„Ste­hen die Frau­en im Fo­kus?“

Bietigheimer Zeitung - - Südwestumschau -

Pro­sti­tu­ti­on Ver­bän­de ver­mis­sen En­ga­ge­ment der Lan­des­re­gie­rung bei der Um­set­zung des Schutz­ge­set­zes.

Zu we­nig Ein­satz für Men­schen­rech­te, lust­lo­ses En­ga­ge­ment ge­gen mo­der­ne Skla­ve­rei: Der Dach­ver­band der frau­en­po­li­ti­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen in Ba­den-Würt­tem­berg übt hef­ti­ge Kri­tik an der Lan­des­re­gie­rung. Der Stutt­gar­ter Ver­ein „Sis­ters – für den Aus­stieg aus der Pro­sti­tu­ti­on!“stimmt in die Kri­tik ein; bei­de ver­mis­sen Nach­druck bei der Um­set­zung des neu­en Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­set­zes.

„Still ruht der See“

Im Ok­to­ber 2016 hat der Bun­des­tag ein Ge­setz zum Schutz von Pro­sti­tu­ier­ten be­schlos­sen, das mor­gen in Kraft tritt. Die we­nigs­ten Bun­des­län­der wer­den es schaf­fen, die Auf­la­gen recht­zei­tig um­zu­set­zen, da ist Ba­den-Würt­tem­berg kei­ne Aus­nah­me. Frau­en­ver­tre­te­rin­nen wun­dern sich aber über den Man­gel an Lei­den­schaft im zu­stän­di­gen So­zi­al­mi­nis­te­ri­um: „Still ruht der See“, sag­te Ma­nue­la Ru­ka­vina, Vor­sit­zen­de des Lan­des­frau­en­rats, ges­tern in Stutt­gart. Ru­ka­vinas Ver­band ver­tritt nach ei­ge­nen An­ga­ben 52 Or­ga­ni­sa­tio­nen mit knapp drei Mil­lio­nen Mit­glie­dern.

Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um hat­te sei­ne Plä­ne im Mai um­ris­sen; ver­gan­ge­ne Wo­che be­rich­te­te die­se Zei­tung dann aus ei­ner ent­spre­chen­den Ka­bi­netts­vor­la­ge. Von ei­ner Han­dy-App ab­ge­se­hen, war nicht er­kenn­bar, dass das Res­sort von Man­fred Lu­cha (Grü­ne) über die Min­dest­an­for­de­run­gen hin­aus­ge­hen möch­te. Ge­nau das for­dern Kri­ti­ker aber. Die Lan­des­re­gie­rung kön­ne ein Zei­chen set­zen, sag­te Ru­ka­vina: „Wie ernst mei­nen wir‘s denn ei­gent­lich mit der Um­set­zung? Steht da die Bü­ro­kra­tie im Fo­kus, die ge­schont wer­den soll, oder ste­hen da wirk­lich die Frau­en im Fo­kus, um de­ren Schutz es an der Stel­le geht?“

Po­li­zei oder Land­kreis?

Sa­bi­ne Con­s­ta­bel, Vor­stands­mit­glied beim Ver­ein „Sis­ters“, pflich­te­te bei: Be­grif­fe wie Zwang und Aus­beu­tung müss­ten mit rechts­ver­bind­li­chen De­fi­ni­tio­nen ver­se­hen wer­den, oh­ne die die Po­li­zei häu­fig macht­los sei. Die Mel­dungs­ge­sprä­che müss­ten bei der Po­li­zei an­ge­sie­delt wer­den, denn die ha­be Zu­griff auf Da­ten­ban­ken und sei pro­fes­sio­nell ge­schult. Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um möch­te die An­mel­dung den Kreis­ver­wal­tun­gen über­las­sen und für de­ren Mit­ar­bei­ter Leit­fä­den schrei­ben. „Ab­surd“, fin­det Con­s­ta­bel das.

Der Frau­en­rat und die „Sis­ters“er­grei­fen der­weil selbst die Initia­ti­ve: Mit der Kam­pa­gne #Rot­licht­Aus wol­len sie bun­des­weit für Pro­sti­tu­ier­te und ge­gen das Sys­tem Pro­sti­tu­ti­on kämp­fen. Sie wird von 20 Or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter­stützt. Pla­ka­te mit Sprü­chen wie „Dein Spaß ist mein Hor­ror­trip“und „Be­zahl­sex zer­stört Le­ben“wen­den sich di­rekt an die Frei­er.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.