge nach sei­ner Ver­let­zung durch­hält – und wie sich die Di­va von Pa­ris Saint-Ger­main ver­hält, wenn es mal nicht so läuft.

Was die Al­bice­les­te an­geht: Vor vier Jah­ren ha­be ich schon nicht ver­stan­den, wie sich die Gauchos bis ins Fi­na­le mo­geln konn­ten. Ar­gen­ti­ni­en kann froh sein, wenn es die un­an­ge­neh­me Grup­pe über­haupt über­steht. Über den ewi­gen Ge­heim­fa­vo­ri­ten Bel­gi­en und die Tur­nier­ver­wei­ge­rer von der In­sel west­lich von uns brau­chen wir gar nicht erst re­den. Blei­ben Frank­reich und Spa­ni­en.

Der Trai­ner­wech­sel hat bei den Spa­ni­ern für un­nö­ti­ge Un­ru­he ge­sorgt. Das Cha­os hin­ter den Ku­lis­sen wird sich auf den Platz über­tra­gen, zu­mal die Span­nun­gen zwi­schen den Spie­lern aus dem Bar­ça-La­ger und de­nen, die der Re­al-Frak­ti­on an­ge­hö­ren, eh un­über­seh­bar sind.

Kei­ne Fra­ge: Der Ka­der der Fran­zo­sen ist ge­spickt mit Su­per­stars. Ob die vie­len Ein­zel­kön­ner aber auch in ent­schei­den­den Spie­len als Mann­schaft funk­tio­nie­ren, ist frag­lich. Wer ge­gen ein Durch­schnitts­team wie Por­tu­gal nicht Eu­ro­pa­meis­ter wird, hat auch nicht das Zeug da­zu, Welt­meis­ter zu wer­den.

Im Ge­gen­satz zu Deutsch­land. In­di­vi­du­ell ge­se­hen mag die ein oder an­de­re Mann­schaft auf man­cher Po­si­ti­on bes­ser be­setzt sein. Trotz­dem ist der deut­sche Ka­der noch bes­ser als vor vier Jah­ren. Im An­griff ha­ben wir meh­re­re Al­ter­na­ti­ven, der Bay­ern-Block sorgt de­fen­siv für Sta­bi­li­tät, und im Mit­tel­feld kann der un­be­re­chen­ba­re Mar­co Reus den Un­ter­schied aus­ma­chen.

Und au­ßer­dem: Kein an­de­res Team der Welt kommt so sehr über das Kol­lek­tiv wie die deut­sche Aus­wahl. Mit sei­nen No­mi­nie­run­gen, oder bes­ser ge­sagt mit sei­nen Nicht­no­mi­nie­run­gen hat Jo­gi Löw es wie­der ge­schafft, ein Ge­bil­de zu for­men, bei dem nicht der Ein­zel­ne im Vor­der­grund steht, son­dern die Ein­heit Spie­le ge­winnt.

So ab­ge­dro­schen die Be­zeich­nung „Tur­nier­mann­schaft“auch ist, auf Deutsch­land trifft sie ein­fach zu. Auch in die­sem Jahr wird sich die Mann­schaft von Spiel zu Spiel stei­gern, in der K.-o.-Run­de sämt­li­che Kon­tra­hen­ten raus­wer­fen, um am 15. Ju­li dann das zu fei­ern, was zu­letzt Bra­si­li­en im Jahr 1962 ge­lun­gen ist: die Ti­tel­ver­tei­di­gung bei ei­ner WM.

Die WM hat be­gon­nen. Am Sonn­tag greift die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft als Ti­tel­ver­tei­di­ger ins Tur­nier­ge­sche­hen ein. Bei den Buch­ma­chern ste­hen Bra­si­li­en und Deutsch­land hoch im Kurs. Sie sind die größ­ten Fa­vo­ri­ten auf den WMSieg. Da­nach fol­gen Spa­ni­en, Frank­reich und Ar­gen­ti­ni­en. Doch wie stark ist das Team von Trai­ner Joa­chim Löw wirk­lich? Die Vor­be­rei­tung hat ge­zeigt: Es ist noch viel Luft nach oben. Um ge­gen die star­ken Na­tio­nen zu ge­win­nen, be­darf es ei­ner deut­li­chen Leis­tungs­stei­ge­rung. Aber: Dass die Elf da­zu wäh­rend ei­nes Tur­niers in der La­ge ist, hat sie des Öf­te­ren be­wie­sen.

Nicht falsch ver­ste­hen: Als Be­ob­ach­ter vor Ort in Russ­land wür­de ich mich rie­sig freu­en, soll­te Deutsch­land tat­säch­lich den Ti­tel ver­tei­di­gen kön­nen. Müss­te ich aber mein Geld dar­auf ver­wet­ten, wür­de ich es nicht tun. Nicht, weil Joa­chim Löw un­fä­hi­ge Spie­ler no­mi­niert oder sonst Feh­ler ge­macht hat. Son­dern, weil die Kon­kur­renz bä­ren­stark ist und in al­len Spie­len ge­gen den am­tie­ren­den Welt­meis­ter al­les ge­ben wird.

Neh­men wir die Spa­nier: Ge­ra­de herrscht zwar nach dem Trai­ner­wech­sel Un­ru­he – weil das Über­ste­hen der Grup­pen­pha­se ge­gen Ma­rok­ko und Iran aber so oder so ge­lin­gen wird, blei­ben dem neu­en Mann Fer­nan­do Hier­ro zwei Wo­chen, um sei­ne Fuß­bal­ler hin­ter sich zu ver­sam­meln. Und die sind Welt­klas­se: Um den kom­pro­miss­lo­sen Ser­gio Ra­mos fünf wei­te­re Spie­ler von Cham­pi­ons­Le­ague-Sie­ger Re­al Ma­drid, um den ge­nia­len And­res Inies­ta

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