Bersenbrucker Kreisblatt

„Schei­tern ist kei­ne Op­ti­on“

Wie Gas­tro­no­men und re­gio­na­le Wirt­schafts­för­de­rer auf die Lock­down-Ver­län­ge­rung re­agie­ren

- Von Je­an- Charles Fays Travel · Coronavirus (COVID-19) · Lifestyle · Osnabruck · Zimmern · Auch

OS­NA­BRÜCK Nach­dem beim Co­ro­na- Gip­fel ges­tern Abend die Ver­län­ge­rung des Teil-Lock­downs bis min­des­tens zum 20. De­zem­ber be­schlos­sen wur­de, be­fürch­ten Wirt­schafts­för­de­rer, dass ei­ni­ge Gas­tro­no­men in der Re­gi­on Os­na­brück zur Auf­ga­be ge­zwun­gen wer­den. Für die Be­trei­ber des Os­na­brü­cker Tra­di­ti­ons­hau­ses Ra­hen­kamp ist „Schei­tern je­doch kei­ne Op­ti­on“. Nach ei­nem dra­ma­ti­schen Um­satz­ein­bruch rei­ni­gen sie so­gar die Ho­tel­zim­mer selbst.

Als mit dem Co­ro­na-Lock­down am 2. No­vem­ber die tou­ris­ti­schen Über­nach­tun­gen ver­bo­ten wur­den, ha­ben vie­le grö­ße­re Ho­tels in der Re­gi­on kom­plett dicht­ge­macht, weil die Kos­ten im Ver­hält­nis zum re­la­tiv ge­rin­gen Um­satz durch die Ge­schäfts­rei­sen­den ein­fach zu hoch wa­ren. Für die bei­den jun­gen Ge­schäfts­füh­rer des Hau­ses Ra­hen­kamp in Os­na­brück-Vox­trup, Da­ni­el Bum­hof­fer und Phil­ipp Krau­se, kam das aber über­haupt nicht in­fra­ge: „Was hat das denn für ei­ne Au­ßen­wir­kung, wenn ich öff­nen darf, es aber nicht ma­che?“Al­ler­dings räumt er auch ein, dass es in ei­nem klei­nen Ho­tel mit nur zwölf Zim­mern wie dem Haus Ra­hen­kamp ein­fa­cher ist, die Fix­kos­ten auf ein Mi­ni­mum zu re­du­zie­ren.

Chefs ma­chen al­les selbst: Das al­ler­dings ha­ben Bum­hof­fer und sein Ehe­mann, der gleich­zei­tig auch sein Ge­schäfts­part­ner ist, per­fek­tio­niert. „Von der Re­ser­vie­rung über die Zim­mer­rei­ni­gung bis zum Früh­stück ma­chen wir zur­zeit al­les“, er­läu­tert der um­trie­bi­ge 40-Jäh­ri­ge in ei­nem Sa­lon sei­nes Ho­tels, das er zum „Ro­sen­zim­mer“um­ge­stal­ten will. In dem Sa­lon mit dem ro­man­ti­schen Aus­blick auf saf­ti­ge Vox­tru­per Wie­sen und Pfer­de­kop­peln will er in ei­ni­gen Mo­na­ten Buf­fets für zehn bis zwölf Per­so­nen an­bie­ten, wenn die ent­spre­chen­den För­der­mit­tel des Lan­des erst ein­mal

flie­ßen. Bum­hof­fer lebt zur­zeit ei­ner­seits von Rück­la­gen und baut an­de­rer­seits auf die gu­ten Kon­tak­te zu sei­ner Bank. Sie hilft ihm an­ge­sichts der ho­hen Ver­lus­te in die­sem Co­ro­na-Jahr, die Si­tua­ti­on zu be­wäl­ti­gen.

