Mehr Strom mit we­ni­ger Wind

Bietigheimer Zeitung - - Südwestumschau -

Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en Der hö­he­re Nut­zungs­grad macht’s mög­lich: Wind­kraft­an­la­gen in Ba­den-Würt­tem­berg kön­nen dank mo­der­ner Tech­nik end­lich mit de­nen im Nor­den mit­hal­ten. Von Jens Schmitz Stand­or­te im Süd­wes­ten ha­ben ei­nen kla­ren Nach­teil im Bie­ter­ver­fah­ren.

Neue Tech­nik macht Wind­kraft aus Ba­den-Würt­tem­berg zu­neh­mend kon­kur­renz­fä­hig – wenn man von den Bau­kos­ten ab­sieht. Das geht aus den Ant­wor­ten auf ei­ne Land­tags­an­fra­ge der Grü­nen her­vor. Nut­zungs­grad und Er­trä­ge sind dem­nach in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stark ge­stie­gen. Das Um­welt­mi­nis­te­ri­um be­klagt aber ei­ne Be­nach­tei­li­gung durch den Bund.

Ent­ge­gen land­läu­fi­ger Kri­tik sei Ba­den-Würt­tem­berg „sehr wohl ,ein Wind­land‘“, schreibt Um­welt-Staats­se­kre­tär And­re Bau­mann (Grü­ne) auf die An­fra­ge sei­ner Par­tei­freun­din Jut­ta Nie­mann. Durch den Ein­satz mo­der­ner, fürs Bin­nen­land op­ti­mier­ter Schwach­wind­an­la­gen seit 2013 sei­en Jah­res­er­trä­ge und Voll­last­stun­den in­zwi­schen mit den­je­ni­gen an­de­rer, auch nörd­li­cher Bun­des­län­der ver­gleich­bar.

Das Mi­nis­te­ri­um von Franz Un­ter­stel­ler (Grü­ne) un­ter­füt­tert sei­ne Darstel­lung mit Zah­len der Lan­des­an­stalt für Um­welt (LUBW), des Zen­trums für Son­nen­en­er­gie­und Was­ser­stoff-For­schung (ZSW) und des Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­en-Be­richts 2017.

En­de Ju­ni 2018 wa­ren im Süd­wes­ten 711 Wind­ener­gie­an­la­gen in Be­trieb. Seit 2013 sind Na­ben­hö­hen und Ro­tor­durch­mes­ser neu­er Pro­jek­te deut­lich ge­stie­gen. 2016 la­gen An­la­gen, die 2012 in Be­trieb ge­gan­gen wa­ren, im Ver­gleich al­ler Bun­des­län­der (oh­ne Stadt­staa­ten) bei den mitt­le­ren Jah­res­er­trä­gen mit 3,45 Gi­ga­watt­stun­den (GWh) auf dem letz­ten Platz. An­la­gen, die 2015 ans Netz ge­gan­gen wa­ren, er­wirt­schaf­te­ten im glei­chen Zei­t­raum da­ge­gen mit 5,13 GWh mehr Durch­schnitts­leis­tung als sol­che in Bay­ern, Thüringen und Sach­sen-An­halt. Sie er­ziel­ten ei­nen ähn­li­chen Mit­tel­wert wie die­je­ni- gen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

Im De­tail schwan­ken die Zah­len. Ins­ge­samt kommt das Um­welt­mi­nis­te­ri­um je­doch zur Er­kennt­nis, dass „auch in Ba­den-Würt­tem­berg die mo­der­nen Wind­ener­gie­an­la­gen ähn­lich aus­ge­las­tet sind und ähn­li­che Er­trä­ge er­wirt­schaf­ten wie in an­de­ren Tei­len Deutsch­lands“.

And­re Bau­mann

Nach ei­ner län­ge­ren Pha­se der Sta­gna­ti­on ha­ben letz­te­re sich im Süd­wes­ten zwi­schen An­fang 2015 und En­de 2017 fast ver­drei­facht: von 679 auf 2010 Gi­ga­watt­stun­den (GWh).

Um­so mehr stö­ren sich Un­ter­stel­ler und sein Mi­nis­te­ri­um dar­an, dass die Zahl der In­be­trieb­nah­men 2018 ei­nen her­ben Ein­bruch er­litt. Wäh­rend 2016 und 2017 je­weils rund 120 An­la­gen neu ans Netz gin­gen, wa­ren es im ers­ten Halb­jahr 2018 nur 27. Neu ge­neh­migt wur­de 2017 noch ein Pro- jekt. Die Lan­des­re­gie­rung führt das auf Än­de­run­gen des Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­en-Ge­set­zes im Bund zu­rück.

Seit 2017 wer­den Sub­ven­tio­nen für die Wind­strom-Er­zeu­gung bun­des­weit im Auk­ti­ons­ver­fah­ren ver­ge­ben. Bil­lig schlägt teu­er. Da gu­te Stand­or­te im süd­deut­schen Berg­land meist teu­rer zu er­schlie­ßen sind als im nord­deut­schen Tief­land, ha­ben In­ves­to­ren in Ba­den-Würt­tem­berg oft schlech­te Aus­gangs­be­din­gun­gen.

Mi­nis­ter Un­ter­stel­ler möch­te er­rei­chen, dass die ge­plan­te EEG-No­vel­le ei­ne Re­gio­na­li­sie­rungs­quo­te ent­hält, die dem Sü­den An­tei­le am Wind­kraft­aus­bau ga­ran­tie­ren wür­de. In sei­ner Ant­wort auf die Land­tags­an­fra­ge er­wähnt das Mi­nis­te­ri­um noch ein zwei­tes Ziel: In der EEG-No­vel­le sol­len Pro­jek­te mit schlech­te­rem durch­schnitt­li­chem Wind­auf­kom­men stär­ker ge­för­dert wer­den. Bis­her gibt es für Stand­or­te mit we­ni­ger Er­trag bei glei­chem Ge­bots­wert schon ei­ne hö­he­re Ver­gü­tung. Der Kor­rek­tur­fak­tor ist aber an ei­nen Re­fe­ren­z­er­trag ge­kop­pelt, un­ter­halb von 70 Pro­zent die­ses Werts steigt die Ver­gü­tung nicht wei­ter.

„Da es in Ba­den-Würt­tem­berg auch sinn­voll und not­wen­dig ist, Stand­or­te mit we­ni­ger als 70 Pro­zent des Re­fe­ren­z­er­trags zu er­schlie­ßen, ha­ben die­se Stand­or­te im Bie­ter­ver­fah­ren ei­nen kla­ren Nach­teil“, schreibt Staats­se­kre­tär Bau­mann. Ne­ben dem Aus­bau der Über­tra­gungs­net­ze aus dem Nor­den ist die Ver­sor­gungs­sta­bi­li­tät süd­lich der Main-Li­nie auf ei­nen über­pro­por­tio­nal ho­hen Aus­bau er­neu­er­ba­rer Ener­gi­en an­ge­wie­sen. Die Lan­des­re­gie­rung will des­halb für den Sü­den auch ei­ne Er­hö­hung des Kor­rek­tur­fak­tors für Stand­or­te durch­set­zen, die we­ni­ger als 70 Pro­zent des Re­fe­ren­z­er­tra­ges er­rei­chen.

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