Ein blut­sau­gen­der blin­der Pas­sa­gier

Neo­zo­en Ver­schie­de­ne Tier­ar­ten le­ben im Frei­en in Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, ob­wohl sie hier nicht hei­misch sind. Man­che sind Schäd­lin­ge, an­de­re über­tra­gen Krank­hei­ten. Von Chris­tia­ne Reb­han

Bietigheimer Zeitung - - Metterzimmern / Untermberg -

Was ha­ben der Wachsch­bär, die Var­roa­mil­be und die Nil­gans ge­mein­sam? Al­le drei Ar­ten sind hier in der Ge­gend nicht hei­misch und man trifft sie trotz­dem an. Der un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de des Land­rats­amts ist in Bie­tig­heim-Bis­sin­gen zu­dem das Vor­kom­men von Bi­sam, der Kirsches­sig­flie­ge und von Gold­fi­schen be­kannt. Da­mit sind selbst­ver­ständ­lich nicht die Fi­sche im Aqua­ri­um ge­meint, son­dern sie tum­meln sich in Tüm­peln eben­so wie Koi-Kar­p­fen in der Bio­to­pan­la­ge „See­wäld­le“im Er­len­grund schwim­men, wie Her­mann Groß­mann, Lei­ter des Städ­ti­schen Bau­hofs Bie­tig­heim-Bis­sin­gen, fest­ge­stellt hat.

In Deutsch­land le­ben vie­le Tie­re, die ur­sprüng­lich hier nie vor­ka­men. Sie wer­den als Neo­zo­en be­zeich­net – das sind Tier­ar­ten, die seit der Ent­de­ckung Ame­ri­kas 1492 durch den Ein­fluss des Men­schen in ei­ne für sie neue Re­gi­on ge­langt sind. „Neo­zo­en wan­dern teil­wei­se ein, wer­den trans­por­tiert oder aus­ge­setzt“, heißt es da­zu aus dem Land­rats­amt Lud­wigs­burg. Tie­re kön­nen als „blin­de Pas­sa­gie­re“rei­sen oder aus der Ge­fan­gen­schaft aus­bü­xen. Der Be­griff „Neo­zo­en“kommt aus dem Grie­chi­schen und be­deu­tet et­wa „Neu-Tie­re“.

Sie kön­nen Schä­den ver­ur­sa­chen, in­dem sie Krank­hei­ten wie Ge­flü­gel­pest über­tra­gen weiß Bernd-Mar­tin Rich­ter, der die Jagd­pacht für Met­ter­zim­mern in­ne hat. Die ein­ge­schlepp­ten Tie­re kön­nen ein­hei­mi­sche Ar­ten ver­drän­gen. „Sie tre­ten mit hei­mi­schen Tie­ren in Nah­rungs­oder Re­vier­kon­kur­renz“, sagt Andre­as Fritz, Spre­cher des Land­rats­amts.

Jä­ger dür­fen schie­ßen

Des­halb un­ter­lie­gen die­se Wild­ar­ten dem Jagd- und Wild­tier­ma­nage­ment­ge­setz in Ba­den-Würt­tem­berg. Für Wasch­bär, Mar­der­hund, Ka­na­da­gans und Nil­gän­se ist ei­ne Jagd­zeit fest­ge­legt. Die Tie­re dür­fen wäh­rend der fest­ge­leg­ten Zeit von Jä­gern ge­jagt wer­den, da ihr Be­stand re­gu­liert wer­den muss zum Schutz an­de­rer Tier­ar­ten, heißt es aus der un­te­ren Jagd­be­hör­de im Land­rats­amt.

Mit der Fl­in­te ist man ge­gen ein an­de­res Neo­zoon macht­los: Die Var­roa­mil­be er­nährt sich vom Blut der Bie­nen. Der Pa­ra­sit gilt laut der Lang­zeit­stu­die „Deut­sches Bie­nen-Mo­ni­to­ring“als Haupt­grund für das Schwin­den vie­ler Bie­nen­völ­ker in den Win­ter­mo­na­ten. „Die Var­roa­mil­be ist ei­ne Pla­ge für Im­ker, aber mit der rich­ti­gen Be­hand­lung kann ich die An­zahl im Bie­nen­stock ge­ring hal­ten“, sagt der Bie­tig­hei­mer Im­ker Erich Schil­ling. Durch recht­zei­ti­ges Ein­grei­fen ret­tet er sei­ne Bie­nen­völ­ker. „En­de der Sieb­zi­ger Jah­re hat ein In­sti­tut Bie­nen­völ­ker aus der Re­gi­on Süd­ost­asi­en im­por­tiert und da­bei nicht auf die Mil­be ge­ach­tet“, sagt der Bie­tig­hei­mer. Schil­ling hat schon über 32 Jah­re Er­fah­rung als Im­ker, 1985 war er das ers­te mal von die­sem Schäd­ling be­trof­fen. „Mei­ne Auf­ga­be war schö­ner, als es die Var­roa­mil­be noch nicht gab.“

Wis­sen wei­ter­ge­ben

Schil­ling ist im Be­zirksim­ker­ver­ein Be­sig­heim ak­tiv. Der Ver­ein bie­tet jähr­lich Kur­se an, um neu­en Im­kern den Um­gang mit dem Be­fall bei­zu­brin­gen. „Aus­tausch und An­lei­tung ist wich­tig, um die 1,7 Mil­li­me­ter klei­ne Mil­be ef­fek­tiv zu be­kämp­fen.“Denn so klein der Pa­ra­sit ist, er ge­hört zu den be­son­ders ge­fähr­li­chen Neo­zo­en.

Fo­to: Mar­kus Sont­hei­mer

Der Wasch­bär mag noch so pos­sier­lich sein, er stammt aus Nord­ame­ri­ka und ist kein ein­hei­mi­sches Tier. Eben­so wie die­se Im­ker-Pla­ge: Die Var­roa­mil­be lebt als Pa­ra­sit an Bie­nen.

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