Bersenbrucker Kreisblatt

Ei­ner in­fi­ziert – al­le in Qua­ran­tä­ne

Clus­ter­mo­dell bei Co­ro­na-Fäl­len: Was heißt das für Schu­len in der Re­gi­on Os­na­brück?

- Von Ju­lia Göd­de-Pol­ley und Mal­te Golt­sche Coronavirus (COVID-19) · Osnabruck

OS­NA­BRÜCK Schnel­le­re Ein­däm­mung von Co­ro­naIn­fek­tio­nen an Schu­len: Ab so­fort wird die Nach­ver­fol­gung von Kon­takt­per­so­nen an den Schu­len in Land­kreis und Stadt Os­na­brück auf das so­ge­nann­te Clus­ter­mo­dell um­ge­stellt.

Land­kreis-Spre­cher Burk­hard Rie­pen­hoff er­klärt die neue Me­tho­dik auf An­fra­ge so: Bei ei­nem In­fek­ti­ons­fall in ei­ner Schul­klas­se soll nun statt der bis­he­ri­gen auf­wen­di­gen Ver­fol­gung der ein­zel­nen Kon­tak­te die ge­sam­te Grup­pe ge­schlos­sen in häus­li­che Qua­ran­tä­ne ge­schickt wer­den – für 14 Ta­ge. Ei­ne Ver­kür­zung sei nur in be­grün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len mög­lich. Die zu­vor an­ge­wen­de­te Ein­zel­fall­be­trach­tung ha­be Zeit ge­kos­tet, denn je­der Schü­ler ha­be te­le­fo­nisch er­reicht wer­den müs­sen, be­rich­tet Rie­pen­hoff. An­schlie­ßend hät­ten die Mit­ar­bei­ter des Ge­sund­heits­diens­tes ein­schät­zen müs­sen, wie hoch das In­fek­ti­ons­ri­si­ko sei, und ge­ge­be­nen­falls ei­ne Qua­ran­tä­ne an­ord­nen müs­sen.

Das fällt mit dem Clus­ter­mo­dell nun weg: So­bald es ei­nen Co­vid-19-Fall gibt, ord­net das Ge­sund­heits­amt für al­le be­trof­fe­nen Schü­ler ei­ne Qua­ran­tä­ne an. Da­bei spielt es nach Aus­kunft des Land­kreis­spre­chers kei­ne Rol­le mehr, ob ein Schü­ler bei­spiels­wei­se zwei Ta­ge zu­vor krank und nicht in der Schu­le war. Nur für Lehr­kräf­te, die sich oft­mals nicht dau­er­haft in ei­ner Klas­se auf­hal­ten, soll es wei­ter­hin Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen ge­ben, kün­digt Rie­pen­hoff an. Als Fol­ge der Qua­ran­tä­ne ei­ner gan­zen Schul­klas­se wech­selt die be­trof­fe­ne Schu­le au­to­ma­tisch in das so­ge­nann­te Sze­na­rio B, bei dem die ge­teil­ten Klas­sen im Wech­sel un­ter­rich­tet wer­den.

Ziel der Clus­ter-Me­tho­dik sei es, mög­li­che In­fek­ti­ons­ket­ten so schnell wie mög­lich und leich­ter zu un­ter­bre­chen. Zu­dem hät­ten die Mit­ar­bei­ter im Ge­sund­heits­dienst da­durch Ka­pa­zi­tä­ten frei für an­de­re Co­ro­na-Fäl­le und de­ren Nach­ver­fol­gung von Kon­takt­per­so­nen. Der Ge­sund­heits­dienst er­hof­fe sich da­durch ei­ne ef­fi­zi­en­te­re Be­kämp­fung der Pan­de­mie. Ak­tu­ell gibt es im­mer mehr Schu­len in Stadt und Land­kreis mit Co­vid-19-Fäl­len.

Das Clus­ter­mo­dell dürf­te zur Fol­ge ha­ben, dass die Zahl der ak­tu­ell in an­ge­ord­ne­ter Qua­ran­tä­ne be­find­li­chen Men­schen in Stadt und Land­kreis Os­na­brück steigt. Ei­ne zu har­te oder an­ge­mes­se­ne Ent­schei­dung? Rie­pen­hoff ver­weist auf das ak­tu­el­le In­fek­ti­ons­ge­sche­hen in der

Re­gi­on. Bei den ak­tu­ell ho­hen Zah­len kom­me der Ge­sund­heits­dienst „eher in die Kri­tik, wenn wir zu lasch sind“. Man müs­se ak­tu­ell al­les ma­chen, was ge­he, um die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen zu sen­ken.

