Ge­hei­me Ver­su­che an Men­schen

Spiel­film über Me­di­ka­men­ten­tests in der DDR

Bersenbrucker Kreisblatt - - KULTUR - Von Ma­rie-Lui­se Braun

OS­NA­BRÜCK Wie soll man auf et­was kom­men, mit dem man gar nicht rech­net? Und bei dem al­les ver­sucht wird, es zu ver­tu­schen? Es dau­ert ei­ne Wei­le, bis Ar­min (Flo­ri­an Stet­ter) und Ma­rie Gla­ser (Fe­li­ci­tas Woll) durch­schau­en, was im Kran­ken­haus mit ih­rer Toch­ter pas­siert. Ka­ti (Le­na Ur­zen­dow­sky) muss 1988 mit selt­sa­men Sym­pto­men ins Kran­ken­haus von Karl-Marx-Stadt. Die Dia­gno­se: Mul­ti­ple Sk­le­ro­se.

Ein Schock. Doch es gibt Hoff­nung. Im Stadt­kran­ken­haus gibt es ei­ne neu­ar­ti­ge Be­hand­lung, die viel­ver­spre­chend zu sein scheint. Als es Un­ge­reimt­hei­ten gibt, fängt Ar­min an, die The­ra­pie-Me­tho­de zu hin­ter­fra­gen. Aber als er her­aus­fin­den will, wel­che Me­di­ka­men­te Ka­ti be­kommt, stößt er auf ver­schlos­se­ne Me­di­zi­ner.

Schließ­lich nutzt Ar­min sei­nen Rang als Ober­leut­nant der Staats­si­cher­heit, um an die ge­wünsch­ten In­for­ma­tio­nen zu kom­men. Die ver­mag er zu­nächst kaum zu glau­ben: Kann es wirk­lich

Im Kran­ken­haus: Ka­ti (Le­na Ur­zen­dow­sky, r.) mit ih­ren El­tern und Dr. Si­gurd (Co­rin­na Har­fouch), sein, dass ein west­deut­scher Phar­ma­kon­zern heim­lich neue Me­di­ka­men­te an ost­deut­schen Bür­gern tes­tet?

Ähn­lich un­gläu­big re­agier­te Fran­zis­ka An der Gas­sen, als sie 2013 in ei­ner Ta­ges­zei­tung las, dass west­deut­sche Phar­ma­un­ter­neh­men von 1964 bis 1990 Me­di­ka­men­te an Pa­ti­en­ten in der DDR tes­te­ten. Rund 50 000 Pro­ban­den nah­men teil. „Ich war sehr be­stürzt und frag­te mei­ne Fa­mi­lie und mei­ne Freun­de, ob sie et­was da­von ge­hört hat­ten“, er­zählt die Pro­du­zen­tin, die 1978 in Ost-Berlin zur Welt ge­kom­men ist. „Kei­ner wuss­te da­von. Des­halb woll­te ich der Sa­che selbst jour­na­lis­tisch auf den Grund ge­hen“, er­gänzt sie.

Sie und ih­re Mit­ar­bei­ter kon­tak­tier­ten Bun­des­mi­nis­te­ri­en, re­cher­chier­ten im Sta­si­ar­chiv, im Bun­des­ar­chiv, spra­chen mit Me­di­zin­his­to­ri­kern und an­de­ren Ex­per­ten. „Mit ei­nem Team aus Fach­be­ra­tern und Re­cher­cheu­ren tru­gen wir über 600 Ori­gi­nal­ak­ten, Sta­si­do­ku­men­te, Pa­ti­en­ten­ak­ten, Stu­di­en­be­le­ge, Auf­klä­rungs­bo­gen, Ver­trä­ge, his­to­ri­sche Ge­set­zes­tex­te und vie­les mehr als Pri­mär­quel­len zu­sam­men“, er­zählt An der Gas­sen.

„Ich be­geg­ne ech­ten The­men mit fik­tio­na­len Ge­schich­ten“, er­klärt sie ih­re Ar­beits­wei­se. Für „Kran­ke Ge­schäf­te“hat sie des­halb mit dem Dreh­buch­au­tor Jo­han­nes Betz das Buch ent­wi­ckelt. Wich­tig sei ihr da­bei der An­satz ge­we­sen, die Ge­schich­te aus meh­re­ren Per­spek­ti­ven zu er­zäh­len. In der es eben auch kaum kla­re Po­si­tio­nen ge­be. So ist der li­ni­en­treue Sta­si-Leut­nant eben auch ein be­sorg­ter Va­ter, der da­für Gren­zen über­schrei­tet.

Kran­ke Ge­schäf­te. Ar­te, mor­gen, 20.15 Uhr. ZDF, 28. Sep­tem­ber, 20.15 Uhr.

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