Die Re­vo­lu­ti­on der Glücks­kek­se?

Gu­te Ide­en ge­gen lang­wei­li­gen Ge­schmack und hoh­le Sprü­che: Nie­der­sach­se will die In­dus­trie für das Ge­bäck um­krem­peln

Bersenbrucker Kreisblatt - - LEUTE -

HA­MELN Die bes­ten Fra­gen stel­len oh­ne­hin im­mer die Kin­der: „Pa­pa, war­um gibt’s kei­ne Glücks­kek­se für Kin­der?“, fragt die zehn­jäh­ri­ge Lina ih­ren Va­ter, den Star­t­up- Grün­der Micha­el Rohr­drom­mel. Der kann nur fest­stel­len: Stimmt, die gibt es nicht.

Al­so führt man sie ein, et­wa 100 Grund­schü­ler den­ken sich Wis­sens- und Mo­ti­va­ti­ons­sprü­che für die Zet­tel im Keks aus. „Das funk­tio­niert bei Kin­dern wie ver­rückt“, meint der 54-Jäh­ri­ge. Zu den Fra­gen, die sich die Kin­der aus­ge­dacht ha­ben, ge­hört bei­spiels­wei­se: „Wuss­test Du, dass der größ­te Hund der Welt ei­ne deut­sche Dog­ge war?“Rohr­drom­mel, vie­le Jah­re im Event­ma­nage­ment, grün­de­te in Ha­meln das Start-up Ef­fects Mar­ke­ting Gm­bH, um ganz ei­ge­ne

Glücks­kek­se her­zu­stel­len – mit Scho­ko­la­den­ge­schmack, lac­to­se­frei und ve­gan. Da­zu soll­ten Botschafte­n kom­men, die die Men­schen in­spi­rie­ren. War­um? Im­mer ha­be er sich auf Glücks­kek­se ge­freut, je­des Mal sei er ent­täuscht wor­den – vom Ge­schmack wie von den eher be­lang­lo­sen Botschafte­n auf den Zet­teln.

Die Fol­ge: Am 4. April 2018 ent­stand der ers­te ei­ge­ne Scho­ko­glücks­keks. Et­wa 500 Botschafte­n, vie­le selbst ver­fasst, hat er im Pro­gramm, stän­dig kom­men neue hin­zu. Denn in­zwi­schen schi­cken Men­schen ei­ge­ne Botschafte­n für die Glücks­kek­se, die auch ver­wen­det wer­den – samt Na­men des Au­tors. Und auch der 54-Jäh­ri­ge ist um Botschafte­n nicht ver­le­gen. Ei­ner sei­ner Lieb­lings­tex­te aus den Kek­sen lau­tet – in Kurz­fas­sung: „Sei je­den Tag be­geis­tert von al­lem, was Du machst.“Auch da­bei: „Das Wich­tigs­te ist, Dich selbst glück­lich zu ma­chen.“

Die Her­aus­for­de­rung für den Grün­der, sei­ne acht Be­schäf­tig­ten und drei Azu­bis: Die Kek­se an den Mann brin­gen, Part­ner in Han­del und Wirt­schaft fin­den. Und die Co­ro­na-Kri­se zu über­ste­hen: „Or­dent­li­che Ohr­fei­gen“ha­be die Zeit des Lock­downs ihm ein­ge­bracht, Auf­trä­ge sei­en ver­rin­gert oder ganz

pro­du­ziert Micha­el Rohr­drom­mel be­son­de­re Glücks­kek­se. stor­niert wor­den, er­zählt der 54-Jäh­ri­ge. Da­bei ka­men auf der Köl­ner Süß­wa­ren­mes­se im Fe­bru­ar An­fra­gen aus zahl­rei­chen Län­dern und von gro­ßen Un­ter­neh­men. „Es ist für al­le schwer“, sag­te Rohr­drom­mel.

Da­bei sind die Plä­ne im­mer noch am­bi­tio­niert, ei­ne Mil­li­on Kek­se will das klei­ne Un­ter­neh­men im lau­fen­den Jahr schaf­fen – nach 550 000 im ver­gan­ge­nen. Mit sei­nen Kek­sen hat er 2019 rund 290 000 Eu­ro um­ge­setzt, 500 000 Eu­ro sol­len es nun wer­den. Ge­ba­cken wird in Karls­ru­he, Kon­fek­tio­nie­rung und Ver­pa­ckung sind in Ha­meln und in der Nä­he in Hes­sisch Ol­den­dorf an­ge­sie­delt.

Die Schwie­rig­keit aber bleibt: „Es ist ein lan­ger, har­ter Weg, in Deutsch­land ein Le­bens­mit­tel­pro­dukt an den Markt zu brin­gen“, er­klär­te Rohr­drom­mel. Und der Markt da­für? Ist „de­fi­ni­tiv ei­ne Ni­sche“, sagt Sol­veig Schnei­der, Spre­che­rin des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Süß­wa­ren­in­dus­trie.

Glücks­kek­se, die ver­mut­lich aus den USA stam­men – nicht aus Chi­na, wie vie­le glau­ben –, wer­den schon län­ger auch in Deutsch­land pro­du­ziert. Größ­ter Her­stel­ler in Deutsch­land ist nach ei­ge­nen An­ga­ben die Sweet & Lu­cky Gm­bH im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Gon­dels­heim. Das Pa­tent für den Scho­ko­Glücks­keks aber hat: Micha­el Rohr­drom­mel.

Am Un­ter­neh­mens­sitz in Ha­meln ist auch die Hand­kon­fek­tio­nie­rung. Wenn viel zu tun ist, muss das gan­ze Team ran und Kek­se ver­pa­cken, er­zählt Mar­ke­ting­che­fin Ju­lia Wei­nert. „ An­fangs war man sehr lang­sam und vor­sich­tig, in­zwi­schen kann je­der al­les.“Die teils recht per­sön­li­chen Botschafte­n aus den Kek­sen ge­hen den Men­schen manch­mal na­he, sag­te Rohr­drom­mel. „Ein­mal hat ei­ne Frau vor mir ge­stan­den und ge­weint.“Und ein 85-Jäh­ri­ger, des­sen Frau ge­ra­de ge­stor­ben war, be­kam in sei­nem Keks den Rat, sich auf sich selbst zu kon­zen­trie­ren und et­was Neu­es an­zu­fan­gen. Da hat er sich ei­nen Hund an­ge­schafft.

Mit sei­nem Start-up

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