Vor­wurf ge­gen Papst­ver­trau­ten

Miss­brauch Fran­zis­kus be­ur­laubt Ku­ri­en­kar­di­nal Pell. In Aus­tra­li­en muss er sich we­gen des Vor­wurfs se­xu­el­ler Über­grif­fe ver­ant­wor­ten.

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Bet­ti­na Gab­be

Va­ti­kan. Erst­mals sieht sich ei­ner der engs­ten Mit­ar­bei­ter von Papst Fran­zis­kus ei­nem Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen se­xu­el­len Miss­brauchs aus­ge­setzt. Der 76-jäh­ri­ge Lei­ter des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats, Kar­di­nal Ge­or­ge Pell, muss am 18. Ju­li vor ei­nem Ge­richt in Mel­bourne er­schei­nen. Zwei Män­ner be­zich­ti­gen ihn, sie in den 70er Jah­ren in ei­nem Schwimm­bad in sei­ner Hei­mat­stadt Ball­arat se­xu­ell be­läs­tigt zu ha­ben.

Der ehe­ma­li­ge Erz­bi­schof von Sid­ney wird sich in Ab­spra­che mit Papst Fran­zis­kus ei­ne Aus­zeit neh­men, um mit den Jus­tiz­be­hör­den in sei­ner Hei­mat zur Auf­klä­rung der Vor­wür­fe zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. „Das Ver­fah­ren wird mir die Mög­lich­keit ge­ben, mei­nen Na­men rein­zu­wa­schen und nach Rom zu­rück­zu­keh­ren“, mein­te Pell. Zwi­schen dem Va­ti­kan und Aus­tra­li­en gibt es kein Aus­lie­fe­rungs­ab­kom­men. In der Ver­gan­gen­heit war dies ge­nutzt wor­den, um sich der Ver­fol­gung durch Jus­tiz­be­hör­den zu ent­zie­hen.

Auf ei­nen Rück­tritt ver­zich­tet der Kar­di­nal, der we­gen star­ken Durch­set­zungs­ver­mö­gens von Fran­zis­kus mit der Schaf­fung von mehr Trans­pa­renz in va­ti­ka­ni­schen Fi­nanz­an­ge­le­gen­hei­ten zum Chef des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats be­ru­fen wur­de. Das Amt des Prä­fek­ten des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats wird er wei­ter aus­üben.

„Ruf­mord­kam­pa­gne“

In ei­ner ei­lig ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz be­teu­er­te der 1966 in Rom zum Pries­ter ge­weih­te Ku­ri­en­kar­di­nal, er sei Op­fer ei­ner Ruf­mord­kam­pa­gne. Die Vor­wür­fe sei­en halt­los.

Die aus­tra­li­schen Jus­tiz­be­hör­den hat­ten Pell seit dem ver­gan­ge­nen Ok­to­ber mehr­fach an­ge­hört. Vor ei­ner aus­tra­li­schen Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on hat­te er ein­ge­stan­den, in der Ver­gan­gen­heit beim Um­gang mit Miss­brauchs­vor­wür­fen Feh­ler be­gan­gen zu ha­ben. Er schien dies je­doch mit der da­mals gän­gi­gen Pra­xis, den gu­ten Ruf der Kir­che über den Op­fer­schutz zu stel­len, zu recht­fer­ti­gen. „Wer bin ich, das Un­halt­ba­re zu ver­tei­di­gen“, hat­te er in ei­nem In­ter­view zu den Miss­brauchsskan­da­len in sei­ner Hei­mat ent­schul­di­gend gesagt. Nun lei­te­te die aus­tra­li­sche Jus­tiz of­fi­zi­ell Er­mitt­lun­gen ein.

Be­reits vor ei­nem Jahr beim Rück­flug von ei­nem Be­such in Po­len hat­te Papst Fran­zis­kus gesagt, er wer­de sich zur Cau­sa Pell äu­ßern, wenn die Jus­tiz ge­spro­chen ha­be. Die­ser Punkt könn­te nun bald er­reicht sein. Ob der Kar­di­nal in sein Amt zu­rück­keh­ren kann, ist of­fen.

Un­ter dem Ein­druck der Miss­brauchsskan­da­le hat­te Papst Fran­zis­kus zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit ei­ne ei­ge­ne Va­ti­k­an­be­hör­de ins Le­ben ge­ru­fen, die sich mit Um­gang und Prä­ven­ti­on be­fasst. Vor we­ni­gen Mo­na­ten trat mit der Irin Ma­rie Col­lins je­doch das letz­te Miss­brauchsop­fer aus Pro­test ge­gen man­geln­de Zu­sam­men­ar­beit von Va­ti­k­an­be­hör­den aus der Kin­der­schutz­kom­mis­si­on zu­rück.

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