Jü­di­sche Kul­tur­wo­chen we­cken die Lust am De­bat­tie­ren

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Hei­de­ma­rie A. Hech­tel

Mot­to der Ver­an­stal­tungs­rei­he wid­met sich Ein­heit in der Viel­falt – Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten aus­drück­lich er­laubt

STUTT­GART. Ken­nen Sie den? Mois­he Kohn ret­tet sich nach ei­nem Schiff­bruch auf ei­ne ein­sa­me In­sel. Als er nach Jah­ren ge­fun­den wird, stau­nen die Ret­ter: Kohn hat zwei Sy­nago­gen er­baut. War­um zwei, wol­len die Ret­ter wis­sen. „Ist doch klar“, ant­wor­tet Kohn: „In die ei­ne Sy­nago­ge ge­he ich. Und in die an­de­re ganz be­stimmt nicht.“

Nie­mand macht sich tref­fen­der über die ei­ge­nen Schwä­chen lus­tig als die Ju­den. Wie in die­sem Witz über die Viel­falt bei der Aus­le­gung und Aus­übung des Glau­bens. Das Ju­den­tum weist je­doch nicht nur in re­li­giö­sen Fra­gen vie­le Schat­tie­run­gen auf. Mach­loi­ kes, die Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, ge­hö­ren zu al­len Schat­tie­run­gen des jü­di­schen Le­bens. Die­ses brei­te Spek­trum ha­ben der ehe­ma­li­ge Lan­des­rab­bi­ner Jo­el Ber­ger und sei­ne Frau No­emi als Ku­ra­to­ren der Jü­di­schen Kul­tur­wo­chen in die­sem Jahr mit dem Mot­to „Ju­den­tum – Ein­heit in Viel­falt?“zum The­ma ge­macht. Und sind da­mit beim 14. Mal der Ver­an­stal­tungs­rei­he im Hier und Jetzt an­ge­kom­men. „Der Ti­tel ent­spricht der Si­tua­ti­on der jü­di­schen Ge­mein­den in Deutsch­land“, sagt Bar­ba­ra Traub, die Vor­stands­spre­che­rin der Is­rae­li­ti­schen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft Würt­tem­berg (IRGW). Spal­tun­gen der Ge­mein­den prä­gen vor al­lem die Si­tua­ti­on in Ber­lin, seit mit den Zu­ wan­de­rern aus der ehe­ma­li­gen So­wjet­uni­on die Viel­falt der Mei­nun­gen und Auf­fas­sun­gen noch ein­mal grö­ßer wur­de. Auch in Würt­tem­berg ist die Ge­mein­de auf 3000 Mit­glie­der an­ge­wach­sen, die zum Teil hier ge­bo­ren und mitt­ler­wei­le bes­tens in­te­griert sei­en.

Jü­di­sches Le­ben mit al­len Schat­tie­run­gen und kul­tu­rel­lem Reich­tum ken­nen­zu­ler­nen ist als Ein­la­dung an die nicht jü­di­schen Bür­ger Sinn der Kul­tur­wo­chen, die am 6. No­vem­ber im Stutt­gar­ter Rat­haus mit ei­nem Vor­trag des Stutt­gar­ter Ju­da­is­ten Karl E. Grö­zin­ger er­öff­net wer­den. Die Rich­tun­gen des Ju­den­tums und sei­ne Ent­wick­lung in Deutsch­land ist The­ma des Sym­po­si­ums am 16. No­vem­ber im Haus der Ge­schich­te un­ter an­de­rem mit Rab­bi­nern ver­schie­de­ner Aus­rich­tun­gen. Was es mit den Mach­loi­kes und der Lust am De­bat­tie­ren auf sich hat, be­leuch­tet Jo­el Ber­ger in sei­ner Ma­ti­nee am 19. No­vem­ber. Und nicht oh­ne Mach­loi­kes wird es auch ab­ge­hen, wenn Ber­ger am 13. No­vem­ber mit der Rab­bi­ne­rin Eli­sa Kla­pheck de­bat­tiert.

Das Pro­gramm der Jü­di­schen Kul­tur­wo­chen (6. bis 21. No­vem­ber) liegt bei der IRGW (Firn­ha­ber­stra­ße 9), im i­Punkt und im Treff­punkt Rote­bühl­platz aus. Kar­ten kön­nen un­ter 07 11 / 5 05 40 61 be­stellt wer­den. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen gibt es un­ter www.irgw.de/kul­tur­wo­chen.

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