Deutsch­land wächst

ANALYSE Be­völ­ke­rung groß wie nie

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK - KNA

WIES­BA­DEN Noch nie war Deutsch­land be­völ­ke­rungs­rei­cher – we­der im Kai­ser­reich noch wäh­rend der Na­zi­zeit und seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung. Wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt in Wies­ba­den mit­teil­te, wuchs die Ein­woh­ner­zahl 2017 um wei­te­re 0,3 Pro­zent oder rund 270 000 Per­so­nen. Die Bun­des­re­pu­blik hat da­mit 82,8 Mil­lio­nen Ein­woh­ner.

„Deutsch­land schrumpft. Ir­gend­wann“, so hat das Bun­des­in­sti­tut für Be­völ­ke­rungs­for­schung kürz­lich die wi­der Er­war­ten stei­gen­den Ein­wan­der­er­zah­len kom­men­tiert. Seit 2012 gibt es Jahr für Jahr ein Plus. Aus­schlag­ge­bend da­für ist al­lein die Zu­wan­de­rung aus dem Aus­land. 2017 wan­der­ten rund 405 000 Per­so­nen mehr zu als ab. Gleich­zei­tig setz­te sich das Ge­bur­ten­de­fi­zit fort: Et­wa 785 000 Neu­ge­bo­re­nen stan­den 2017 rund 933 000 Ster­be­fäl­le ge­gen­über.

Da­mit er­höh­te sich zu­gleich der An­teil der aus­län­di­schen Be­völ­ke­rung: En­de 2017 leb­ten rund 9,7 Mil­lio­nen aus­län­di­sche Staats­bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik; das wa­ren 5 Pro­zent mehr als im Vor­jahr. Der An­teil der Deut­schen ver­rin­ger­te sich um 0,3 Pro­zent auf 73,1 Mil­lio­nen. Der Aus­län­der­an­teil an der Ge­samt­be­völ­ke­rung er­höh­te sich von 11,2 Pro­zent im Jahr 2016 auf 11,7 Pro­zent.

Da­mit über­la­gern in­ter­na­tio­na­le Mi­gra­ti­ons­be­we­gun­gen ge­gen­wär­tig den Trend zum Be­völ­ke­rungs­rück­gang, der durch ei­ne lang an­hal­ten­de Pha­se des Ge­bur­ten­rück­gangs an­ge­legt ist. Da seit 1972 hier­zu­lan­de je­des Jahr mehr Men­schen ster­ben, als Kin­der ge­bo­ren wer­den, wür­de die Be­völ­ke­rungs­zahl in Deutsch­land oh­ne Zu­wan­de­rung schrump­fen.

Nach An­ga­ben der Be­völ­ke­rungs­ex­per­ten ha­ben die Wan­de­rungs­ge­win­ne ins­be­son­de­re im Zu­ge der EU-Er­wei­te­rung und der Ar­beit­neh­mer­frei­zü­gig­keit deut­lich zu­ge­nom­men: für Po­len gilt das ab 2011 und für Ru­mä­nen und Bul­ga­ren ab 2014. Ins­be­son­de­re im Aus­nah­me­jahr 2015, als Hun­dert­tau­sen­de sy­ri­sche Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ka­men, spiel­te auch die An­kunft von Flücht­lin­gen ei­ne gro­ße Rol­le.

Län­ger­fris­ti­ge Pro­gno­sen über die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung in Deutsch­land sind schwie­rig. Die Dau­er des Krie­ges in Sy­ri­en oder mög­li­che wei­te­re Kri­sen in der Tür­kei oder Nord­afri­ka könn­ten für wei­te­re Mas­sen­zu­wan­de­rung sor­gen.

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