„Ein ge­fähr­li­cher Wen­de­punkt“

Bri­ti­scher Pre­mier warnt vor hef­tig stei­gen­den In­fek­ti­ons­zah­len

Bersenbrucker Kreisblatt - - POLITIK - Von Ka­trin Pribyl

LON­DON Es ist erst we­ni­ge Wo­chen her, da rief die bri­ti­sche Re­gie­rung mit gro­ßem Ge­tö­se die Be­völ­ke­rung da­zu auf, an den Ar­beits­platz und ins öf­fent­li­che Le­ben zu­rück­zu­keh­ren. Po­li­ti­ker und vor­ne­weg Pre­mier Bo­ris John­son warn­ten schlag­zei­len­träch­tig ih­re Lands­leu­te, dass die­se ih­re Jobs ver­lie­ren könn­ten, soll­ten sie wei­ter­hin vom Kü­chen­tisch aus tä­tig sein. Zu­dem be­zahl­te der Schatz­kanz­ler im Au­gust teil­wei­se die Re­stau­rant­be­su­che der Bri­ten. Mit der Ak­ti­on „Eat out to help out“, „aus­ge­hen, um zu hel­fen“, soll­ten die Men­schen da­zu ani­miert wer­den, wie­der in Gast­stät­ten, Pubs oder Ca­fés zu ge­hen. Die Hälf­te der Rech­nung wur­de vom Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um über­nom­men. Doch die Frei­hei­ten der letz­ten Wo­chen ge­hö­ren erst ein­mal der Ver­gan­gen­heit an. Und da­für gab John­son aus­ge­rech­net der Öf­fent­lich­keit die Schuld. Es ha­be zu vie­le Ver­stö­ße ge­gen die Re­geln ge­ge­ben, sag­te er am Di­ens­tag­abend, als er sich mit ei­ner TV-An­spra­che an die Na­ti­on wand­te.

Ernst­haft, emo­tio­nal und ein­dring­lich ap­pel­lier­te er an sei­ne Lands­leu­te, sich an die Maß­nah­men zu hal­ten. Der Kampf ge­gen die Epi­de­mie sei „die größ­te Kri­se, die die Welt in mei­ner Le­bens­zeit zu be­wäl­ti­gen hat“. Der „Te­le­graph“ti­tel­te im An­schluss: „Der zwei­te Shut­down be­ginnt.“Im Kö­nig­reich steigt seit Ta­gen die Zahl der Co­ro­na­vi­rus-Neu­in­fek­tio­nen dras­tisch an.

Mehr als 4000 Fäl­le

So ver­mel­de­ten die Be­hör­den in En­g­land zu­letzt täg­lich deut­lich mehr als 4000 neue Fäl­le, ges­tern wa­ren es so­gar 4926 Neu­in­fek­tio­nen – Ten­denz stei­gend. Die Chef­wis­sen­schaft­ler des Lan­des warn­ten, dass sich das Aus­maß der Epi­de­mie et­wa al­le sie­ben Ta­ge ver­dop­pe­le. Gin­ge das so wei­ter, „könn­te Groß­bri­tan­ni­en Mit­te Ok­to­ber 49 000 Fäl­le pro Tag zäh­len“, so die Re­gie­rungs­be­ra­ter. Sie schlu­gen Alarm.

Und John­son re­agier­te. Der Pre­mier for­der­te – in ei­ner er­neu­ten Kehrt­wen­de der Re­gie­rung – die Men­schen da­zu auf, wie­der aus dem Ho­me­of­fice zu ar­bei­ten, so­weit dies mög­lich sei.

Sperr­stun­de für Pubs

Und auch das öf­fent­li­che Le­ben wird aus Angst vor ei­ner zwei­ten Wel­le wie­der et­was her­un­ter­ge­fah­ren. So kün­dig­te der Pre­mier ei­ne Sperr­stun­de für Pubs und Re­stau­rants in En­g­land an. Die­se müs­sen ab heu­te spä­tes­tens um 22 Uhr schlie­ßen, da­ne­ben wird nur noch Ser­vice am Tisch er­laubt sein. Zu­dem wird es ob­li­ga­to­risch, dass La­den­an­ge­stell­te und Ta­xi­fah­rer wie -Pas­sa­gie­re Ge­sichts­mas­ken tra­gen.

Es sei wahr­schein­lich, dass die neu­en Maß­nah­men „für sechs Mo­na­te in Kraft blei­ben“, sag­te John­son im Par­la­ment. Das Land be­fin­de sich an ei­nem „ge­fähr­li­chen Wen­de­punkt“. Ge­ge­be­nen­falls könn­te so­gar das Mi­li­tär hin­zu­ge­zo­gen wer­den, um die Re­strik­tio­nen durch­zu­set­zen.

Ein zwei­ter Lock­down wür­de „ei­nem Ver­sa­gen der Re­gie­rung“gleich­kom­men, schimpf­te in­des La­bour- Op­po­si­ti­ons­chef Keir St­ar­mer.

Fo­to: AFP/Hol­lie Adams

Bo­ris John­son

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