Klei­ner Hoff­nungs­schim­mer in Ro­hin­gya-Kri­se

Bietigheimer Zeitung - - Themen Des Tages / Politik - Tho­mas Ber­ger

Flücht­lin­ge Die La­ge der mus­li­mi­schen Min­der­heit in Myan­mar bleibt ex­trem an­ge­spannt. Ein teil­wei­ser Trup­pen­rück­zug und die Öff­nung des Ge­biets für Hel­fer sind aber po­si­ti­ve Zei­chen.

Mehr als 600 000 An­ge­hö­ri­ge der mus­li­mi­schen Min­der­heit Ro­hin­gya in Myan­mar sind seit Aus­bruch der Ge­walt­wel­le im Au­gust über die Gren­ze ins Nach­bar­land Ban­gla­desch ge­flo­hen. UN-Ver­tre­ter hat­ten das Vor­ge­hen der Ar­mee Myan­mars mit Mor­den an Zi­vi­lis­ten, Ver­ge­wal­ti­gun­gen und dem Nie­der­bren­nen gan­zer Dör­fer als „eth­ni­sche Säu­be­run­gen“be­zeich­net. Nun gab die Ar­mee be­kannt, dass sie ih­re Ver­bän­de im Di­strikt Maung­daw im Rak­hi­ne-Staat, bis­her Schwer­punkt von Ge­walt und Flucht, größ­ten­teils ab­ge­zo­gen ha­be. Die in­ter­na­tio­na­le Ge­mein­schaft so­wie zu­letzt US-Au­ßen­mi­nis­ter Til­ler­son hat­ten den Druck deut­lich er­höht hat. Re­pu­bli­ka­ner hat­ten von mög­li­chen neu­en Sank­tio­nen ge­spro­chen.

In den ers­ten Wo­chen der Kri­se hat­te der Wes­ten vor al­lem die po­li­ti­sche Füh­rung des Lan­des un­ter De-fac­to-Re­gie­rungs­che­fin Aung San Suu Kyi kri­ti­siert – ins­be­son­de­re, nach­dem die Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin in ei­ner Re­de zu­nächst das Vor­ge­hen der Ar­mee eher ver­tei­digt, so gut wie kein Wort zum Lei­den der Ro­hin­gya ver­lo­ren, die Min­der­heit in die­ser Form nicht ein­mal ex­pli­zit ge­nannt hat­te. In­zwi­schen ha­ben sich die Adres­sa­ten der Kri­tik ver­scho­ben: Ers­te Straf­maß­nah­men, die be­wusst noch nie­mand als neue Sank­tio­nen be­zeich­net, zie­len vor­nehm­lich auf die selbst nach dem En­de der Mi­li­tär­dik­ta­tur noch im­mer ein­fluss­rei­che Ar­mee­füh­rung. Suu Kyi, mut­maß­te die­ser Ta­ge der frü­he­re BBC-Re­dak­teur Lar­ry Ja­gan, sei extra nicht zur UN-Voll­ver­samm­lung nach New York ge­reist, um ei­ne Ver­hän­gung des Aus­nah­me­zu­stands in Rak­hi­ne, der der Ar­mee noch grö­ße­re Frei­räu­me gä­be, zu ver­hin­dern. Da­zu hät­te es in ih­rer Ab­we­sen­heit kom­men kön­nen, wenn der vom Mi­li­tär ge­stell­te ers­te Vi­ze­prä­si­dent My­int Swe das an­ge­ord­net hät­te.

Ers­ter zag­haf­ter Wie­der­auf­bau

Ge­ne­rell ma­chen Be­ob­ach­ter Be­mü­hun­gen Suu Ky­is aus, das Heft des Han­delns wie­der in zi­vi­le Hän­de zu­rück­zu­be­kom­men. In die­sem Sinn wird auch die Wie­der­auf­bau­initia­ti­ve ge­se­hen, die von ihr per­sön­lich ge­lei­tet wird. Um­ge­rech­net 13 Mil­lio­nen Dol­lar ha­ben Ge­schäfts­leu­te in­zwi­schen da­für ge­sam­melt. Mit pri­va­tem wie staat­li­chem Geld sol­len zer­stör­te Häu­ser wie­der­er­rich­tet, das re­gio­na­le Wirt­schafts­le­ben neu an­ge­kur­belt, zu­sätz­li­che Jobs ge­schaf­fen wer­den. Der Grenz­han­del, mel­de­ten Me­di­en, sei auch schon wie­der vor­sich­tig er­wacht. Noch lau­fe der Wa­ren­aus­tausch aber auf nied­rigs­tem Ni­veau.

Der­weil gab das Wel­ter­näh­rungs­pro­gramm der Ver­ein­ten Na­tio­nen be­kannt, dass die UN-Or­ga­ni­sa­ti­on die Nah­rungs­mit­tel­ver­sor­gung in Rak­hi­ne wie­der auf­neh­men kön­ne, nach­dem Myan­mar die Kri­sen­re­gi­on auch für in­ter­na­tio­na­le Hel­fer eben­so wie Jour­na­lis­ten und Di­plo­ma­ten zu­nächst ge­sperrt hat­te. An­sons­ten ist nur das Ro­te Kreuz ak­tiv. Ei­ne äu­ßerst schwie­ri­ge Mis­si­on, wie Pe­ter Mau­rer, der Chef des In­ter­na­tio­nen Ro­ten Kreu­zes, be­ton­te: „Wir sind, zwei Mo­na­te nach Be­ginn der Kri­se, noch im­mer im Not­hil­fe­mo­dus.“

Fo­to. afp

Kin­der der Ro­hin­gya in ei­nem Flücht­lings­la­ger in Ban­gla­desch.

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