Zeit­wei­se nur 6,05 Eu­ro pro Kalb

Bau­ern­ver­band: Co­ro­na drückt Prei­se auf skan­da­lö­ses Ni­veau / Grü­ne: Ram­schwa­re des Sys­tems

Bersenbrucker Kreisblatt - - WIRTSCHAFT - Von Dirk Fis­ser

OS­NA­BRÜCK Für weib­li­che Käl­ber der Ras­se Hol­stein ha­ben Land­wir­te in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten im Schnitt we­ni­ger als zehn Eu­ro pro Tier er­hal­ten. Das geht aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf An­fra­ge der Grü­nen her­vor. Dem­nach kos­te­te ein Hol­stein-Kuh­kalb im Ju­li im Schnitt 9,61 Eu­ro. Im Mai lag der Preis so­gar nur bei 6,05 Eu­ro. Mehr Geld be­ka­men Land­wir­te für männ­li­che Tie­re – zu­letzt 58,38 Eu­ro pro Tier. Im Mai wa­ren es in­des nur 35,25 Eu­ro.

Al­bert Hort­mann-Schol­ten, Markt­ex­per­te der Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen, sag­te, die Co­ro­naPan­de­mie ha­be zu dem Preis­sturz bei Käl­bern zur Jah­res­mit­te bei­ge­tra­gen. Kalb­fleisch wer­de be­son­ders in Re­stau­rants und Ho­tels ver­kauft. Weil die­se pan­de­mie­be­dingt schlie­ßen muss­ten, fehl­te es an Ab­satz­mög­lich­kei­ten.

Zu­letzt hät­ten Su­per­märk­te und Dis­coun­ter ver­stärkt Kalb­fleisch ins Sor­ti­ment auf­ge­nom­men. Dies ha­be die Prei­se sta­bi­li­siert, so Hort­mann-Schol­ten.

Bernhard Krüs­ken, Ge­ne­ral­se­kre­tär beim Deut­schen Bau­ern­ver­band, be­zeich­ne­te das Preis­ni­veau als „skan­da­lös und in­ak­zep­ta­bel“. Er ver­wies eben­so wie Hort­mann

Schol­ten aber dar­auf, dass die be­son­ders nied­ri­gen Prei­se für weib­li­che Käl­ber auf ins­ge­samt nur ei­ne ge­rin­ge Zahl an Ver­käu­fen zu­rück­gin­gen.

Die meis­ten Kuh­käl­ber blie­ben auf den Be­trie­ben und wür­den hier spä­ter in der Milch­pro­duk­ti­on ein­ge­setzt. Be­son­ders sol­che, die un­frucht­bar sei­en, wür­den ver­kauft. Wich­ti­ger ist der Preis für männ­li­che Tie­re, da sich vie­le Be­trie­be al­lein auf die Milch­pro­duk­ti­on spe­zia­li­siert ha­ben. Für Bul­len ist kein Platz auf den Hö­fen, sie wer­den an Mast­be­trie­be wei­ter­ver­kauft, die teil­wei­se auch im Aus­land lie­gen.

Grü­nen-Agrar­po­li­ti­ker Fried­rich Os­ten­dorf be­zeich­ne­te die star­ke Fo­kus­sie­rung auf die Milch­pro­duk­ti­on in der Züch­tung als falsch. „Käl­ber wer­den zu Ram­schwa­re ei­nes Sys­tems, das auf ho­he Mil­ch­ef­fi­zi­enz aus­ge­rich­tet ist“, so der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te. Er sag­te, ei­ne Kon­se­quenz der schlech­ten Prei­se sei, dass die Käl­ber zum Teil sehr weit trans­por­tiert wür­den – et­wa nach Spa­ni­en.

Ge­ne­ral­se­kre­tär Krüs­ken be­ton­te in­des die Be­deu­tung der Ex­port­mög­lich­kei­ten für die Land­wirt­schaft. 2019 sei­en mehr als 765 000 Rin­der in EU-Mit­glieds­län­der ex­por­tiert wor­den. Haupt­zi­el­land wa­ren die Nie­der­lan­de für 663 000 Rin­der, dar­un­ter et­wa 627 000 Käl­ber. Nach Spa­ni­en wur­den gut 24 000 Käl­ber ver­kauft. Krüs­ken sag­te: „ Ak­tu­ell wer­den in ei­ni­gen Re­gio­nen Trans­por­te von Käl­bern über lan­ge Stre­cken nach Spa­ni­en oder in die Nie­der­lan­de ent­ge­gen der bis­her üb­li­chen Pra­xis von den Ve­te­ri­när­be­hör­den nicht mehr ab­ge­fer­tigt. Das er­höht den Druck auf den Markt zu­sätz­lich.“

Fo­to: Gert West­dörp

We­nig Ab­satz­mög­lich­kei­ten für Kalb­fleisch: Teils deut­lich we­ni­ger als zehn Eu­ro ha­ben Land­wir­te in den zu­rück­lie­gen­den Wo­chen für weib­li­che Käl­ber be­kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.