Mit der neu­en Re­gel, die ak­tu­ell aus­schließ­lich für Schu­len gilt, ge­hen Stadt und Land­kreis Rie­pen­hoffs An­ga­ben zu­fol­ge über die der­zei­ti­gen Vor­schrif­ten aus der nie­der­säch­si­schen Lan­des­ver­ord­nung hin­aus. Die­se er­mög­li­che nach ei­nem Co­vid19-Fall, ein­zel­ne Schü­ler in Qua­ran­tä­ne zu schi­cken. Auch die An­ord­nung ei­ner häus­li­chen Iso­la­ti­on für ei­ne ge­sam­te Klas­se sei mög­lich – aber den­noch müs­se je­der Schü­ler der Ko­hor­te ein­zeln be­trach­tet wer­den, er­klärt der Spre­cher.

Wenn al­ler­dings kei­ne Klas­se in Qua­ran­tä­ne ge

schickt wird, gibt es kei­ne In­fek­ti­ons­schutz­maß­nah­me nach der De­fi­ni­ti­on des nie­der­säch­si­schen Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums und da­mit kein Sze­na­rio B an der ge­sam­ten Schu­le. Da­für muss sich min­des­tens ei­ne Klas­se in häus­li­cher Iso­la­ti­on be­fin­den, und die In­zi­denz muss bei mehr als 100 Neu­in­fek­tio­nen pro 100 000 Ein­woh­ner in­ner­halb von sie­ben Ta­gen lie­gen – was in Stadt und Land­kreis ak­tu­ell ja ge­ge­ben ist.

Die Ex­per­ten im Ge­sund­heits­dienst sind nach Aus­kunft von Rie­pen­hoff zu der Ein­schät­zung ge­kom­men, dass die Clus­ter-Me­tho­dik ein gu­tes Mittel ist, um das In­fek­ti­ons­ge­sche­hen in der Re­gi­on ein­zu­däm­men. Durch den so­for­ti­gen Wech­sel ei­ner Schu­le bei ei­ner Klas­sen- Qua­ran­tä­ne ins Sze­na­rio B ge­be es we­ni­ger Kon­tak­te in den Schu­len. Zu­dem dürf­te sich der An­drang in den Bus­sen ver­rin­gern. Da­durch „hof­fen wir, dass das Vi­rus dort we­ni­ger Mög­lich­kei­ten hat zu sprin­gen“.

Doch die In­fek­ti­ons­zah­len sind ja nicht erst jetzt in die Hö­he ge­schnellt, son­dern be­reits seit meh­re­ren Wo­chen kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen und auf ei­nem ho­hen Ni­veau. War­um al­so erst jetzt der Schritt zum Clus­ter­mo­dell? Man hät­te es auch frü­her ma­chen kön­nen, be­rich­tet der Land­kreis­spre­cher. Doch ei­ne sol­che Än­de­rung und Ver­schär­fung müs­se im­mer gut be­grün­det wer­den. Erst mal hät­ten die Ver­ant­wort­li­chen ge­schaut, was der ak­tu­el­le „Lock­down light“be­wir­ke oder auch nicht. Mit der neu­en Me­tho­dik woll­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Si­gnal an die Be­völ­ke­rung sen­den, dass die Zah­len wei­ter­hin zu hoch sei­en und schnell ge­han­delt wer­den müs­se.

Und wie lan­ge gilt das Clus­ter­mo­dell jetzt? „Die La­ge ist dy­na­misch, erst mal gilt das jetzt“, ant­wor­tet Rie­pen­hoff. Soll­ten die Co­ro­na-Zah­len wei­ter stei­gen, sei ge­ge­be­nen­falls auch denk­bar, an­de­re und/oder weit­rei­chen­de­re Clus­ter mit ge­fähr­de­ten Per­so­nen zu bil­den. Für die kom­men­den Wo­chen sei­en Än­de­run­gen – zum Bei­spiel bei der Län­ge der Qua­ran­tä­ne – mög­lich, sag­te der Land­kreis-Spre­cher am Mitt­woch.

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Fo­to: Mat­thi­as Balk/dpa Ab so­fort gibt es neue Qua­ran­tä­ne­re­geln in den Schu­len der Re­gi­on (Sym­bol­bild).

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