Bersenbrucker Kreisblatt

„Ame­ri­ka ist zu­rück“

Joe Bi­den will nach Amts­an­tritt Ver­ei­nig­te Staa­ten wie­der als „Ko­ali­ti­ons­bau­er“eta­blie­ren

-

WA­SHING­TON Die Wei­chen für den Bruch mit der Po­li­tik und dem Füh­rungs­stil von Amts­in­ha­ber Do­nald Trump sind ge­stellt: Der ge­wähl­te US-Prä­si­dent Joe Bi­den hat bei der Vor­stel­lung sei­ner Mann­schaft für die Au­ßen­und Si­cher­heits­po­li­tik den Füh­rungs­an­spruch der USA be­tont. „Es ist ein Team, das die Tat­sa­che spie­gelt, dass Ame­ri­ka zu­rück ist, be­reit, die Welt an­zu­füh­ren, statt sich aus ihr zu­rück­zu­zie­hen“, sag­te Bi­den in Wilming­ton. Es war ei­ne deut­li­che An­spie­lung auf Trumps „ Ame­ri­caFirst“-Dog­ma, das die USA nicht nur nach An­sicht Bi­dens viel An­se­hen ge­kos­tet und iso­liert hat.

Bi­den prä­sen­tier­te ei­nen Ge­gen­ent­wurf zu der Re­gie­rung, die bei der Wahl am 3. No­vem­ber ab­ge­wählt wur­de. Mit Trump war im Ja­nu­ar 2017 ein Au­ßen­sei­ter aus der Un­ter­neh­mens­welt ins Wei­ße Haus ein­ge­zo­gen, im Ka­bi­nett gab es an­ge­sichts zahl­rei­cher Rück­trit­te und Ent­las­sun­gen we­nig Kon­ti­nui­tät. Auch sonst präg­te Trump ei­nen Re­gie­rungs­stil, der für die USA bei­spiel­los war. Der Be­rufs­po­li­ti­ker Bi­den setzt bei der Zu­sam­men­set­zung sei­nes Füh­rungs­stabs auf Er­fah­rung und auf das vom frü­he­ren Ge­schäfts­mann Trump ver­ab­scheu­te po­li­ti­sche „Esta­blish­ment“.

So hat Bi­den sei­nen lang­jäh­ri­gen Be­ra­ter An­t­o­ny Blin­ken als Au­ßen­mi­nis­ter no­mi­niert. Ale­jan­dro Mayor­kas, der auf Ku­ba zur Welt kam und seit fast 20 Jah­ren im öf­fent­li­chen Di­enst ar­bei

tet, soll Hei­mat­schutz­mi­nis­ter wer­den. Avril Hai­nes will Bi­den zur ers­ten Di­rek­to­rin der US- Ge­heim­diens­te ma­chen und Lin­da Tho­masG­re­en­field zur US-Bot­schaf­te­rin bei den Ver­ein­ten Na­tio­nen in New York. Al­le von Bi­den no­mi­nier­ten Ka­bi­nett­s­aspi­ran­ten müs­sen noch vom Se­nat be­stä­tigt wer­den.

Kom­plett ist sein au­ßen­und si­cher­heits­po­li­ti­sches Team noch nicht: Bi­den hat noch nicht an­ge­kün­digt, wen

er als Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter vor­schla­gen will. Ja­ke Sul­li­van soll Bi­dens Na­tio­na­ler Si­cher­heits­be­ra­ter sein, der frü­he­re Au­ßen­mi­nis­ter John Ker­ry wird Son­der­be­auf­trag­ter für Kli­ma­f­ra­gen.

