Trotz ho­her Nach­fra­ge ste­hen Woh­nun­gen leer

Wohn­raum Die Dia­ko­nie be­en­det ih­re Wohn­raum­ak­qui­se vor leer­ste­hen­den Häu­sern in In­gers­heim. Auch an­dern­orts gibt es Leer­stän­de. Von Gün­ther Jung­nickl und Ma­thi­as Schmid

Bietigheimer Zeitung - - VORDERSEITE -

In­gers­heim. Die Dia­ko­nie hat ih­re Wohn­raum­ak­qui­se am Don­ners­tag vor leer­ste­hen­den Häu­sern in In­gers­heim be­en­det. Auch an­dern­orts gibt es Leer­stän­de.

Es sind in der Ge­mein­de In­gers­heim ins­ge­samt vier Dop­pel­häu­ser, die ei­ne über 80-jäh­ri­ge Un­ter­neh­mer­wit­we mit klang­vol­lem Na­men in­zwi­schen ge­hor­tet hat. Da­ne­ben be­sitzt sie aber auch noch wei­te­re Im­mo­bi­li­en in Korn­west­heim, Bissingen und Lauf­fen – und auch die ste­hen al­le leer. Al­le die­se An­la­ge­ob­jek­te wer­den sorg­fäl­tig von ei­nem Haus­meis­ter be­treut und ge­war­tet. Orts­pfar­rer Micha­el Harr: „Der Volks­mund in In­gers­heim nennt sie in­zwi­schen Ge­spens­ter­häu­ser.“

Das Fo­rum Dia­ko­nie hat sich am Don­ners­tag­mit­tag ge­ra­de die­se Häu­ser an der Andre­as-Kie­ser-Stra­ße für ei­ne Pres­se­kon­fe­renz der be­son­de­ren Art aus­ge­sucht, weil der Vor­sit­zen­de De­kan Rei­ner Zey­her (Vai­hin­gen) in der Dis­kre­panz zwi­schen Wohn­raum­not und -be­sitz „ge­sell­schaft­li­chen Spreng­stoff“sieht.

Ein Jahr lang ha­be das Fo­rum ver­sucht, mit Wohn­raum­ak­qui­se in sei­nen Kir­chen­ge­mein­den et­was zur Ent­las­tung das Woh­nungs­markts bei­zu­tra­gen und da­für ei­ne 25-Pro­zent-Stel­le fi­nan­ziert. Kos­ten: Rund 20 000 Eu­ro. Al­le Ver­su­che der Pro­jekt­mit­ar­bei­te­rin Ute Frie­sen wa­ren je­doch von we­nig Er­folg ge­krönt. Schon gar nicht sei es ge­lun­gen, „be­zahl­ba­ren“Wohn­raum für In­klu­si­ons­grup­pen, wie bei­spiels­wei­se Ob­dach­lo­se oder psy­chisch Kran­ke zu ak­qui­rie­ren, wie der Lei­ter der Woh­nungs­lo­sen­hil­fe Lud­wigs­burg, Hein­rich Knodel, und An­ge­li­ka Tin­de vom Psy­chisch-So­zia­len Netz­werk be­rich­ten.

Trotz­dem wol­len De­kan Zey­er und sein Ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Stre­cker das The­ma nicht ad ac­ta le­gen. Ganz im Ge­gen­teil: Sie wol­len, dass Haus­be­sit­zer, die Po­li­tik und auch die Kir­chen­ge­mein­den sich dar­um wei­ter küm­mern – die Haus­be­sit­zer ganz im Sin­ne des Grund­ge­set­zes, das Ei­gen­tum zwar grund­sätz­lich schüt­ze, aber nur un­ter dem Vor­be­halt, dass es auch zu So­li­da­ri­tät ver­pflich­te. Von der Po­li­tik er­war­tet er, dass al­le ge­setz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen ge­trof­fen wer­den, dass vor al­lem in den Bal­lungs­ge­bie­ten end­lich wie­der so­zia­ler Woh­nungs­bau mög­lich ge­macht wird.

Die Kir­chen­ge­mein­den for­dert er auf, freie Grund­stü­cke zur Ver­fü­gung zu stel­len be­zie­hungs­wei­se nicht mehr ge­nutz­te Ge­bäu­de in Wohn­raum um­zu­nut­zen. Als po­si­ti­ves Bei­spiel nennt er ex­pli­zit die nicht mehr be­nö­tig­te Pfarr­woh­nung von Klei­nin­gers­heim, die in­zwi­schen an ei­ne fünf­köp­fi­ge Fa­mi­lie ver­mie­tet wur­de.

Was die Da­me mit den leer­ste­hen­den Dop­pel­haus­hälf­ten be­trifft, so hat der In­gers­hei­mer Ge­mein­de­rat be­reits auf An­trag von SPD und den Grü­nen im Fe­bru­ar dar­über dis­ku­tiert und so­gar ei­ne Zwangs­be­wirt­schaf­tung der Im­mo­bi­li­en ins Auge ge­fasst, wie sie in Stutt­gart, Kon­stanz, Tü­bin­gen und Frei­burg be­reits mög­lich ist. Be­schlos­sen wur­de al­ler­dings, das The­ma noch ein­mal zu ver­ta­gen. Pas­siert ist al­ler­dings dar­über hin­aus noch nichts.

Leer­stän­de in Sach­sen­heim

Der Wert von Woh­nun­gen als An­la­ge wur­de längst auch in Sach­sen­heim er­kannt. Im Neu­bau­ge­biet Süd I am Orts­ein­gang aus Bie­tig­heim kom­mend, wird das laut des Tech­ni­schen Bei­ge­ord­ne­ten der Stadt, Gun­ter Al­bert, be­son­ders deut­lich: „Es ist er­kenn­bar, dass dort Woh­nun­gen ge­kauft wur­den, die nicht be­zo­gen wur­den und er­kenn­bar leer­ste­hen.“Ein­schließ­lich der noch nicht ver­kauf­ten Woh­nun­gen er­gibt sich nach sei­ner Ein­schät­zung ei­ne Leer­stands­quo­te von 25 bis 30 Pro­zent. Es hand­le sich um Woh­nun­gen, teil­wei­se Mai­so­net­te-Woh­nun­gen, zwi­schen 60 und 120 Qua­drat­me­tern und um Kauf­wer­te von bis zu 400 000 Eu­ro.

Al­bert geht da­von aus, „dass sich die Leu­te hier be­wusst ein­kau­fen, dass sie Ka­pi­tal­wer­te ab­schrei­ben kön­nen“oder um deut­lich hö­he­re Ka­pi­tal­er­trä­ge zu er­zie­len als es bei Bank­ge­schäf­ten der­zeit mög­lich ist. Im Im­mo­bi­li­en­sek­tor er­gä­ben sich der­zeit Wert­stei­ge­run­gen von 15 bis 18 Pro­zent jähr­lich.

Fo­to: Mar­tin Kalb

In der Andre­as-Kie­ser-Stra­ße in In­gers­heim ste­hen Häu­ser leer, mo­niert De­kan Rei­ner Zey­her an­ge­sichts von gro­ßem Man­gel an be­zahl­ba­rem Wohn­raum in der Re­gi­on.

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