An­ge­spann­te Si­tua­ti­on: „Die Si­tua­ti­on ist an­ge­spannt. Wir müs­sen je­den Eu­ro mit­neh­men, den wir krie­gen kön­nen“, er­klärt Bum­hof­fer ge­fasst, be­tont aber gleich­zei­tig: „Schei­tern ist kei­ne Op­ti­on.“Ak­tu­ell sind zehn Zim­mer von Ge­schäfts­rei­sen­den be­legt. Am Wo­che­n­en­de feh­len al­ler­dings die tou­ris­ti­schen Über­nach­tun­gen oder auch die Gäs­te von Hoch­zeits­ge­sell­schaf­ten, die sonst in ei­nem der drei Fest­sä­le fei­ern. „Mit ei­ner Ver­an­stal­tungs­flä­che von ins­ge­samt 500 Qua­drat­me­tern ge­hö­ren wir zu den größ­ten Event-Locations der

Stadt“, be­rich­tet der Gas­tro­nom vol­ler Stolz. Al­ler­dings ma­chen ge­nau die­se Ver­an­stal­tun­gen sonst auch bis zu 80 Pro­zent sei­nes Um­sat­zes aus. Ein wei­te­res Stand­bein ist das Re­stau­rant „Vox Drink & Di­ne“, das vom Ho­tel er­reich­bar ist, we­gen des Lock­downs aber eben­falls schlie­ßen muss­te. Die drei fest­an­ge­stell­ten Kö­che und die bei­den Ser­vice­kräf­te sind da­her ak­tu­ell zu 100 Pro­zent in Kurz­ar­beit. „ Auch für sie ist die Si­tua­ti­on pro­ble­ma­tisch, weil sie we­gen der Kurz­ar­beit nicht nur auf Tei­le ih­res bis­he­ri­gen Ge­halts ver­zich­ten müs­sen, son­dern weil auch das bis­lang ge­wohn­te Trink­geld weg­fällt.“

23 Events ab­ge­sagt: Von den 25 Ver­an­stal­tun­gen, die im No­vem­ber im gro­ßen Fest­saal mit mehr als 300 Qua­drat­me­tern teils schon vor ei­nem Jahr ge­bucht wur­den,

muss­ten co­ro­nabe­dingt 23 ab­ge­sagt wer­den. Zwei bis drei Dut­zend Stüh­le und Ti­sche ste­hen ak­tu­ell in dem gro­ßen Fest­saal, wo sonst gro­ße Hoch­zei­ten oder Kar­ne­vals­ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den. Vor ei­ner Wo­che fand hier ei­ne Ab­schluss­prü­fung statt, die auf­grund der Co­ro­na-Hy­gie­ne­re­geln in dem rie­si­gen Fest­saal durch­ge­führt wer­den muss­te. Weil es seit­her kei­ne Events mehr gab, ließ Bum­hof­fer erst ein­mal al­les so ste­hen.

Bum­hof­fer, der in Füh­rungs­po­si­tio­nen im Be­reich Sa­les und Mar­ke­ting in Ho­tel­ket­ten wie Hyatt, Hilton und In­ter­con­ti­nen­tal tä­tig war, be­vor er An­fang 2016 mit sei­nem Ehe­mann Phil­ipp Krau­se das seit 1826 be­ste­hen­de Tra­di­ti­ons­haus Ra­hen­kamp in Os­na­brück auf­kauf­te, hat den Win­ter ei­gent­lich schon ab­ge­schrie­ben. Es regt ihn auf, dass es

für die Gas­tro­no­mie wei­ter­hin kei­ne Pla­nungs­si­cher­heit gibt. „Wenn wir am ers­ten und zwei­ten Weih­nachts­tag und an Sil­ves­ter öff­nen kön­nen, dann müs­sen wir und die Gäs­te das pla­nen kön­nen. Das ist ein im­men­ser Auf­wand und braucht na­tür­lich ent­spre­chen­de Vor­lauf­zeit.“

