Rom droht Flücht­lings­boo­ten mit Ha­fen­sper­re

Mi­gra­ti­on Der Zustrom über das Mit­tel­meer hält an. Die La­ger in Ita­li­en sind überfüllt. Des­halb will das Land frem­de Schif­fe nicht mehr an­le­gen las­sen. Von Bet­ti­na Gab­be

Bietigheimer Zeitung - - Politik -

Ita­li­en schlägt un­ter dem Ein­druck ei­nes ra­san­ten An­stiegs der Flücht­lings­zah­len Alarm. Nach­dem bin­nen zwei Ta­gen rund 10 000 Flücht­lin­ge im Mit­tel­meer ge­ret­tet wur­den, die al­le nach Ita­li­en ge­bracht wer­den soll­ten, er­wägt Rom nun, die ei­ge­nen Hä­fen zu schlie­ßen.

Die au­ßer­ge­wöhn­li­che Maß­nah­me könn­te für Schif­fe gel­ten, die nicht un­ter ita­lie­ni­scher Flag­ge fah­ren. Rom ha­be die EU-Kom­mis­si­on in­for­miert, dass mit 22 Schif­fen, die mit 12 500 im Mit­tel­meer ge­ret­te­ten Mi­gran­ten auf dem Weg nach Ita­li­en sei­en, die „Gren­ze der Nach­hal­tig­keit er­reicht ist“, be­ton­te In­nen­mi­nis­ter Mar­co Min­niti. We­gen des Flücht­lings­an­sturms und der dro­hen­den Über­fül­lung hat­te er ei­ne US-Rei­se ab­ge­bro­chen.

Nach­dem das Ab­kom­men zwi­schen der Tür­kei und der Eu­ro­päi­schen Uni­on zur Ein­däm­mung des Flücht­lings­stroms die Zahl der An­künf­te über Grie­chen­land dras­tisch re­du­zier­te, stie­gen die Zah­len der Mi­gran­ten, die über die li­by­sche Küs­te aus ver­su­chen, Ita­li­en zu er­rei­chen dras­tisch an. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­reich­ten 180 000 Flücht­lin­ge Eu­ro­pa über das Mit­tel­meer. In die­sem Jahr wird mit ins­ge­samt 230 000 An­künf­ten ge­rech­net. Ita­li­en ha­be sich durch ei­ne Ver­tei­lung der Mi­gran­ten auf dem ge­sam­ten Ter­ri­to­ri­um be­müht, für Ver­sor­gung und In­te­gra­ti­on der Men­schen zu sor­gen, be­tont das rö­mi­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um. Das er­wies sich auf­grund hef­ti­gen Wi­der­stands zahl­rei­cher Kom­mu­nen als äu­ßerst schwie­rig. Es sei je­doch nicht wei­ter mög­lich, den Strom der in die EU drin­gen­den Mi­gran­ten al­lein Ita­li­en auf­zu­bür­den, be­grün­det das In­nen­mi­nis­te­ri­um die For­de­rung nach mehr Hil­fe aus Brüs­sel.

We­gen der Über­las­tung der ita­lie­ni­schen Auf­nah­me­zen­tren ver­su­chen Flücht­lin­ge mitt­ler­wei­le, ge­gen ei­ne Rück­füh­rung in das süd­eu­ro­päi­sche Land zu kla­gen. Dort sei­en die Min­dest­be­din­gun­gen für Ver­sor­gung und ins­be­son­de­re mit über­lan­gen Zei­ten für Asyl­ver­fah­ren in­ter­na­tio­na­le Stan­dards nicht er­füllt. Seit In­kraft­tre­ten des Tür­kei-EU-Flücht­lings­pakts gilt wie­der die Dublin-Ver­ord­nung nach der Asyl­an­trä­ge in dem Land ge­stellt wer­den müs­sen, in dem die Kan­di­da­ten als ers­tes in die Eu­ro­päi­sche Uni­on ein­reis­ten.

Brüs­sel hat auf die An­kün­di­gung Ita­li­ens re­agiert. Au­ßer­halb der von der EU selbst ge­führ­ten Ein­sät­ze wer­de „die Fra­ge der An­lan­dung durch das in­ter­na­tio­na­le Recht ge­re­gelt“, teil­te ein Spre­cher mit. Mi­gra­ti­ons­kom­mis­sar Di­mi­tris Av­ra­mo­pou­los sag­te, die EU-Kom­mis­si­on sei be­reit, die Hil­fe für Ita­li­en zu er­hö­hen.

Die an­de­ren EU-Län­der rief er da­zu auf, die Ar­beit in den Her­kunfts­und Tran­sit­län­dern zu ver­stär­ken, um die Strö­me zu re­du­zie­ren.

Fo­to: dpa

Aus See­not ge­ret­te­te Mi­gran­ten war­ten auf den Trans­fer von ei­nem zi­vi­len Schiff im Mit­tel­meer auf das Ret­tungs­schiff „Aqua­ri­us“.

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