Te­le­fon­be­trü­ger trei­ben ihr Un­we­sen im Kreis

Bietigheimer Zeitung - - Vorderseite -

Kreis Lud­wigs­burg. Im Land­kreis Lud­wis­burg ha­ben der­zeit Te­le­fon­be­trü­ger Kon­junk­tur, die sich als Po­li­zis­ten aus­ge­ben. Die Tä­ter wer­den fast nie er­wischt.

Kriminalität Wenn Trick­be­trü­ger am Te­le­fon er­folg­reich sind, ist der Scha­den oft ge­wal­tig. Im Land­kreis ha­ben der­zeit Te­le­fon­be­trü­ger Kon­junk­tur, die sich als Po­li­zis­ten aus­ge­ben. Von Mar­tin Trös­ter

Das Te­le­fon klin­gelt. Auf dem klei­nen Bild­schirm des Ap­pa­rats er­scheint die Ruf­num­mer „110“oder die Num­mer des ört­li­chen Po­li­zei­re­viers. Am Hö­rer mel­det sich ein Mann, der sich als Po­li­zist aus­gibt. Er be­rich­tet von lau­fen­den Er­mitt­lun­gen, von ernst­zu­neh­men­den Hin­wei­sen, dass der An­ge­ru­fe­ne im Vi­sier von Tä­tern ist, die ihm ans Geld wol­len. Al­so sol­le man schnell das Geld, das man zu Hau­se oder gar auf der Bank auf­be­wahrt der Po­li­zei ge­ben, die schi­cke gleich je­man­den vor­bei, um die Schei­ne oder den Schmuck ab­zu­ho­len.

Ho­he Dun­kel­zif­fer

Mit die­ser Be­trugs­ma­sche ha­ben es die ech­ten Po­li­zis­ten auf dem Prä­si­di­um in Lud­wigs­burg der­zeit häu­fi­ger zu tun. Die Fäl­le, in de­nen die Ver­su­che an­ge­zeigt wur­den, sind zwar sel­ten – 2016 wur­den im Land­kreis Lud­wigs­burg le­dig­lich acht Fäl­le re­gis­triert. Doch ers­tens dürf­te die Dun­kel­zif­fer ge­mäß den Ver­mu­tun­gen der Er­mitt­ler sehr hoch sein, und zwei­tens ist der Scha­den ver­hee­rend, wenn die Tä­ter dann doch ein­mal er­folg­reich sind. So ist erst im Mai ei­ne 86-Jäh­ri­ge aus Dit­zin­gen auf die­se Wei­se um meh­re­re zehn­tau­send Eu­ro betrogen wor­den. Wie die Po­li­zei da­mals mit­teil­te, wur­den am dar­auf fol­gen­den Tag ein 78-Jäh­ri­ger aus Lud­wigs­burg und ei­ne 76-jäh­ri­ge Tam­me­rin mit ähn­li­chen An­ru­fen be­läs­tigt, al­ler­dings schöpf­ten sie recht­zei­tig Ver­dacht. Die Op­fer sind be­vor­zugt Äl­te­re.

„Was uns da­bei Pro­ble­me be­rei­tet, ist die un­gleich hö­he­re Zahl an Ver­su­chen“, sagt Pe­ter Wi­den­horn, Spre­cher des Prä­si­di­ums. Ge­naue Zah­len für an­ge­zeig­te Fäl­le in die­sem Jahr ha­be er nicht. Aber fest steht laut Er­mitt­lern: Der fal­sche Po­li­zei­an­ruf hat der­zeit Hoch­kon­junk­tur im Land­kreis Lud­wigs­burg.

Wie der En­kelt­rick, bei dem sich An­ru­fer als En­kel oder an­de­re Ver­wand­te in Schwie­rig­kei­ten und Geld­not aus­ge­ben, han­delt es sich um ein „Phä­no­men, das wel­len­ar­tig Pro­ble­me be­rei­tet“, sagt Wi­den­horn. Ge­mein­sam ist den bei­den wich­tigs­ten Trick­be­trugs-Ma­schen im Land­kreis auch, dass so gut wie nie ein Tä­ter fest­ge­nom­men wird. „Und wenn wir mal ei­nen Er­mitt­lungs­er­folg ha­ben, dann er­wi­schen wir in al­ler Re­gel nicht die Strip­pen­zie­her, son­dern nur Tä­ter aus der un­te­ren Ebe­ne, et­wa die Geld­emp­fän­ger“, al­so die­je­ni­gen, die das Geld an der Haus­tür der Op­fer ab­ho­len.

