Bersenbrucker Kreisblatt

Ex­per­te warnt vor Er­star­ken der Ta­li­ban

- Von El­vi­ra Tr­ef­fin­ger Military · Terrorism · Politics · Warfare and Conflicts · World Politics · Taliban · Afghanistan · Donald Trump · Trump family · Kabul · Doha · United States of America · Joe Biden · Dubai

BONN In Af­gha­nis­tan wächst die Angst vor ei­ner Rück­kehr der Ta­li­ban an die Macht. Der von US-Prä­si­dent Do­nald Trump bis Ja­nu­ar an­ge­kün­dig­te Teil­ab­zug von US-Trup­pen schwä­che die Po­si­ti­on der Re­gie­rung in Ka­bul ge­gen­über ra­di­kal­is­la­mi­schen Auf­stän­di­schen, sagt Tho­mas Rut­tig, Co-Di­rek­tor der Denk­fa­brik Af­gha­nis­tan Ana­lysts Net­work. „Denn mit nur noch 2500 Sol­da­ten wird es er­heb­lich schwie­ri­ger, den Streit­kräf­ten bei­zu­sprin­gen, wenn sie un­ter Druck der Ta­li­ban kom­men.“

Im Do­ha-Ab­kom­men vom Fe­bru­ar hat­ten die USA und die Ta­li­ban ei­nen voll­stän­di­gen Trup­pen­ab­zug ver­ein­bart. „Doch Af­gha­nis­tan ist dem Frie­den noch nicht nä­her ge­kom­men“, sagt Rut­tig, der 13 Jah­re im Land ge­lebt hat. Zu­letzt ha­be die Ge­walt wie­der zu­ge­nom­men. In dem Ab­kom­men sag­ten die Ta­li­ban zu, kei­ne aus­län­di­schen Trup­pen und kei­ne gro­ßen Städ­te mehr zu at­ta­ckie­ren. „Des­halb grei­fen sie jetzt au­ßer­halb der Städ­te und die af­gha­ni­schen Streit­kräf­te an. Im Ge­gen­zug flo­gen die Ame­ri­ka­ner mehr Luft­an­grif­fe.“

„Mit Kämp­fen rech­nen“

Der künf­ti­ge US-Prä­si­dent Joe Bi­den wer­de hof­fent­lich stär­ker dar­auf drin­gen, dass die Ta­li­ban ih­re ver­ein­bar­ten Ge­gen­leis­tun­gen er­brin­gen, sagt Rut­tig. Da­zu ge­hö­re, kei­ner Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ei­ne Ba­sis zu bie­ten. Von Bi­den er­hofft sich Rut­tig auch, dass er sich für ein in­ne­raf­gha­ni­sches Frie­dens­ab­kom­men stark­macht. Doch sta­gnier­ten die Ge­sprä­che zwi­schen Re­gie­rung und Ta­li­ban schon in der Start­pha­se. Die Ver­hand­lun­gen könn­ten sich noch lan­ge

hin­zie­hen: „Man muss auch da­mit rech­nen, dass sie we­gen Dif­fe­ren­zen ge­le­gent­lich un­ter­bro­chen wer­den und wäh­rend die­ser Zeit wei­ter ge­kämpft wird.“

Si­cher­heit darf für Rut­tig in Af­gha­nis­tan aber nicht al­lein mi­li­tä­risch de­fi­niert wer­den: „Wäh­rend gro­ße Tei­le der Eli­te ihr Jet­set-Le­ben zwi­schen Ka­bul und Du­bai ge­nie­ßen, müs­sen vie­le Men­schen se­hen, wie sie an an­dert­halb Mahl­zei­ten am Tag kom­men.“Af­gha­nis­tan wer­de zu­dem noch lan­ge auf Hil­fe an­ge­wie­sen sein. Die Staats­fi­nan­zen stamm­ten zu 75 Pro­zent aus dem Aus­land.

Zugleich gras­siert laut Rut­tig die Kor­rup­ti­on: „Vie­le Af­gha­nen wün­schen sich, dass die Ta­li­ban mit­re­gie­ren, weil sie se­hen, das sie in den von ih­nen kon­trol­lier­ten Ge­bie­ten die Kor­rup­ti­on vie­ler­orts stopp­ten.“Die Kriegs­wirt­schaft be­güns­ti­ge das Pha­nö­men noch. Das sei „ein ganz gro­ßes Pro­blem, das be­sei­tigt wer­den muss, um ei­ne Ef­fek­ti­vi­tät der Hil­fe zu er­rei­chen“. Der Ex­per­te sieht aber auch bei der in­ter­na­tio­na­len Ge­mein­schaft ei­ne Mit­schuld. „Die Ge­ber­län­der ha­ben Kor­rup­ti­on zu gro­ßen Tei­len so­gar ge­dul­det, weil sie der An­sicht wa­ren, dass be­stimm­te Ver­bün­de­te nur ge­kauft wer­den kön­nen.“

Doch Hilfs­gel­der könn­ten auch Druck­mit­tel sein, wenn die Ta­li­ban wie­der an der Re­gie­rung be­tei­ligt sein soll­ten, sagt Rut­tig. „Die Ge­ber­län­der ha­ben ei­ne Ver­ant­wor­tung da­für, was aus Af­gha­nis­tan in den 20 Jah­ren seit der In­ter­ven­ti­on ge­wor­den ist, und kön­nen sich nicht ein­fach zu­rück­zie­hen.“

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Fo­to: epd Tho­mas Rut­tig

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