Im­mer mehr Hin­wei­se zu Wöl­fen im Süd­wes­ten

Bietigheimer Zeitung - - Südwestumschau -

Tie­re Das be­stä­tig­te Ex­em­plar vom Bo­den­see hat ei­ne Schwem­me neu­er Sich­tun­gen im Land aus­ge­löst. Die Ex­per­ten sind vor­sich­tig: Vie­le könn­ten „Fa­kes“sein. Von Petra Wal­heim Wir kön­nen si­cher sa­gen: Wöl­fe sind an Men­schen nicht in­ter­es­siert.

Er ist ver­mut­lich auf der Su­che nach ei­ner Part­ne­rin. Da­bei dürf­te der Wolf, der seit gut ei­ner Wo­che in der Bo­den­see­re­gi­on un­ter­wegs ist, we­nig Er­folg ha­ben. Bis­her gibt es kei­ne Hin­wei­se auf weib­li­che Art­ge­nos­sen. So wird der Jähr­ling vor­erst ein einsamer Wolf blei­ben. Das löst bei Schaf­züch­tern zu­min­dest et­was Er­leich­te­rung aus. Sie fürch­ten den Wolf aus Sor­ge um ih­re Her­den. Noch sei kein aus­rei­chen­der Her­den­schutz ge­fun­den, sagt Al­fons Gim­ber, Vor­sit­zen­der des Lan­des­schaf­zucht­ver­bands. Trotz­dem sieht er dem Auf­tau­chen des Wolfs ge­las­sen ent­ge­gen. „Es ist klar, dass er kommt“, sagt Gim­ber.

Die Ex­per­ten der Forst­li­chen Ver­suchs- und For­schungs­an­stalt (FVA) in Frei­burg be­ob­ach­ten die Wan­de­rung des Rü­den sehr ge­nau. Sie be­to­nen, dass von dem Wolf für den Men­schen kei­ne Ge­fahr aus­geht – auch wenn das Tier sich auf­fal­lend oft fo­to­gra­fie­ren ließ. Das et­wa ein Jahr al­te Wild­tier war erst­mals am Mitt­woch vor ei­ner Wo­che in ei­ner Ap­fel­plan­ta­ge bei Über­lin­gen ge­sich­tet wor­den. Ei­ne Pri­vat­per­son hat ihn fo­to­gra­fiert. Wild­tier-Ex­per­te Micha Herdtfel­der und an­de­re FVA-Ex­per­ten ha­ben das Tier auf dem Fo­to ein­deu­tig als Wolf iden­ti­fi­ziert. Nur we­ni­ge Ta­ge spä­ter ließ sich das Tier bei Stockach

Micha Herdtfel­der bli­cken – und lief auch dort ei­nem Pri­vat­mann vor die Ka­me­ra. Bei­de Ma­le wur­de es aus dem Au­to fo­to­gra­fiert. „Der Wolf ist noch jung und hat of­fen­bar noch kei­ne schlech­ten Er­fah­run­gen mit Men­schen ge­macht“, sagt ei­ne Spre­che­rin der FVA. Au­ßer­dem brin­ge er Au­tos nicht mit Men­schen in Ver­bin­dung. Das wür­de er­klä­ren, war­um der Wolf sich ru­hig fo­to­gra­fie­ren lässt und nicht so­fort im Di­ckicht ver­schwin­det.

Das hat aber auch noch ei­nen an­de­ren Grund: „Wir spre­chen nie­mals da­von, dass der Wolf scheu ist“, sagt Micha Herdtfel­der. „Wir kön­nen si­cher sa­gen: Wöl­fe sind an Men­schen nicht in­ter­es­siert.“Das heißt: We­der su­chen sie sei­ne Nä­he, noch ren­nen sie weg. Auch dass sich das Tier oft am Tag zei­ge, sei nichts Un­ge­wöhn­li­ches, sagt der Ex­per­te. Die meis­ten Wöl­fe sei­en zwar eher nachts un­ter­wegs, die­ses Ex­em­plar wan­de­re aber wohl lie­ber am Tag. Des­halb wer­de er auch im­mer wie­der ge­se­hen. Zu­letzt am Di­ens­tag­vor­mit­tag öst­lich von Bad Dür­rheim im Schwarz­wald­Baar-Kreis. „Das ist un­ser ak­tu­el­ler Stand“, sagt Herdtfel­der. Die Ex­per­ten der FVA ge­hen da­von aus, dass es sich im­mer um das­sel­be Tier han­delt. „Wöl­fe kön­nen pro Tag bis zu 40 Ki­lo­me­ter wan­dern“, sagt ei­ne Spre­che­rin.

