Für ein re­spekt­vol­les Mit­ein­an­der

Aus­stel­lung „Deut­sche aus Russ­land“in Bersenbrüc­k er­öff­net

Bersenbrucker Kreisblatt - - SG BERSENBRÜC­K / LOKALSPORT - Von Miriam Hei­de­mann Wern­ke.

BERSENBRÜC­K Vor­ur­tei­le ab­bau­en und ein re­spekt­vol­les Mit­ein­an­der ge­stal­ten: Da­für steht die in der Au­la der Von-Ra­vens­berg-Schu­le er­öff­ne­te Wan­der­aus­stel­lung „Deut­sche aus Russ­land – Ge­schich­te und Ge­gen­wart“. Als Teil der in­ter­kul­tu­rel­len Wo­che, die zum ers­ten Mal auch in der Samtgemein­de Bersenbrüc­k statt­fin­det, ist die Schau bis zum 3. Ok­to­ber im Samt­ge­mein­derat­haus in der Lin­den­stra­ße zu se­hen.

In sei­nem Ein­füh­rungs­vor­trag bot Pro­jekt­lei­ter Jakob Fi­scher ei­nen Über­blick über die Ge­schich­te und Hin­ter­grün­de der Russ­land­deut­schen. Die gro­ße Aus­wan­de­rungs­wel­le von Deut­schen in das rus­si­sche Reich ging von der deutsch­stäm­mi­gen Za­rin Kat­ha­ri­na der Gro­ßen aus. Mit viel­ver­spre­chen Pri­vi­le­gi­en wie Glau­bens­frei­heit und Steu­er­be­frei­ung warb sie in ei­nem Ein­la­dungs­ma­ni­fest 1763 um aus­län­di­sche Sied­ler. Die­se soll­ten die un­be­wohn­ten Ge­bie­ten be­sie­deln und das Land be­wirt­schaf­ten. Dem Ruf folg­ten Tau­sen­de Deut­sche. So ent­stan­den bis ins 19. Jahr­hun­dert hin­ein vie­le deut­sche Sied­lun­gen an der Wol­ga, auf der Krim, im Kau­ka­sus und in an­de­ren Re­gio­nen.

Im 20. Jahr­hun­dert wur­den die Nach­fah­ren deu­tÜber ei­ne ge­lun­ge­ne Aus­stel­lungs­er­öff­nung freu­en sich (von links) Leo­na Bi­enk, Eu­gen Ei­chel­berg, Bär­bel He­de­mann, Jakob Fi­scher, Ire­ne Vo­gel und Micha­el schen Sied­ler in der da­ma­li­gen So­wjet­uni­on nach zwei blu­ti­gen Welt­krie­gen zu­neh­mend Op­fer von Un­ter­drü­ckung, Aus­beu­tung und De­por­ta­ti­on. In der Fol­ge ver­lie­ßen sie die Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on so­wie die Nach­fol­ge­staa­ten der ehe­ma­li­gen UdSSR, um sich in der „frem­den Hei­mat“Deutsch­land ein neu­es Le­ben auf­zu­bau­en. Für Pro­jekt­lei­ter Fi­scher ste­hen die Russ­land­deut­schen für er­folg­rei­che In­te­gra­ti­on – doch der Weg da­hin war schwer.

„Die Ge­schich­te wird zu we­nig er­zählt, und da­her gibt es im­mer noch vie­le Vor­ur­tei­le“, sagt Fi­scher, der in sei­nem Vor­trag auch be­we­gen­de Ein­bli­cke in sei­ne ei­ge­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te und die Er­leb­nis­se in Russ­land schil

dert. Das Aus­stel­lungs­pro­jekt, das Fi­scher ge­mein­sam mit Eu­gen Ei­chel­berg rea­li­sier­te, soll da­her über das Schick­sal der Russ­land­deut­schen auf­klä­ren und für mehr Ver­ständ­nis sor­gen. In 24 Text­ta­feln wird die Ge­schich­te der deut­schen Spät­aus­sied­ler aus den Staa­ten der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on und ih­re Ein­glie­de­rung in das Le­ben in Deutsch­land er­zählt.

In Russ­land aus­ge­grenzt

„Die Spät­aus­sied­ler hat­ten es hart, denn zu­erst muss­ten sie die Aus­gren­zung in Russ­land er­tra­gen, und dann ge­hör­ten sie auch in Deutsch­land nicht da­zu“, be­rich­tet Ire­ne Vo­gel, Vor­sit­zen­de der Os­na­brü­cker Orts­grup­pe des

Ver­eins Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land. In der ge­mein­sa­men Dis­kus­si­ons­run­de schil­dert sie sehr ein­drück­lich die Schwie­rig­kei­ten, mit de­nen sie sich selbst kon­fron­tiert sah, als sie 1990 aus Ka­sachs­tan nach Deutsch­land kam. Um an­er­kannt zu wer­den, hat die ge­lern­te Deutsch­leh­re­rin oft Durch­set­zungs­ver­mö­gen zei­gen müs­sen. Sie hofft auf mehr Ver­ständ­nis für die Schick­sa­le und Er­leb­nis­se der Russ­land­deut­schen.

„Es ist schwer mit der Frei­heit, wenn man 50 Jah­re ge­lernt hat zu schwei­gen“, sagt auch ei­ne äl­te­re Be­su­che­rin über den Wech­sel vom Le­ben in der fa­schis­ti­schen So­wjet­uni­on zum All­tag im de­mo­kra­ti­schen Deutsch­land. Als

sie 1987 nach Deutsch­land kam, ha­be die Hil­fe und Un­ter­stüt­zung ih­rer neu­en Nach­barn ihr Mut ge­macht. Sich ge­gen­sei­tig in der Not zu hel­fen, ge­nau das drü­cke mehr Mit­ein­an­der aus. „Es ist schwer, sich ir­gend­wo neu ein­zu­le­ben, aber da­mit das ge­lingt, müs­sen es bei­de Sei­ten wol­len“, sagt sie.

Für mehr Mit­ein­an­der warb auch Samt­ge­mein­de­bür­ger­meis­ter Micha­el Wern­ke in sei­nem Gruß­wort. „Wir al­le ste­hen für Wer­te, für ein Ge­mein­we­sen. Und das darf be­rei­chert wer­den auch durch an­de­re Kul­tu­ren“, sagt er mit Blick auf die in­ter­kul­tu­rel­le Wo­che. Die in die­sem Rah­men in­iti­ier­ten Pro­jek­te und Ak­tio­nen sol­len die kul­tu­rel­le Viel­falt in der

Samtgemein­de noch leb­haf­ter und nach­hal­ti­ger ge­stal­ten.

Te­le­fo­nisch an­mel­den

Die Wan­der­aus­stel­lung „Deut­sche aus Russ­land“wur­de von der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land kon­zi­piert und mit Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des In­nern und des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge rea­li­siert. Bis zum 3. Ok­to­ber 2020 ist die Schau noch im Rat­haus der Samtgemein­de Bersenbrüc­k zu se­hen. Der Ein­tritt ist frei. Auf­grund der Co­ro­naBe­stim­mun­gen ist ei­ne An­mel­dung bei Leo­na Bi­enk vom Ver­ein „Mit­ein­an­der bunt“un­ter Te­le­fon 05439 60299817 er­for­der­lich.

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