Sie­del­ten Ger­ma­nen vor 2000 Jah­ren in Achim?

Mit Mini­trak­tor und Son­de su­chen Archäo­lo­gen nach Über­res­ten ei­nes Dor­fes bei Bre­men

Bersenbrucker Kreisblatt - - REPORTAGE - Von Frie­de­mann Koh­ler Jut­ta Precht (l.) und An­net­te Sieg­mül­ler.

ACHIM Ein Archäo­lo­ge muss nicht un­be­dingt mit Ha­cke und Schau­fel gra­ben – Jens Lüh­mann kommt auch so ins Schwit­zen. Ei­nen glü­hend hei­ßen Son­nen­tag lang fährt er mit ei­nem Mini­trak­tor über ein Feld am Stadt­rand von Bre­men. Staub wir­belt über den Stop­pel­acker.

Wie warm ist es in sei­ner Ka­bi­ne? „Kei­ne Ah­nung, viel­leicht 40 Grad“, sagt Lüh­mann, Gra­bungs­tech­ni­ker vom Nie­der­säch­si­schen In­sti­tut für his­to­ri­sche Küs­ten­for­schung aus Wil­helms­ha­ven. Spur für Spur zieht der Tre­cker ei­ne Son­de für geo­ma­gne­ti­sche Mes­sun­gen übers Feld.

Lüh­manns Kol­le­gin An­net­te Sieg­mül­ler und Jut­ta

Precht, Kreis­ar­chäo­lo­gin des Land­krei­ses Ver­den, war­ten ge­spannt auf Er­geb­nis­se. Wenn ih­re Ver­mu­tun­gen stim­men, dann gab es hier im Achi­mer Orts­teil Uphusen vor et­wa 2000 Jah­ren ei­nen Fluss­arm. Und dar­an lag ei­ne ger­ma­ni­sche Sied­lung. „Die Ger­ma­nen ha­ben gern an Fluss­läu­fen ge­sie­delt“, sagt Precht.

Ki­lo­wei­se al­te Scher­ben

Auf je­nem Acker ha­be ein Bre­mer Hob­by­for­scher seit den 1970er-Jah­ren ki­lo­wei­se al­te Scher­ben ge­fun­den und spä­ter dem Land­kreis Ver­den ver­macht, be­rich­tet sie. Luft­bild­auf­nah­men des Ge­biets zei­gen Ve­rän­de­run­gen der Ve­ge­ta­ti­on, die auf den Fluss­lauf hin­deu­ten.

Kar­tie­ren ei­nen Acker:

Für Sieg­mül­ler passt das ins Bild: An We­ser und Al­ler ha­be es vor zwei Jahr­tau­sen­den vie­le Sied­lun­gen ge­ge­ben, sagt die Archäo­lo­gin.

Die Be­woh­ner hät­ten Kon­tak­te bis zur Nord­see, aber auch ins Lan­des­in­ne­re ge­habt. Die Al­ler er­schlie­ße We­ge bis ins heu­ti­ge Sach­sen

An­halt. Und es war ei­ne sehr be­weg­te Zeit: Die Rö­mer dran­gen in Ger­ma­ni­en vor, er­reich­ten Ems und El­be, bis sie in der Va­rus­schlacht im

Jahr 9 nach Chris­ti Ge­burt ge­schla­gen wur­den.

Die geo­ma­gne­ti­sche Mes­sung spü­re feins­te Ve­rän­de­run­gen in der me­tal­li­schen Zu­sam­men­set­zung des Erd­bo­dens auf, er­läu­tert Sieg­mül­ler.

Me­ter­ge­naue Ver­mes­sung

Es ent­ste­he ei­ne Land­kar­te, die Rück­schlüs­se auf Feu­er- oder Schmie­de­stel­len, Häu­ser oder Ge­gen­stän­de zu­las­se. „Das ist un­se­re bes­te und schnells­te Pro­spek­ti­ons­me­tho­de.“Gro­ße Flä­chen las­sen sich auf die­se Wei­se leicht er­kun­den; die Wis­sen­schaft­ler er­ken­nen, wo es sich spä­ter loh­nen könn­te zu boh­ren oder zu gra­ben.

Mo­der­ne Archäo­lo­gen set­zen auch Luft­bil­der, Ge­o­ra­dar oder Geo­elek­trik ein. „Die­se neu­ar­ti­gen Hilfs­mit­tel er­leich­tern ar­chäo­lo­gi­sche Ar­beit sehr“, sagt Sieg­mül­ler. Auch der Mini­trak­tor, ei­ne Art Quad mit Ka­bi­ne, ist noch ziem­lich neu. An­fangs muss­ten die Wis­sen­schaft­ler die Son­den an der lan­gen Deich­sel noch sel­ber durchs Ge­län­de zie­hen.

Die­ser An­hän­ger ist kom­plett oh­ne Me­tall kon­stru­iert, da­mit nichts das ma­gne­ti­sche Feld stört. Oben­drauf thront ei­ne GPS-An­ten­ne, die Gra­bungs­tech­ni­ker Lüh­mann sei­ne par­al­le­len Bah­nen vor­gibt. „Die Spur, die ich fah­re, wird rot an­ge­zeigt.“So wird kein Qua­drat­me­ter aus­ge­las­sen. Und wie­der rollt der Tre­cker da­von, ei­ne Staub­wol­ke im Schlepp­tau.

Fo­to: Si­na Schuldt/dpa

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