Teil des ame­ri­ka­ni­schen All­tags

Kon­zert­rei­se Kreis­ju­gend­or­ches­ter ent­deckt Min­nea­po­lis – mu­si­ka­lisch und per­sön­lich.

Bietigheimer Zeitung - - Kreis Ludwigsburg - Su­san­ne Yvet­te Wal­ter

Lud­wigs­burg. Das Kreis­ju­gend­or­ches­ter ist ein rei­se­freu­di­ges En­sem­ble, Zu­sam­men mit ih­rem Di­ri­gen­ten Ro­land Haug ent­deck­ten über 70 jun­ge Mu­si­ker be­reits in den zu­rück­lie­gen­den Jah­ren Ru­mä­ni­en und Süd­ko­rea, um nur ei­ni­ge Sta­tio­nen ih­rer Kon­zert­rei­sen zu nen­nen. Jetzt schlägt ihr Herz wie wild für Min­nea­po­lis, denn dort war das Orches­ter vor kur­zem zu Gast.

Bei die­ser jüngs­ten Kon­zert­rei­se des Kreis­ju­gend­or­ches­ters nach Min­nea­po­lis im US-Bun­des­staat Min­ne­so­ta ent­stan­den Freund­schaf­ten, des­sen ist sich Di­ri­gent Ro­land Haug si­cher. Viel­leicht ist die Un­ter­brin­gung der Lud­wigs­bur­ger Mu­si­ker in Gast­fa­mi­li­en dar­an „schuld“, dass bei die­ser Kon­zert­rei­se wohl be­son­ders in­ten­si­ve per­sön­li­che Kon­tak­te ent­stan­den sind.

Ei­ne Wo­che lang hat­ten 72 Mu­si­ker aus dem Kreis Lud­wigs­burg bei ih­ren Gast­fa­mi­li­en ein zwei­tes Zu­hau­se ge­fun­den und da­mit Zeit und Mu­se, Land und Leu­te ken­nen­zu­ler­nen. „Die Kon­tak­te wa­ren so herz­lich, dass die Gast­fa­mi­li­en auch in un­se­re Kon­zer­te ka­men“, lässt Di­ri­gent Ro­land Haug wis­sen. Das Au­gen­merk von Di­ri­gent und Orches­ter lag na­tür­lich auch auf der Mu­sik. Sechs Kon­zer­te gab das En­sem­ble, teils mit an­de­ren zu­sam­men in den USA, un­ver­gess­li­che Er­in­ne­run­gen für Schü­ler aus dem Kreis Lud­wigs­burg, die be­son­ders gut sind.

Den Kontakt nach Min­nea­po­lis, der rund 380 000 Ein­woh­ner-Stadt in Min­ne­so­ta stell­te Tanja Moo­re her, ei­ne ehe­ma­li­ge Be­sig­hei­me­rin, de­ren Mann von dort stammt. Die Band „Ca­dil­lac Kol­stad“wirk­te eben­falls als Bin­de­glied. Schon öf­ter ha­ben die ame­ri­ka­ni­schen Mu­si­ker in Be­sig­heim ge­spielt und in der Mu­sik­schu­le Be­sig­heim ei­nen Work­shop ge­ge­ben.

Tanja Moo­re hat zu­sam­men mit Ca­ty Lin­ne, ei­ner Ame­ri­ka­ne­rin die Or­ga­ni­sa­ti­on der Rei­se ge­stemmt. Das Schö­ne und Be­son­de­re an die­ser Rei­se war, dass die Mu­si­ker aus dem Kreis Lud­wigs­burg nicht als Tou­ris­ten das Land er­leb­ten, son­dern als Gäs­te. Ge­mein­sam mit den Gast­fa­mi­li­en wur­den Aus­flü­ge ge­macht, ins Ki­no, ins Mu­se­um. „So be­kommt man nicht nur Es­sen und Trin­ken und ein ge­müt­li­ches Bett, son­dern mehr noch den Ame­ri­can Way of Li­fe mit“, er­klärt Ro­land Haug au­gen­zwin­kernd.

Be­such in ei­ner High-School

Ein Be­such in ei­ner High-School er­gänz­te die Kon­zert­rei­se. Hier er­leb­ten die Ju­gend­li­chen, wie auf der High-School der Schul­all­tag ab­läuft, trans­pa­ren­ter geht’s nicht mehr. „An der High-School ha­ben dann 72 Lud­wigs­bur­ger und 55 Schü­ler von dort zu­sam­men ge­probt und vor rund 600 Stu­den­ten zu­sam­men ein Kon­zert ge­ge­ben. Da wur­de ge­ju­belt und ge­johlt. Das Kon­zert be­gann, wie die an­de­ren auch mit ei­ner Hom­mage an Bar­ba­ra St­reisand“, er­zählt Ro­land Haug und fügt hin­zu: „Es wur­de als ei­ne be­son­de­re Ges­te emp­fun­den, dass ein deut­sches Orches­ter ein Stück von Bar­ba­ra St­reisand spielt. Dass die Leu­te dar­auf so hef­tig re­agie­ren, hät­te ich nicht ge­dacht.“

Wel­che Mu­sik bringt man mit nach Ame­ri­ka? „Es macht kei­nen Sinn, dort Stü­cke für ame­ri­ka­ni­sches Blas­or­ches­ter zu spie­len“, fin­det Ro­land Haug. Viel­mehr ging es dem Orches­ter wohl dar­um, „eu­ro­päi­sche Ak­zen­te zu set­zen“mit ei­ner böh­mi­schen Pol­ka zum Bei­spiel. Die Schnell­pol­ka von Jo­hann Strauss stieß auf Be­geis­te­rung in Min­nea­po­lis, eben­so wie „Ei­ne Nacht in Ve­ne­dig“.

In Has­tings er­öff­ne­te das Kreis­ju­gend­or­ches­ter die Sai­son der Som­mer­kon­zer­te mit Stoff, der als „ty­pisch deutsch“emp­fun­den wird. In der Ka­the­dra­le von Min­nea­po­lis er­fuhr das Orches­ter ei­ne be­son­de­re Wert­schät­zung. „Wir wa­ren das ers­te nicht pro­fes­sio­nel­le Orches­ter, das hier spie­len durf­te“, lässt Ro­land Haug wis­sen.

So wich­tig wie die mu­si­ka­li­schen Be­geg­nun­gen, wa­ren wohl auch die per­sön­li­chen in den USA. In Zei­ten von Face­book und Whats­App dürf­te es kaum mehr ein Pro­blem sein, mit­ein­an­der in Kontakt zu blei­ben.

Wir wa­ren das ers­te nicht pro­fes­sio­nel­le Orches­ter, das hier spie­len durf­te.

Ro­land Haug

Di­ri­gent des Kreis­ju­gend­orchsters

Fo­to: Kreis­ju­gend­or­ches­ter

Als ers­tes nicht pro­fes­sio­nel­les Orches­ter durf­te das Kreis­ju­gend­or­ches­ter Lud­wigs­burg in der be­ein­dru­cken­den St. Paul Ca­the­dral in Min­nea­po­lis ein Kon­zert ge­ben.

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