Be­wer­ber mit aus­län­di­schem Na­men tun sich schwer

Chan­cen­gleich­heit Neu­er An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­be­richt sieht in Deutsch­land noch viel Nach­hol­be­darf.

Bietigheimer Zeitung - - Politik - An­dré Bochow

Ber­lin. Ge­ra­de wenn es um den Job geht, so Ay­dan Özo­guz, Bun­des­be­auf­trag­te für Mi­gra­ti­on, Flücht­lin­ge und In­te­gra­ti­on, wei­sen vie­le Stu­di­en dar­auf hin, „dass es Be­wer­ber mit aus­län­di­schem Na­men, auf dem Ar­beits­markt schwe­rer ha­ben – auch mit glei­cher oder so­gar bes­se­rer Qua­li­fi­ka­ti­on.“Aber auch Be­hin­der­te wer­den laut dem Bericht bei der Job­su­che dis­kri­mi­niert und jun­ge Frau­en be­kom­men viel öf­ter Ab­sa­gen als gleich­alt­ri­ge Män­ner.

Auf mehr als 500 Sei­ten fasst der Bericht über „Dis­kri­mi­nie­rung in Deutsch­land“Er­fah­run­gen, Be­schwer­den, Ri­si­ken und auch Hand­lungs­emp­feh­lun­gen zu­sam­men. Chris­ti­ne Lü­ders, die Lei­te­rin der An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des freut sich über „ei­nen Ba­sis­teil mit ei­ner Da­ten­samm­lung“. Die sys­te­ma­tisch ge­sam­mel­ten Da­ten wür­den ge­braucht, um dem erst seit dem Jahr 2006 gel­ten­den Gleich­stel­lungs­ge­setz Ge­nü­ge zu tun.

Sor­gen be­rei­tet Lü­ders die „Dis­kri­mi­nie­rung bei der öf­fent­li­chen Ar­beits­ver­mitt­lung.“Die hat Mar­tin Brus­sig, Pro­fes­sor am Duis­bur­ger In­sti­tut Ar­beit und Qua­li­fi­ka­ti­on, un­ter­sucht. Brus­sig nennt vier Punk­te, die der Gleich­be­hand­lung der Job­cen­ter-Kun­den ab­träg­lich sind.

So wird die Be­ra­tung „stark nach Kenn­zah­len ge­steu­ert“. Ei­ne sol­che Zahl kann dar­auf hin­wei­sen, dass ein Ar­beits­su­chen­der er­höh­ten Be­ra­tungs­be­darf hat. Mit­ar­bei­ter, die ge­hal­ten sind, mög­lichst vie­le Fäl­le zu be­ar­bei­ten, wer­den viel­leicht „ei­ner 59-Jäh­ri­gen, die nach ei­ner Wei­ter­bil­dung fragt, mit­tei­len, dass es sich in die­sem Al­tern nicht mehr lohnt.“

Ho­he Fluk­tua­ti­on

Au­ßer­dem sei­en Ent­schei­dun­gen der Job­cen­ter oft nicht trans­pa­rent, Be­schwer­de­mög­lich­kei­ten we­nig be­kannt und die Fluk­tua­ti­on un­ter den Mit­ar­bei­tern hoch, heißt es in dem Bericht. „Ei­ner Schät­zung zu­fol­ge hat sich das Per­so­nal in den Job­cen­tern in zehn Jah­ren zwei­mal kom­plett aus­ge­tauscht.“

Bei den „Emp­feh­lun­gen für ei­nen ef­fek­ti­ven Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz“ragt die For­de­rung nach ei­nem Ver­bands­kla­ge­recht her­aus. Statt der von Dis­kri­mi­nie­rung Be­trof­fe­nen könn­ten dann zum Bei­spiel Be­hin­der­ten­ver­bän­de vor Ge­richt zie­hen.

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