„In der Ge­walt­fal­le“

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Pro­test­grup­pen ha­ben Sor­ge, dass sie beim G20-Gip­fel als Ge­walt­tä­ter dif­fa­miert wer­den. Sie ste­cken in der Ge­walt­fal­le, sagt der Theo­lo­ge Theo Chris­ti­an­sen.

Brand­an­schlä­ge auf Bahn­an­la­gen in Ham­burg ha­ben ei­nen Vor­ge­schmack auf den G20-Gip­fel ge­ge­ben. Ge­ra­ten fried­li­che Pro­test­grup­pen an­ge­sichts der Ge­waltsze­na­ri­en un­ter die Rä­der?

Theo Chris­ti­an­sen:

Po­li­tik und Po­li­zei bau­en mit ih­rem Si­cher­heits­dis­kurs ei­nen star­ken Druck auf zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Pro­test­kräf­te auf. Die­se wer­den da­durch in die En­ge ge­trie­ben. Sie wer­den stän­dig da­mit kon­fron­tiert, was Ge­walt­be­rei­te ver­meint­lich oder re­al zu tun ge­den­ken.

Ste­cken zi­vi­le Ak­teu­re in ei­ner Ge­walt­fal­le?

Ja. Al­le Ak­ti­ven ste­hen un­ter ei­ner Art Ge­ne­ral­ver­dacht. Ich hal­te es für ei­ne ge­fähr­li­che Ent­wick­lung, dass Po­li­tik und Po­li­zei so stark auf Ab­schre­ckung set­zen und da­mit im Ex­trem­fall Sze­na­ri­en so­gar erst ent­ste­hen las­sen, die ei­ne Es­ka­la­ti­on be­för­dern. Die bes­te Prä­ven­ti­on vor Ge­walt ist, fried­li­che Pro­test­grup­pen zu stär­ken. Dar­an soll­ten al­le ein In­ter­es­se ha­ben. Ge­walt trägt nicht da­zu bei, dass die An­lie­gen ge­hört wer­den.

Für was en­ga­gie­ren Sie sich?

Mir ist es wich­tig, dass nicht über All­ge­mein­plät­ze ge­re­det wird, son­dern dass wir als Zi­vil­ge­sell­schaft dar­auf ach­ten, was die deut­sche Po­li­tik tat­säch­lich da­zu bei­trägt, um die The­men, die für uns als Kir­che wich­tig sind – Ge­rech­tig­keit, Frie­den und Be­wah­rung der Schöp­fung – vor­an­zu­brin­gen. Und zwar so kon­kret wie mög­lich. Deutsch­land ist ei­ne der größ­ten und stärks­ten In­dus­trie­na­tio­nen. Da­mit trägt un­ser Land viel da­zu bei, dass es im­mer noch un­ge­recht und krie­ge­risch zu­geht auf der Er­de und dass die­se so­gar selbst be­droht ist. Des­halb wol­len wir die deut­sche Po­li­tik da­zu drän­gen, an die­sen Punk­ten ih­re bis­he­ri­ge Hal­tung zu ver­än­dern.

Was er­war­ten Sie von den Kir­chen?

Dass sie in gu­tem Ab­stand von staat­li­cher Or­ga­ni­sa­ti­on und wirt­schaft­li­cher Macht ih­rem Auf­trag nach­ge­hen, dass sie al­so dar­auf ach­ten, dass sich zum Bei­spiel die deut­schen Han­dels­be­zie­hun­gen zu afri­ka­ni­schen Län­dern an den UN-Zie­len für ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung aus­rich­ten, dass Rüs­tungs­ex­por­te aus Deutsch­land ge­stoppt wer­den und dass Deutsch­land aus der Koh­le­ver­stro­mung aus­steigt. Eli­sa­beth Zoll Theo Chris­ti­an­sen lei­tet den Be­reich Dia­ko­nie und Bil­dung im Evan­ge­lisch-Lu­the­ri­schen Kir­chen­kreis Ham­burg-Ost und en­ga­giert sich für fried­li­chen Pro­test beim G20-Gip­fel.

Fo­to: pri­vat

Theo Chris­ti­an­sen for­dert von Kir­chen mehr Ab­stand zur Po­li­tik.

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