Bersenbrucker Kreisblatt

Mit Kur­ven zur Miss Ger­ma­ny?

Plus-Si­ze-Mo­del Ju­lia Kre­mer kämpft ge­gen die Dis­kri­mi­nie­rung di­cker Men­schen

- Von Na­di­ne Wenzlick

HAM­BURG Wenn im Fe­bru­ar die Ge­win­ne­rin der „Miss Ger­ma­ny“-Wahl 2020/2021 ver­kün­det wird, dann könn­te das die Mo­del-Welt nach­hal­tig ver­än­dern: Ju­lia Kre­mer könn­te die ers­te Plus-Si­zeMiss- Ger­ma­ny der deut­schen Ge­schich­te wer­den. Die 31-jäh­ri­ge Ham­bur­ge­rin, die als Blog­ge­rin und Plus-Si­ze-Mo­del ge­gen die Dis­kri­mi­nie­rung di­cker Men­schen kämpft, hat es be­reits un­ter die Top 32 ge­schafft.

„Ich war schon im­mer ein we­nig kur­vi­ger“, er­in­nert sich Ju­lia Kre­mer. „Schon im Kin­der­gar­ten wur­de ich auf mei­ne Fi­gur an­ge­spro­chen, und mir wur­de ver­mit­telt, dass ich nicht zur ,Norm‘ ge­hö­re. Als be­son­ders grau­sam emp­fand ich den Sport­un­ter­richt, wo ich im­mer wie­der wei­nend auf der Bank ge­ses­sen ha­be, weil ich nicht in ei­ne Grup­pe ge­wählt und aus­ge­lacht wur­de. Der Leh­rer, die Schutz­per­son, hat es ein­fach zu­ge­las­sen.“

Das führ­te da­zu, dass Kre­mer schon sehr früh Diä­ten mach­te, nie die Chan­ce hat­te, ei­nen ge­sun­den Um­gang mit ih­rem Kör­per zu fin­den und schließ­lich un­ter ei­ner Ess­stö­rung litt. „Ich ha­be es dort her­aus­ge­schafft, in­dem ich ver­stan­den ha­be, dass mein per­sön­li­cher Wert nicht von mei­nem Aus­se­hen ab­hängt“, sagt

sie. „Ich ha­be ei­ne Trau­ma­the­ra­pie ge­macht und mein Selbst­be­wusst­sein ge­stärkt, ha­be an­ge­fan­gen, mei­nen Kör­per nicht mehr als Feind zu se­hen, und ha­be ge­lernt, ein re­gel­mä­ßi­ges, ge­sun­des Ess­ver­hal­ten zu ent­wi­ckeln,

ge­nug zu trin­ken und wie­der Spaß an Sport zu be­kom­men.“

Zum Mo­deln kam Kre­mer ganz zu­fäl­lig: Als ei­ne Freun­din für ein Ab­schluss­pro­jekt im Kunst-Leis­tungs­kurs Fo­tos von ihr schoss, stell­te sie fest, dass sie nicht nur ein

fo­to­ge­nes Ge­sicht, son­dern auch Spaß dar­an hat­te. Seit acht Jah­ren hat die aus­ge­bil­de­te Krea­tiv-Kon­zep­te­rin au­ßer­dem ih­ren ei­ge­nen Blog „SchönWild“, auf dem sie Tipps für mehr Selbst­be­wusst­sein, Mo­de, Be­au­ty und

Life­style gibt. Ge­mein­sam mit ih­rer Blog­ger-Kol­le­gin Ve­re­na Prechtl star­te­te sie die­ses Jahr die Kam­pa­gne #Re­spec­tMySi­ze, die auf die struk­tu­rel­le Dis­kri­mi­nie­rung von di­cken Men­schen auf­merk­sam macht.

Dass Kre­mer sich die­ses Jahr bei der Wahl zur Miss Ger­ma­ny be­wor­ben hat, ist dem Um­stand zu ver­dan­ken, dass es bei dem Wett­be­werb nicht mehr bloß um Schön­heit geht. „Miss Ger­ma­ny ist ein Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men. Der 24-jäh­ri­ge Sohn hat zu­sam­men mit sei­nem Va­ter das Kon­zept über­ar­bei­tet und möch­te die Stär­ken von Frau­en zei­gen. Das fin­de ich groß­ar­tig“, so Kre­mer. „Ge­sucht wer­den „Bot­schaf­te­rin­nen, wel­che mit Hal­tung, Wer­ten und Ehr­geiz neue Maß­stä­be set­zen und an­de­re er­mu­ti­gen, es ih­nen gleich­zu­tun.“

Ih­re Teil­nah­me an der Miss-Wahl sieht Kre­mer als „Chan­ce, um mei­ne Bot­schaft zu plat­zie­ren, dass die Ge­sell­schaft mehr Viel­falt an Re­prä­sen­ta­ti­on un­ter­schied­li­cher Kör­per­for­men in Wer­bung und Me­di­en so­wie mehr Ak­zep­tanz und Auf­klä­rung braucht“, sagt sie. „Wir soll­ten in die­ser Ge­ne­ra­ti­on ein Zei­chen set­zen. Ich wür­de mir wün­schen, dass Mäd­chen viel mehr ler­nen, auf ih­re Stär­ken zu schau­en und schon früh selbst­be­wusst wer­den, an­statt sich jah­re­lang nur um ihr Aus­se­hen zu küm­mern und da­von ih­ren kom­plet­ten Wert ab­hän­gig zu ma­chen. Des­we­gen ap­pel­lie­re ich, dass je­der Mensch auf die­ser Welt so ak­zep­tiert wird, wie er ist.“

 ?? Fo­to: Jac­que­line Cre­mers ?? Ge­hört zu den 32 Frau­en, die zur „Miss Ger­ma­ny“ge­kürt wer­den könn­ten: Cur­vy-Mo­del Ju­lia Kre­mer.
Fo­to: Jac­que­line Cre­mers Ge­hört zu den 32 Frau­en, die zur „Miss Ger­ma­ny“ge­kürt wer­den könn­ten: Cur­vy-Mo­del Ju­lia Kre­mer.

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