Weg frei für das „Face­book-Ge­setz“

Bun­des­tag Die Ab­ge­ord­ne­ten ent­schei­den heu­te über ei­nen Ent­wurf zum Lö­schen von Hass­kom­men­ta­ren in so­zia­len Netz­wer­ken. Die Be­trei­ber wer­den in die Pflicht ge­nom­men.

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Micha­el Ga­bel

Ber­lin. Heu­te soll der Bun­des­tag die ab­ge­schwäch­te Form des „Face­book-Ge­set­zes“be­schlie­ßen, mit dem die so­zia­len Netz­wer­ke zum Vor­ge­hen ge­gen Hass­kom­men­ta­re ge­zwun­gen wer­den. Die Da­ten­schutz­be­auf­trag­te Andrea Voß­hoff hat ih­re Be­den­ken fal­len­ge­las­sen.

Um Kri­ti­kern we­ni­ger An­griffs­flä­che zu bie­ten, ha­ben sich die Rechts­ex­per­ten von Uni­on und SPD auf weit­rei­chen­de Än­de­run­gen am Ent­wurf ge­ei­nigt. Die wich­tigs­te: Die so­zia­len Netz­wer­ke sol­len nur noch in Fäl­len „of­fen­sicht­li­cher Rechts­wid­rig­keit“ei­nes Pos­tings selbst Lö­schun­gen vor­neh­men. Zur Klä­rung schwie­ri­ger Streit­fäl­le sind Un­ter­neh­men wie Face­book an­ge­hal­ten, ein Gre­mi­um ver­gleich­bar der Frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­le der Film­wirt­schaft zu schaf­fen, das aus un­ab­hän­gi­gen Fach­leu­ten be­steht und vom Bun­des­amt der Jus­tiz an­er­kannt wer­den muss. So soll die Ge­fahr des „Over­blo­ckings“be­sei­tigt wer­den, al­so dass über­for­der­te Mit­ar­bei­ter ei­nes Un­ter­neh­mens lie­ber zu viel lö­schen.

Ei­nem sol­chen Or­gan der Selbst­re­gu­lie­rung wird für Zwei­fels­fäl­le auch mehr Zeit ge­ge­ben als bis­her. Statt bin­nen „sie­ben Ta­ge“sol­len nun nur noch „in der Re­gel sie­ben Ta­ge“rei­chen, um Hass­kom­men­ta­re zu eli­mi­nie­ren. Dar­über hin­aus er­hal­ten Nut­zer die Ge­le­gen­heit zur Stel­lung­nah­me, be­vor ihr Post ge­löscht wird.

An­ders als bis­her vor­ge­se­hen, wird es auch stren­ge Auf­la­gen ge­ben, was die Her­aus­ga­be von IP-Adres­sen durch die so­zia­len Netz­wer­ke be­trifft, mit de­ren Hil­fe Nut­zer iden­ti­fi­ziert wer­den kön­nen. Da­durch ha­ben Pri­vat­per­so­nen nur noch dann ein An­recht auf Her­aus­ga­be der Da­ten, wenn es um schwer­wie­gen­de Ver­let­zun­gen der Per­sön­lich­keits­rech­te geht und ei­ne ge­richt­li­che An­ord­nung vor­liegt.

Ei­ne Ver­schär­fung ge­gen­über der äl­te­ren Fas­sung be­deu­tet die Auf­la­ge für Netz­wer­ke, auf ih­rer Platt­form ei­nen An­sprech­part­ner zu be­nen­nen, der „leicht er­kenn­bar ist und un­mit­tel­bar er­reich­bar sein muss“.

Lob für Rich­ter­vor­be­halt

Die Bun­des­da­ten­schutz­be­auf­trag­te Voß­hoff lobt, dass es nun ei­nen Rich­ter­vor­be­halt und ei­nen in­län­di­schen Zu­stel­lungs­be­voll­mäch­tig­ten ge­be. „Un­se­re da­ten­schutz­recht­li­chen Haupt­kri­tik­punk­te wur­den auf­ge­nom­men“, teil­te sie die­ser Zei­tung mit.

Da­ge­gen bleibt die „Al­li­anz für Mei­nungs­frei­heit“, zu der auch der In­ter­net-Bran­chen­ver­band Bit­kom ge­hört, bei ih­rer Ab­leh­nung. Lö­schun­gen durch pri­va­te Un­ter­neh­men wür­den die Mei­nungs­frei­heit ge­fähr­den. Für „ver­fas­sungs­recht­lich be­denk­lich“hält die Initia­ti­ve, dass ei­ne Ein­rich­tung zur Selbst­kon­trol­le vom Bun­des­amt für Jus­tiz „be­auf­sich­tigt“wer­den sol­le.

Die Grü­nen hal­ten die neue Fas­sung für „ei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung“, teil­te der Frak­ti­ons­vi­ze­chef Kon­stan­tin von Notz mit. Doch wer und auf wel­che Wei­se nun Hass­kom­men­ta­re prü­fen müs­se, blei­be wei­ter­hin of­fen.

Fo­to: afp

Kom­men­ta­re ma­chen den Reiz von so­zia­len Netz­wer­ken wie Face­book aus. Hass­kom­men­ta­re aber sol­len künf­tig ge­löscht wer­den.

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