Was den En­kelt­rick an­geht, so ist es im Land­kreis im ver­gan­ge­nen Jahr eben­falls recht sel­ten zu An­zei­gen ge­kom­men: Er­reich­ten die Be­am­ten im Kreis im Jahr 2015 noch 77 An­zei­gen, wa­ren es im Jahr 2016 noch 41 (die BZ be­rich­te­te). Das ist ein Rück­gang um fast die Hälf­te (46,8 Pro­zent). Die Po­li­zei führt die­sen Er­folg vor al­lem dar­auf zu­rück, dass die Be­völ­ke­rung mitt­ler­wei­le bes­ser über die­se Be­trugs­ma­sche Be­scheid weiß. So ist im lau­fen­den Ka­len­der­jahr 2017 im Land­kreis noch kein er­folg­rei­cher En­kelt­rick zur An­zei­ge ge­bracht wor­den. In die­sem Jahr sieht es bis­lang so aus, als wird es eben­falls wie­der auf 40 an­ge­zeig­te Fäl­le hin­aus­lau­fen.

Doch auch hier gilt: Sind die Tä­ter ein­mal er­folg­reich, ist der Scha­den ge­wal­tig: Laut Po­li­zei­prä­si­di­um er­gau­ner­ten Be­trü­ger im ver­gan­ge­nen Jahr bei vier „Er­fol­gen“ins­ge­samt fast 160 000 Eu­ro.

Die Strip­pen­zie­her sit­zen in Ost­eu­ro­pa, nicht sel­ten in Ru­mä­ni­en. „In al­ler Re­gel sind sie der deut­schen Spra­che sehr gut mäch­tig und sind sehr ge­schick­te Ge­sprächs­part­ner“, sagt Wi­den­horn. Sie ar­bei­ten in Call-Cen­tern, und ope­rie­ren über In­ter­net-Te­le­fo­nie. Des­halb kön­nen sie auch leicht die Num­mer ma­ni­pu­lie­ren, die bei den ver­meint­li­chen Op­fern auf dem Te­le­fon­bild­schirm

Ein Phä­no­men, das wel­len­ar­tig Pro­ble­me be­rei­tet.

Pe­ter Wi­den­horn er­scheint, et­wa die „110“bei der Ma­sche des fal­schen Po­li­zis­ten.

Die Bo­ten, die von den ver­meint­li­chen Po­li­zis­ten ge­schickt wer­den, um das Geld ab­zu­ho­len, tre­ten so gut wie nie in Uni­form auf. Die ech­te Po­li­zei rät des­halb da­zu, ei­nen Aus­weis zu ver­lan­gen – oder gleich da­von aus­zu­ge­hen, dass die Po­li­zei kein Geld in Ob­hut nimmt. „Das ma­chen wir grund­sätz­lich nie“, sagt Be­hör­den­spre­cher Wi­den­horn.

Der Po­li­zei­spre­cher rät drin­gend da­zu, sich schnell bei der ech­ten Po­li­zei zu mel­den, nach­dem ver­meint­li­che Be­trü­ger an­ge­ru­fen ha­ben. „Das ist oft die ein­zi­ge Chan­ce, die wir ha­ben, um die Tä­ter zu er­wi­schen.“

Fo­to: dpa

Trick­be­trü­ger am Te­le­fon ge­ben sich un­ter an­de­rem als Po­li­zist oder als na­her Ver­wand­ter aus. Sind sie er­folg­reich, ha­ben die Op­fer nicht sel­ten meh­re­re zehn­tau­send Eu­ro ver­lo­ren.

Po­li­zei­spre­cher zum Trick­be­trug

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.