Kei­ne lang­wei­li­ge Ak­ten­ar­beit

War­um ei­ne jun­ge Ber­sen­brü­cke­rin Jus­tiz­fach­wir­tin wer­den will

Bersenbrucker Kreisblatt - - SG BERSENBRÜC­K / LOKALSPORT - Von Cristina Schwiet­ert

BERSENBRÜC­K Ju­lia Reitz aus Bersenbrüc­k ist im zwei­ten Jahr ih­rer jus­ti­zin­ter­nen Aus­bil­dung zur Jus­tiz­fach­wir­tin, die ins­ge­samt 30 Mo­na­te dau­ert. Aus­bil­dungs­be­trieb der 21-Jäh­ri­gen ist das Amts­ge­richt Bersenbrüc­k, das wie­der­um zum Be­zirk des Ober­lan­des­ge­richts Ol­den­burg ge­hört.

„Zum Ober­lan­des­ge­richt nach Ol­den­burg muss man auch für den Aus­wahl­test, ein Jahr vor Be­ginn der Aus­bil­dung“, er­zählt Ju­lia Reitz. Dass sie nach der Schu­le Jus­tiz­fach­wir­tin wer­den wür­de, sei ei­gent­lich nicht ihr Plan ge­we­sen, be­rich­tet sie. „Ich ha­be zwar wäh­rend mei­ner Zeit an der Re­al­schu­le das Schul­prak­ti­kum beim Amts­ge­richt ge­macht, mei­ne Rich­tung war da­mals aber eher was So­zia­les.“Des­halb mach­te Ju­lia Reitz nach dem Re­al­schul­ab­schluss ihr Abitur mit dem Schwer­punkt So­zi­al­päd­ago­gik in Clop­pen­burg. Da­nach war sie ein Jahr im Rah­men des Bun­des­frei­wil­li­gen­diens­tes im

Ju­lia Reitz be­rei­tet Ak­ten zur Ver­hand­lung vor: „In je­der Ak­te fin­det sich ei­ne Le­bens­ge­schich­te. Das ist mehr als ein Pa­cken Pa­pier.“

Ju­gend- und Bil­dungs­haus in Bersenbrüc­k tä­tig.

Nun al­so die Jus­tiz – stau­bi­ge, ein­tö­ni­ge Ak­ten­ar­beit, so denkt der Au­ßen­ste­hen­de. „Mit­nich­ten“, sagt die An­wär­te­rin und Be­am­tin auf Wi­der­ruf. To­tal ab­wechs­lungs­reich sei die Ar­beit als an­ge­hen­de Jus­tiz­fach­wir­tin, denn Amts­ge­richt, das sei viel mehr als Ge­richts­ver­hand­lun­gen und Ak­ten­ber­ge. Für je­weils ei­ni­ge Wo­chen durch­läuft Ju­lia Reitz die Ab­tei­lun­gen ih­res Aus­bil­dungs­ge­rich­tes in Bersenbrüc­k. Das sind die Ab­tei

lun­gen Grund­buch, Nach­lass, Fa­mi­lie, Be­treu­ung, Voll­stre­ckung, In­sol­venz, Zi­vil- und Straf­recht so­wie der Jus­tiz­ser­vice als ers­te Aus­kunfts­stel­le für al­le Bür­ger.

„Zur­zeit bin ich in der Be­treu­ungs­ab­tei­lung. Hier hat je­de Ak­te ih­re sehr per­sön­li­che und manch­mal auch trau­ri­ge Ge­schich­te. Die darf man nicht so sehr an sich her­an­las­sen.“

Auch hat Ju­lia Reitz be­reits die Ar­beit der Os­na­brü­cker Staats­an­walt­schaft und des Land­ge­rich­tes in Os­na­brück ken­nen­ge­lernt. Ei­ne wei­te­re Aus­bil­dungs­sta­ti­on ist das Re­gis­ter­ge­richt, eben­falls in Os­na­brück. „Die Aus­bil­dung ist gut or­ga­ni­siert. In je­der Ab­tei­lung be­kom­me ich ei­ne Be­zugs­per

son, der ich dann zu­ar­bei­te. Das klappt gut und ist ef­fek­tiv.“Die Theo­rie er­ler­nen die An­wär­ter in mehr­mo­na­ti­gen Un­ter­richts­blö­cken in Os­na­brück. „Un­ter­rich­tet wer­den wir dort von Jus­tiz­fach­wir­ten, aber auch von Rich­tern, Staats­an­wäl­ten und Rechts­pfle­gern. Al­les ist gut or­ga­ni­siert. Ar­beit und Ar­beits­zeit sind ge­re­gelt. Ins­ge­samt ist die­ser Be­ruf das, was ich mir ein Le­ben lang vor­stel­len kann.“

Andrea Holt­käm­per ist Jus­tiz­fach­wir­tin und stell­ver­tre­ten­de Aus­bil­dungs­lei

Für Holt­käm­per soll­te ein An­wär­ter „un­be­dingt team­fä­hig sein und höf­lich. Wir ha­ben viel Pu­bli­kums­ver­kehr, auch per Te­le­fon. Da soll­te man sich gut äu­ßern kön­nen. Manch­mal muss man die Leu­te auch be­ru­hi­gen und de­es­ka­lie­rend wir­ken. Men­schen, die zu uns kom­men, be­fin­den sich oft in Aus­nah­me­si­tua­tio­nen.“Da Jus­tiz­fach­wir­te wäh­rend der Ge­richts­ver­hand­lun­gen Pro­to­koll füh­ren, soll­ten die Be­wer­ber gut in Wort und Schrift sein. Das fach­spe­zi­fi­sche Wis­sen las­se sich wäh­rend der Aus­bil­dung er­ler­nen. „Die Be­rufs­aus­sich­ten bei der Jus­tiz sind sehr gut“, so die Jus­tiz­fach­wir­tin, „es ist ein kri­sen­fes­ter Ar­beits­platz.“

Fo­to: Cristina Schwiet­ert

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