Ade, schwar­ze Null

Co­ro­na-Pan­de­mie hin­ter­lässt deut­li­che Lö­cher im Bun­des­haus­halt / Scholz plant für 2021 mit neu­en Schul­den

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK -

BERLIN Frü­her ver­spot­te­te man ihn als „Olaf Schäu­b­le“, weil er wie sein Vor­gän­ger strikt an ei­ner Po­li­tik der schwar­zen Null fest­hielt. Jetzt gibt Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz, frisch ge­kür­ter Kanz­ler­kan­di­dat der SPD, die­ses Ziel, al­so ei­nen Haus­halt oh­ne neue Schul­den, für die nächs­ten Jah­re auf. Min­des­tens bis 2024, mög­li­cher­wei­se auch län­ger, soll der Bund im Kampf ge­gen die Co­ro­na-Pan­de­mie Kre­di­te auf­neh­men. Das Ka­bi­nett seg­ne­te sei­nen Haus­halts­ent­wurf für das kom­men­de Jahr und die län­ger­fris­ti­ge Pla­nung ges­tern ab. Jetzt ist der Bun­des­tag dran – und es deu­tet sich an: Die Schul­den­po­li­tik des Vi­ze­kanz­lers kommt nicht bei al­len gut an.

Für 2021 plant Scholz mit neu­en Kre­di­ten in Hö­he von 96,2 Mil­li­ar­den Eu­ro. Da­für soll, wie auch die­ses Jahr, er­neut die im Grund­ge­setz ver­an­ker­te Schul­den­brem­se aus­ge­setzt wer­den. Das sei nö­tig, sag­te Scholz, um den Weg zu En­de zu ge­hen, den die Bun­des­re­pu­blik mit ih­rem Kri­sen­pro­gramm seit Aus­bruch der Co­ro­na-Pan­de­mie ge­he. „Wir han­deln ent­schlos­sen, auch wenn es viel Geld kos­tet – Nichts­tun kä­me un­se­rem Land sehr viel teu­rer“, be­ton­te er.

Ins­ge­samt plant Scholz mit Aus­ga­ben in Hö­he von 413,4 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das ist fast ein Fünf­tel we­ni­ger als in die­sem Jahr – al­ler­dings schlu­gen da auch enor­me Sum­men et­wa für Hilfs­pa­ke­te zu Bu­che. Ab 2022 will Scholz die Schul­den­brem­se wie­der ein­hal­ten. Das be­deu­tet je­doch nicht, dass kei­ne Schul­den ge­macht wer­den – in ge­wis­sem Um­fang sind neue Kre­di­te er­laubt. Und den will Scholz aus­schöp­fen.

Die FDP wirft dem Vi­ze­kanz­ler des­halb vor, sei­nen Haus­halt nicht im Griff zu ha­ben. Scholz ver­su­che mit im­mer neu­en Kre­di­ten „von sei­nen ro­ten Zah­len und Bud­get­lö­chern ab­zu­len­ken“, kri­ti­sier­te Haus­häl­ter Ot­to Fri­cke. Er­neut die Schul­den­brem­se aus­zu­set­zen sei hoch ris­kant, „denn man kann die viert­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt nicht dau­er­haft auf Pump fi­nan­zie­ren“.

Uni­ons-Haus­häl­ter Eck­hardt Reh­berg er­klär­te, die

Aus­nah­me 2021 sei noch ein­mal nö­tig. Doch: „Die Fi­nan­zen im Bun­des­haus­halt wer­den erst wie­der in Ord­nung sein, wenn die Schul­den­brem­se ein­ge­hal­ten ist.“Da­für dürf­ten die Aus­ga­ben nicht mehr so stark wach­sen.

Tat­säch­lich will Scholz die für die Hilfs­pa­ke­te in der Co­ro­na-Kri­se auf­ge­nom­me­nen Schul­den ab 2023 lang­sam und über Jah­re wie­der ab­bau­en. Wie das je­doch ge­lin­gen soll, blieb zu­nächst un­klar. Die 48 Mil­li­ar­den Eu­ro star­ke Rück­la­ge will der Fi­nanz­mi­nis­ter im kom­men­den Jahr noch nicht an­tas­ten. Bleibt nur Spa­ren oder mehr Ein­nah­men schaf­fen.

Grö­ße­re Spar­run­den kom­men für den Kanz­ler­kan­di­da­ten al­ler­dings nicht in­fra­ge. „Wir wer­den nicht ge­gen die Kri­se an­spa­ren, das ist Teil un­se­res öko­no­mi­schen Kon­zepts“, mach­te er klar. Statt­des­sen sol­le im Jahr der Bun­des­tags­wahl noch mehr in­ves­tiert wer­den, um die Wirt­schaft leis­tungs­fä­hi­ger zu ma­chen.

Der Etat sieht Mil­li­ar­den­in­ves­ti­tio­nen in Stra­ßen und Schie­nen­we­ge, in den kli­ma­freund­li­chen Um­bau der Wirt­schaft und in die Kin­der­be­treu­ung vor. Ge­för­dert wird et­wa künst­li­che In­tel­li­genz, 5G und die Was­ser­stoff­tech­no­lo­gie. Der Ge­sund­heits­fonds be­kommt fünf Mil­li­ar­den mehr als ge­plant, auch die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben sind hö­her, Deutsch­land gibt zu­dem mehr Geld für hu­ma­ni­tä­re Hil­fe.

Grü­nen-Haus­häl­ter SvenChris­ti­an Kind­ler kri­ti­sier­te, es ge­be zu we­nig kla­re und dau­er­haf­te In­ves­ti­ti­ons­zu­sa­gen in Kli­ma­schutz und Di­gi­ta­li­sie­rung. „Das ist ein Haus­halt mit vie­len Lü­cken“, er­klär­te er. Die Lö­cher in der Fi­nanz­pla­nung kip­pe Scholz „ein­fach der nächs­ten Bun­des­re­gie­rung vor die Fü­ße“.

Al­ler­dings scheint Scholz nicht ganz ab­ge­neigt, wenn es um hö­he­re Ein­nah­men für den Bund geht, al­so et­wa hö­he­re Steu­ern für be­stimm­te Be­völ­ke­rungs­grup­pen. Er sei wei­ter­hin der Über­zeu­gung, „dass man ein ge­rech­tes Steu­er­sys­tem ha­ben soll­te“, be­ton­te der SPD-Po­li­ti­ker. In je­dem Fall sei ge­ra­de nicht die Zeit für Steu­er­sen­kun­gen für Spit­zen­ver­die­ner.

Fo­to: dpa/Pool Reu­ters/Fa­b­ri­zio Bensch

Mas­ke ab zur Vor­stel­lung des Haus­halts­ent­wurfs: Fi­nanz­mi­nis­ter Olaf Scholz in Berlin.

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