Bersenbrucker Kreisblatt

Viel mehr Stra­ßen als Schie­nen ge­baut

Grü­ne: Nie­der­sach­sen wird zu­be­to­niert, als gä­be es kei­ne Kli­ma­kri­se

- Von Lars Laue

HAN­NO­VER/BER­LIN Seit dem Jahr 2009 wur­den in Nie­der­sach­sen elf­mal mehr Stra­ßen­ki­lo­me­ter als Schie­nen­ki­lo­me­ter ge­baut. Das geht aus ei­ner Ant­wort des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne An­fra­ge des Grü­nen­Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Sven- Chris­ti­an Kind­ler her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Dem­nach wur­den zwi­schen den Jah­ren 2009 und 2019 ins­ge­samt 300,8 Ki­lo­me­ter neue Bun­des­stra­ßen und Bun­des­au­to­bah­nen er­rich­tet, aber im glei­chen Zei­t­raum le­dig­lich 27 Ki­lo­me­ter neue Schie­nen ver­legt, näm­lich im Jahr 2014 durch ein drit­tes Gleis zwi­schen Stel­le und Lü­ne­burg.

Dar­über hin­aus wur­den noch 56 Ki­lo­me­ter Schie­nen­we­ge re­ak­ti­viert (Os­na­brück–Dis­sen–Bad Ro­then­fel­de, Ein­beck–Salz­der­hel­den–Ein­beck-Mit­te und Bad Bentheim–Neu­en­haus). In Sum­me wur­den al­so ins­ge­samt 83 Schie­nen­ki­lo­me­ter neu in Be­trieb ge­nom­men und da­mit nicht ein­mal ein Vier­tel des­sen, was an Bun­des­stra­ßen und -au­to­bah­nen neu ge­baut wur­de.

Für Kind­ler aus Han­no­ver, haus­halts­po­li­ti­scher Spre­cher der Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on, steht fest: „Die Bun­des­re­gie­rung hat bei den In­ves­ti­tio­nen und beim Aus­bau der Ver­kehrs­in­fra­struk­tur in Nie­der­sach­sen über elf Jah­re hin­weg den völ­lig fal­schen Schwer­punkt ge­setzt.“Das rä­che sich jetzt. „Ver

kehrs­wen­de und Kli­ma­schutz kom­men nicht vor­an, wenn man elf­mal so vie­le Stra­ßen baut wie Schie­nen ver­legt“, ist der Grü­nen-Po­li­ti­ker über­zeugt und fragt: „Wo le­ben wir denn?“Den mas­si­ven Ver­kehrs­pro­ble­men und der Kli­ma­zer­stö­rung kön­ne man nicht wei­ter mit dem „un­sin­ni­gen Neu­bau von Stra­ßen“be­geg­nen. Doch seit elf Jah­ren ma­che das Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um ge­nau das.

Nach An­sicht Kind­lers ist Nie­der­sach­sens Stra­ßen­netz „schon lan­ge fer­tig“. Es brau­che kei­ne neu­en Stra­ßen. Ver­kehrs­mi­nis­ter Andre­as Scheu­er (CSU) set­ze eins zu eins den „Wahn­sinn der Stra­ßen­bau­po­li­tik der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re“fort. Gleich­zei­tig hel­fe Nie­der­sach­sens Ver­kehrs­mi­nis­ter Bernd Al­t­hus­mann (CDU) Scheu­er da­bei, Nie­der­sach­sen mit im­mer neu

en Stra­ßen­bau­pro­jek­ten „zu­zu­be­to­nie­ren, als ob es kei­ne Kli­ma­kri­se gä­be“.

Mit der Fol­ge, dass Geld feh­le, um das Bus- und Bahn­an­ge­bot im Land aus­zu­wei­ten. „Das darf so in Zei­ten der Kli­ma­kri­se nicht wei­ter­ge­hen“, fin­det Kind­ler und for­dert: „Statt jetzt bei der A 33, der A 20 und der A 39 wei­ter vie­le Mil­li­ar­den in den Au­sund Neu­bau von Au­to­bah­nen zu ste­cken, soll­te die Bun­des

re­gie­rung den Fo­kus der In­ves­ti­tio­nen in den kom­men­den Jah­ren auf den Aus­bau der Schie­nen­in­fra­struk­tu­ren le­gen.“Für Kind­ler ist dem­nach klar: „Die A33, A20 und A39 müs­sen ge­stoppt wer­den und die Mil­li­ar­den in den Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr und die Bahn in­ves­tiert wer­den.“Nie­der­sach­sen brau­che ei­ne „Schie­ne-First“Po­li­tik und kei­nen „Stra­ßen­bau­wahn­sinn“.

 ?? Fo­to: dpa/Si­na Schuldt ?? Fal­sche Schwer­punkt­set­zung? Seit 2009 wur­den in Nie­der­sach­sen rund 300 Ki­lo­me­ter neue Bun­des­stra­ßen und Au­to­bah­nen ge­baut, aber nur 27 Ki­lo­me­ter neue Schie­nen ver­legt.
Fo­to: dpa/Si­na Schuldt Fal­sche Schwer­punkt­set­zung? Seit 2009 wur­den in Nie­der­sach­sen rund 300 Ki­lo­me­ter neue Bun­des­stra­ßen und Au­to­bah­nen ge­baut, aber nur 27 Ki­lo­me­ter neue Schie­nen ver­legt.

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