Bersenbrucker Kreisblatt

Ja, es gibt sie wirk­lich, die Angst­geg­ner!

- Von Alex­an­der Dercho Sports · Soccer · Diego Maradona · Nuremberg · Santos · José Vera Santos · Zwickau · Chemnitz · Erfurt · Aue · Frankfurt · Wiesbaden · Osnabruck · Eintracht Frankfurt · Andreas Brehme

OS­NA­BRÜCK Lie­be Le­se­rin­nen, lie­be Le­ser, ha­ben Sie ges­tern auch ein Trän­chen ver­drückt? Ei­ner der größ­ten Fuß­bal­ler al­ler Zei­ten ist ge­stor­ben – viel zu früh. Wie vie­le ha­be auch ich Diego Ma­ra­do­na be­wun­dert, sei­ne Dribb­lings, sein To­re. Die­ser Mann hat Ge­ne­ra­tio­nen von Fuß­bal­lern be­ein­flusst. Ich bin si­cher, er wird im Him­mel in Got­tes Le­gen­den­mann­schaft so­fort ei­nen Platz in der Start­elf be­kom­men.

Gut ver­daut ha­be ich mitt­ler­wei­le das 1:4 des VfL ge­gen Nürn­berg. Der Mann­schaft geht es hof­fent­lich auch so. Ob­wohl so ei­ne def­ti­ge Nie­der­la­ge nicht be­son­ders schön ist, als Fuß­bal­ler kas­sierst du lie­ber ei­ne 1:4-Klat­sche als vier 0:1-Plei­ten.

Phil­ipp Kühn dürf­te das al­ler­dings we­nig trös­ten. Er hat mir echt leid ge­tan! Als Tor­hü­ter bist du bei sol­chen Spie­len die ärms­te Sau auf dem Platz. Du machst kei­nen Feh­ler und kas­sierst den­noch vier Bu­den. Kein Wun­der, dass Pi­po zwi­schen­durch mal

lau­ter wur­de. Das ken­ne ich noch be­son­ders von Tino Ber­big und Ma­nu­el Rie­mann. Ge­ra­de als jun­ger Spie­ler wird man öf­ter mal von sei­nem Kee­per an­ge­schnautzt, wenn man Feh­ler macht. Ein Nils Kör­ber hät­te sich das spä­ter bei mir nicht mehr ge­traut. Ge­hol­fen hat das oh­ne­hin we­nig, ich wuss­te ja selbst, dass ich Mist ge­baut hat­te, aber manch­mal muss der Frust eben raus!

Trotz­dem, ich blei­be da­bei: Sol­che Klat­schen kannst du ein­fa­cher aus dem Tri­kot schüt­teln als knap­pe Nie­der­la­gen, die nach ei­nem in­di­vi­du­el­len Feh­ler pas­sie­ren. Da är­gerst du dich viel mehr als nach ei­nem To­tal­aus­fall. Und das war es am Mon­tag – ein kol­lek­ti­ves Ver­sa­gen.

Pas­siert. Im Fuß­ball gibt es sol­che Ta­ge, an de­nen ein­fach nichts ge­lingt. Wie hat Andre­as Breh­me einst ge­sagt?

Has­te Schei­ße am Fuß, has­te Schei­ße am Fuß.

Das Gu­te ist: schon am Frei­tag geht es bei St. Pau­li wei­ter. Du hast als Spie­ler al­so gar nicht lan­ge Zeit dar­über nach­zu­den­ken, son­dern kannst dich gleich wie­der auf die nächs­te Auf­ga­be fo­kus­sie­ren. Und viel­leicht sind dann ja Chris­ti­an San­tos und Marc Hei­der zu­rück. Das könn­te un­se­rem Spiel gut tun. Be­flü­geln kann auch das Mil­l­ern­tor. In so ei­nem tol­len Sta­di­on spielt je­der Fuß­bal­ler ger­ne – auch wenn es na­tür­lich scha­de ist, dass die Fans feh­len.

Dass es auch an­ders geht, ha­ben die Jungs ja schon ein­drucks­voll be­wie­sen. Wenn du am ach­ten Spiel­tag das ers­te Mal kei­ne Punk­te holst, hast du nicht so viel falsch ge­macht. Und ganz ehr­lich: Das tut auch nicht so weh wie ei­ne Nie­der­la­ge am ers­ten Spiel­tag. Ein ver­geig­ter Sai­son­start kann dir viel län­ger hin­ter­her­hän­gen als ei­ne kräf­ti­ge Plei­te mit­ten­drin.

Wie­so der VfL aus­ge­rech­net ge­gen Nürn­berg fast im­mer ver­liert? Auch, wenn es kei­ner zu­ge­ben will: Ja, es gibt sie wirk­lich, die Angst­geg­ner! Ich kann mich noch gut an ei­ne Pha­se er­in­nern, da ha­ben wir mit dem VfL im Os­ten nie was ge­holt. Zwi­ckau, Chem­nitz, Er­furt, Aue, Hal­le – al­les Clubs, bei de­nen man Punk­te hät­te ein­sam­meln kön­nen. Wir ha­ben sie im­mer dort ge­las­sen.

Auch wenn al­le be­haup­ten, das ist ja nur Sta­tis­tik. Aber oft reicht es schon, dass ei­ner in die Ka­bi­ne kommt und sagt: Ey, weißt Du ei­gent­lich, ge­gen die ha­ben wir noch nie was ge­ris­sen! Und plötz­lich fängt es an zu rat­tern. Nicht im­mer kann man das aus­stel­len.

Um­ge­kehrt ist das auch mög­lich. Ge­gen man­che Ver­ei­ne oder Ge­gen­spie­ler trittst du als Fuß­bal­ler be­son­ders ger­ne an. Bei mir wa­ren das im­mer Mar­kus Schwabl und Un­ter­ha­ching oder Mar­cel Hel­ler, den ich aus mei­ner Zeit bei Ein­tracht Frank­furt gut ken­ne. Er war schnell, aber auch sehr grad­li­nig. Bei ihm wuss­test du im­mer, was pas­siert. Dar­auf konn­te man sich sehr gut ein­stel­len.

So muss es Ma­nu­el Sch­äff­ler mit dem VfL ge­hen. Egal ob frü­her mit We­hen Wies­ba­den oder jetzt mit Nürn­berg, der Jun­ge muss nur das Orts­schild „Os­na­brück“le­sen und schon ist der auf Be­triebs­tem­pe­ra­tur. Ich mag den Kerl, aber nicht auf dem Feld an der Bre­mer Brü­cke. Im­mer trifft er ge­gen uns, im­mer tut er uns weh! Ma­nu­el, wenn du mal ’ne Flau­te ha­ben soll­test, soll­test du viel­leicht doch ir­gend­wann mal zum VfL wech­seln – wo dir Os­na­brück doch so gut liegt...

 ?? Fo­to: Hel­mut Kem­me ?? Und wie­der ju­bel­te Nürn­berg: Der VfL mit Ken Rei­chel (vor­ne) hat­te beim 1:4 we­nig Freu­de.
Fo­to: Hel­mut Kem­me Und wie­der ju­bel­te Nürn­berg: Der VfL mit Ken Rei­chel (vor­ne) hat­te beim 1:4 we­nig Freu­de.

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