Traum­haf­te Ren­di­ten ver­spro­chen

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Ge­or­ge Stav­ra­kis

Vier­fa­che Mut­ter zieht meh­re­re Geld­an­le­ger über den Tisch

STUTT­GART. Rund 400 000 Eu­ro Scha­den soll ei­ne 43 Jah­re al­te Frau mit be­trü­ge­ri­schen Geld­an­la­ge­ver­spre­chen ver­ur­sacht ha­ben. Das ist we­der für das Land­ge­richt Stutt­gart noch für die 20. Straf­kam­mer ei­ne wirk­lich gro­ße Num­mer. Doch die An­ge­klag­te, ei­ne vor­be­straf­te vier­fa­che Mut­ter aus Bay­ern, ruft im Lau­fe des ers­ten Pro­zess­tags plötz­lich schwin­del­er­re­gen­de Sum­men auf – und sie be­rich­tet von ei­nem mys­te­riö­sen Prin­zen aus West­afri­ka.

„Ich war von mei­ner Ge­schäfts­idee über­zeugt“, sagt die An­ge­klag­te, die ei­gent­lich gar nichts sa­gen woll­te. Sie ha­be die Gel­der von ih­ren Kun­den ein­ge­sam­melt, um an Ka­pi­tal für ein Ge­schäft zu kom­men, das sich an­hört wie ei­ne Ge­schich­te aus dem Hoch­fi­nanz­Mär­chen­land.

Staats­an­walt Ei­ke Fe­se­feldt hält sich ganz nüch­tern an das, was sei­ne Be­hör­de zu­sam­men­ge­tra­gen hat. Er wirft der An­ge­klag­ten viel­fa­chen Be­trug und Ver­stö­ße ge­gen das Kre­dit­we­sen­ge­setz vor. Sie ha­be in den Jah­ren 2015 und 2016 mit­tels ei­nes Fir­men­kon­strukts An­le­ger um ihr Geld ge­bracht. Die Frau und ih­re Ver­mitt­ler hät­ten den Kun­den An­la­gen mit den Na­men Geld­an­la­ge Kurz­pro­gramm oder Kurz­pro­gramm Dia­mant avi­siert, man be­kom­me sei­ne In­ves­ti­ti­on kom­plett zu­rück plus bis zu 500 Pro­zent Ren­di­te, legt der Staats­an­walt der An­ge­klag­ten zur Last. An­le­gen konn­te man sein Geld bei dem Mo­dell für we­ni­ge Wo­chen oder für ein Jahr.

Laut An­kla­ge hat die Frau, die sonst kein Ein­kom­men ge­habt ha­be, al­les Geld pri­vat ein­ge­stri­chen – rund 20 000 Eu­ro. Für ih­re mut­maß­lich be­trü­ge­ri­schen Ge­schäf­te stell­te sie meh­re­re Mit­ar­bei­ter ein: ei­nen Per­so­nal­chef, Sa­les­ma­na­ger, Bü­ro­kräf­te, As­sis­ten­ten der Ge­schäfts­lei­tung, ei­nen Di­rec­tor of Fa­ci­li­ty Ma­nage­ment und ei­nen Bo­dy­guard. Ge­häl­ter wur­den al­ler­dings nicht be­ zahlt. Scha­den: mehr als ei­ne Vier­tel­mil­li­on Eu­ro.

Dann soll die vier­fa­che Mut­ter im Stutt­gar­ter Nor­den ei­ne teu­re Woh­nung als Fir­men­sitz an­ge­mie­tet ha­ben. Die Mie­te und die Mak­ler­cour­ta­ge von meh­re­ren Tau­send Eu­ro blieb sie schul­dig. Rich­ter Jo­han­nes Frid­rich ver­liest ei­ne frü­he­re Aus­sa­ge der 43­Jäh­ri­gen, weil die Frau vor Ge­richt ei­gent­lich nichts sa­gen will. „Man glaubt mir ja oh­ne­hin nicht“, sagt die von Ver­tei­di­ger Mar­kus Schwab ver­tre­te­ne An­ge­klag­te. Da­rin schil­dert sie, wie sie in Kon­takt mit ei­nem Prin­zen aus dem west­afri­ka­ni­schen Be­nin ge­kom­men sei. Die­ser Prinz ha­be über die An­ge­klag­te 1,25 Mil­li­ar­den US­Dol­lar in Eu­ro­pa in­ves­tie­ren wol­len – au­ßer in Frank­reich. Da­für ha­be sie die Gel­der ih­rer An­le­ger ge­braucht – als An­schub­fi­nan­zie­rung.

Die an­ge­klag­te vier­fa­che Mut­ter er­zählt von meh­re­ren Flü­gen ins west­afri­ka­ni­sche Be­nin, von gu­ten Ge­sprä­chen mit dem von der Po­li­zei und vom Mi­li­tär in sei­nem Traum­haus be­wach­ten Prinz Sa­lo­mon, von 25 Mil­lio­nen Eu­ro Ge­schäfts­vo­lu­men, dann von den Mil­li­ar­den, schließ­lich von 500 Mil­lio­nen Dol­lar, die ihr vom Prinz zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den soll­ten. Aus dem Ge­schäft wur­de nichts, ih­re An­le­ger wa­ren ihr Geld los. Als sie dies be­merkt ha­be, ha­be sie „die Reiß­lei­ne ge­zo­gen“, sag­te die 43­Jäh­ri­ge vor Ge­richt.

Der Be­trugs­pro­zess ge­gen die 43­Jäh­ri­ge wird am 16. No­vem­ber fort­ge­setzt. In dem Ver­fah­ren sol­len noch fünf wei­te­re Ver­hand­lungs­ter­mi­ne bis Mitt­woch, 20. De­zem­ber, fol­gen.

„Ich war von mei­ner Ge­schäfts­idee über­zeugt.“43-jäh­ri­ge An­ge­klag­te im Be­trugs­pro­zess vor dem Stutt­gar­ter Land­ge­richt

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