Vie­le Ge­rüch­te im In­ter­net

Seit den Sich­tun­gen wird die FVA mit im­mer neu­en Hin­wei­sen über­schwemmt. Doch bis­lang ist kei­ner da­bei, von dem si­cher gesagt wer­den kann, dass es sich um ei­nen Wolf han­delt und schon gar nicht um den schon be­kann­ten. Ein Land­wirt aus Reut­lin­gen­dorf, ei­nem Orts­teil von Ober­m­arch­tal im Alb-Do­nau-Kreis, hat in den ver­gan­ge­nen Ta­gen zwei Tie­re am Wald­rand und im Wald ent­deckt, die Wöl­fe sein könn­ten. Er hat sie fo­to­gra­fiert. Die Ex­per­ten der FVA ken­nen ei­nes der Fo­tos. „So­lan­ge wir mit dem Be­ob­ach­ter nicht ge­spro­chen ha­ben, kön­nen wir nichts da­zu sa­gen“, sagt Micha Herdtfel­der. Die Tie­re könn­ten über­all auf­ge­nom­men wor­den sein. Die FVA ist äu­ßerst vor­sich­tig mit Be­stä­ti­gun­gen für Wöl­fe: Schon zu oft wur­den den Ex­per­ten Fo­tos ge­schickt, von de­nen sich spä­ter her­aus­stell­te, dass sie in Ge­he­gen auf­ge­nom­men wor­den sind. Auch in den so­zia­len Netz­wer­ken und im In­ter­net kur­sie­ren im­mer wie­der neue Ge­rüch­te über Wöl­fe im Land. Da­bei wird auch im­mer wie­der ein En­de April auf­ge­fun­de­nes to­tes Kalb ins Ge­spräch ge­bracht. „Wir ha­ben kei­nen Hin­weis, dass ein Wolf die­ses Tier ge­ris­sen hat“, sagt Herdtfel­der.

Wie sich das ak­tu­ell durchs Land wan­dern­de Tier er­nährt, dar­über kann nur spe­ku­liert wer­den. Nach Aus­kunft von Micha Herdtfel­der ist von Ris­sen nichts be­kannt. „Er scheint kein In­ter­es­se an Nutz­tie­ren zu ha­ben.“ Herdtfel­der warnt da­vor, Wöl­fe zu füt­tern. „Das ist ein Wild­tier. Es muss un­be­dingt ver­mie­den wer­den, dass es po­si­ti­ve Er­fah­run­gen mit Men­schen macht und dann des­sen Nä­he sucht“, be­tont er. Zur Beu­te des Wol­fes ge­hö­ren Re­he, Wild­schwei­ne und Rot­wild. „Er frisst aber auch klei­ne­re Tie­re aus dem Wald und vom Feld wie Mäu­se, Vö­gel und Ha­sen.“

Bis­her kei­ne Scha­fe ge­ris­sen

So­lan­ge das so bleibt, sind die Nutz­tier­hal­ter zu­frie­den. Doch sie be­fürch­ten, dass der Wolf, wenn er sich erst mal im Land nie­der­ge­las­sen hat, sich auch an Scha­fen und Zie­gen ver­greift. Wie die ge­schützt wer­den kön­nen, das ist noch ei­ne of­fe­ne Fra­ge. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ist im Schwarz­wald in ei­nem Pro­jekt des Lan­des und des Na­tur­schutz­bun­des (Nabu) der Ein­satz von Her­den­schutz­hun­den ge­tes­tet wor­den. Das Land hat das Pro­jekt mit 200 000 Eu­ro fi­nan­ziert. Im Sep­tem­ber läuft es aus. „Lei­der ha­ben wir noch kei­ne An­schluss-Fi­nan­zie­rung“, klagt Al­fons Gim­ber, der Vor­sit­zen­de des Lan­des­schaf­zucht­ver­ban­des.

Aus sei­ner Sicht ist das Pro­jekt noch nicht ab­ge­schlos­sen. Er sieht den Ein­satz von Hun­den kri­tisch, be­son­ders in be­völ­ke­rungs­rei­chen Re­gio­nen. Je nach­dem wie ag­gres­siv die Hun­de sei­en, könn­ten sie auch dem Men­schen ge­fähr­lich wer­den. Er sieht ei­ne Lö­sung des Pro­blems eher im Auf­stel­len von Elek­tro­zäu­nen. „Ich den­ke, wir müs­sen bei­des ver­su­chen.“Am liebs­ten wä­re es ihm aber, „wenn die Wolfs-Weib­chen in wei­ter Fer­ne blei­ben wür­den“. Da­mit sich kei­ne Po­pu­la­ti­on auf­bau­en kann.

Fo­to: dpa

Ta­gak­tiv und er­staun­lich fo­to­gen: Der Wolf, hier fo­to­gra­fiert bei Stockach.

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