Wäh­rend Trump in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men auf­kün­dig­te, Ver­bün­de­te of­fen an­griff und mit Al­lein­gän­gen vor voll­ende­te Tat­sa­chen stell­te, mach­te Blin­ken deut­lich, dass die USA auf die Part­ner­schaft an­de­rer Län­der an­ge­wie­sen sind. „Wir

kön­nen nicht al­le Pro­ble­me der Welt al­lei­ne lö­sen, wir müs­sen mit an­de­ren Län­dern zu­sam­men­ar­bei­ten“, sag­te er. Bi­den ver­sprach, Blin­ken wer­de „die Moral und das Ver­trau­en im Au­ßen­mi­nis­te­ri­um wie­der­her­stel­len“. Auch Tho­mas- Gre­en­field hat­te ei­ne Bot­schaft pa­rat: „ Ame­ri­ka ist zu­rück. Mul­ti­la­te­ra­lis­mus ist zu­rück. Di­plo­ma­tie ist zu­rück.“

Bi­den wies die Darstel­lung zu­rück, es han­de­le sich – an­ge­sichts vie­ler be­kann­ter Ge

sich­ter – fak­tisch um ei­ne Art drit­te Amts­zeit des frü­he­ren Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma, un­ter dem er von 2009 bis 2017 US-Vi­ze­prä­si­dent ge­we­sen war. „Wir ste­hen ei­ner völ­lig an­de­ren Welt ge­gen­über“, sag­te Bi­den dem Sen­der NBC. „Prä­si­dent Trump hat die Land­schaft ver­än­dert.“Sein Mot­to „ Ame­ri­ka zu­erst“ha­be „ Ame­ri­ka al­lein“ge­macht. Künf­tig soll­ten die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der ein „Ko­ali­ti­ons­bau­er“sein.

Der 78-Jäh­ri­ge for­der­te den US-Se­nat auf, den er­for­der­li­chen Be­stä­ti­gungs­pro­zess sei­ner Kan­di­da­ten ein­zu­lei­ten und sie als­bald an­zu­hö­ren. An die Spit­ze des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums will er über­ein­stim­men­den Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge die ehe­ma­li­ge No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len set­zen. Bi­den äu­ßer­te die Hoff­nung auf par­tei­über­grei­fen­de Zu­sam­men­ar­beit, um das Land vor­an­zu­brin­gen und zu ei­nen. Von den füh­ren­den Re­pu­bli­ka­nern im Kon­gress hat bis­lang noch kei­ner Bi­den als ge­wähl­ten Prä­si­den­ten an­er­kannt.

Bi­den will die USA in wich­ti­ge in­ter­na­tio­na­le Ab­kom­men wie das Kli­ma­ab­kom­men von Pa­ris zu­rück­füh­ren. Der de­si­gnier­te Kli­ma­be­auf­trag­te Ker­ry sag­te mit Blick auf den Kli­ma­wan­del: „Um die­se Kri­se zu be­en­den, muss die ge­sam­te Welt zu­sam­men­kom­men.“Er un­ter­stütz­te Bi­den in sei­nem An­sin­nen, an Tag eins sei­ner Prä­si­dent­schaft in das Kli­ma­ab­kom­men von Pa­ris zu­rück­zu­keh­ren. Ker­ry ap­pel­lier­te an die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft, bei der UN-Kli­ma­kon­fe­renz im No­vem­ber 2021 in Glas­gow ehr­gei­zi­ge Ab­spra­chen zu tref­fen. Bi­den kün­dig­te bei NBC an, dass zu sei­nen Prio­ri­tä­ten in den ers­ten 100 Ta­gen sei­ner Amts­zeit ei­ne Re­form des US-Ein­wan­de­rungs­sys­tems und die Rück­nah­me von Ver­fü­gun­gen Trumps im Um­welt­be­reich zähl­ten. Er wer­de da­bei auf die Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kon­gress an­ge­wie­sen sein.

 ?? Fo­to: AFP/Chan­dan Khan­na ?? Ehr­gei­zi­ge Plä­ne: Joe Bi­den will mit sei­nem Ka­bi­nett ei­nen Groß­teil der Po­li­tik Trumps um­krem­peln.
Fo­to: AFP/Chan­dan Khan­na Ehr­gei­zi­ge Plä­ne: Joe Bi­den will mit sei­nem Ka­bi­nett ei­nen Groß­teil der Po­li­tik Trumps um­krem­peln.

Newspapers in German

Newspapers from Germany