Bis zum 7. De­zem­ber muss es Klar­heit ge­ben: Ähn­lich sieht es der Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Ho­tel- und Gast­stät­ten­ver­bands (De­ho­ga) im Be­zirk Os­na­brück, Nils Wes­ter­kamp: „Re­stau­rants und Ho­tels sind kei­ne Gar­ten­schup­pen, die man nach Be­lie­ben auf- und zu­sper­ren kann. Für fünf Ta­ge lohnt sich die Öff­nung für die gro­ße Mehr­heit der Be­trie­be nicht.“Nach den Wo­chen der Schlie­ßung müss­ten die Be­trie­be vor­be­rei­tet und de­ko­riert wer­den, der Ein­kauf hoch­wer­ti­ger Le­bens­mit­tel sei zu or­ga­ni­sie­ren und der Per­so­nal­ein­satz zu pla­nen. „Spä­tes­tens am 7. De­zem­ber soll­te Klar­heit be­ste­hen, was für Weih­nach­ten und Sil­ves­ter gilt.“Die Be­trie­be be­nö­tig­ten Pla­nungs­si­cher­heit und ver­läss­li­che Per­spek­ti­ven, auch für die Zu­kunft, um die gast­ge­werb­li­chen Be­trie­be auch im kom­men­den Jahr am Le­ben hal­ten zu kön­nen.

Zu­dem kri­ti­siert er, dass die vor vier Wo­chen ver­spro­che­nen Fi­nanz­hil­fen im­mer noch nicht ge­zahlt wur­den. Er for­dert: „Wenn un­se­re Be­trie­be ein Son­der­op­fer er­brin­gen, da­mit die üb­ri­ge Wirt­schaft mög­lichst we­nig be­las­tet wird und die Schu­len of­fen­blei­ben kön­nen, ist es nur kon­se­quent, dass die fi­nan­zi­el­len Aus­fäl­le schnellst­mög­lich ent­schä­digt wer­den.“

Der Ge­schäfts­füh­rer der Wirt­schafts­för­de­rung Os­na­brück, Ralf Min­ning, weist dar­auf hin, dass die Ver­län­ge­rung des Lock­downs mit Gas­tro­no­mie und Ho­tel­le­rie zwei Bran­chen trifft, in de­nen größ­ten­teils vor­bild­li­che Hy­gie­ne­kon­zep­te mit gro­ßem Auf­wand er­ar­bei­tet wur­den: „Das ist sehr be­dau­er­lich und in ei­ni­gen Fäl­len exis­tenz­be­dro­hend. Wir hof­fen, dass die­sen Bran­chen nun schnell und un­bü­ro­kra­tisch wei­te­re Hil­fen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den.“

Auch der Ge­schäfts­füh­rer der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft des Land­krei­ses, Sieg­fried Aver­ha­ge, sieht Gas­tro­no­mie und Ho­tel­le­rie „wei­ter am Bo­den“. Die Fort­füh­rung der staat­li­chen Hil­fen sei be­son­ders wich­tig. Trotz der Fi­nanz­hil­fen wer­den die Co­ro­na-Re­geln nach sei­ner Pro­gno­se „be­son­ders im Di­enst­leis­tungs­be­reich tie­fe Ein­schnit­te ver­ur­sa­chen und durch­aus auch Be­trie­be end­gül­tig zur Auf­ga­be zwin­gen“. Die Pan­de­mie müs­se kon­se­quent be­kämpft wer­den. Mit der na­he ge­rück­ten Zu­las­sung von Impf­stof­fen sei aber „Licht am En­de des Tun­nels zu se­hen“.

 ?? Fo­to: Micha­el Grün­del ?? Da­ni­el Bum­hof­fer, Ge­schäfts­füh­rer des Os­na­brü­cker Tra­di­ti­ons­hau­ses Ra­hen­kamp, kri­ti­siert nach der ges­tern be­schlos­se­nen Ver­län­ge­rung des Lock­downs die man­geln­de Pla­nungs­si­cher­heit, bleibt aber den­noch op­ti­mis­tisch.
Schnel­le Fi­nanz­hil­fen sind ge­fragt:
Fo­to: Micha­el Grün­del Da­ni­el Bum­hof­fer, Ge­schäfts­füh­rer des Os­na­brü­cker Tra­di­ti­ons­hau­ses Ra­hen­kamp, kri­ti­siert nach der ges­tern be­schlos­se­nen Ver­län­ge­rung des Lock­downs die man­geln­de Pla­nungs­si­cher­heit, bleibt aber den­noch op­ti­mis­tisch. Schnel­le Fi­nanz­hil­fen sind ge­fragt:

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