Ei­sen­mann und Föll wis­sen ge­nau, was sie tun

Bietigheimer Zeitung - - Stuttgart - Von Jo­sef Schun­der

Die Mi­nis­te­rin und ih­ren neu­en Amts­chef ver­bin­det sehr viel

STUTT­GART. Im Kul­tus­mi­nis­te­ri­um wer­den im März zwei Christ­de­mo­kra­ten zu­sam­men­ar­bei­ten, die seit gut 30 Jah­ren po­li­ti­sche Weg­ge­fähr­ten sind. War­um tun sie sich zu­sam­men? Was ha­ben sie noch vor? Es gibt di­ver­se Theo­ri­en.

Un­ter Su­san­ne Ei­sen­mann zu ar­bei­ten, das ist schon fast ei­ne Bin­sen­weis­heit, ge­hört zu den grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen im Le­ben. Und Micha­el Föll hat im Rat­haus mit häu­fi­gen Ve­tos ge­gen Be­schluss­vor­la­gen, mit Macht­be­wusst­sein und mit De­tail­kennt­nis­sen so man­chen Bür­ger­meis­ter­kol­le­gen und Amts­lei­ter fast zur Ver­zweif­lung ge­bracht. Von März an wol­len die bei­den nun ge­mein­sam auf ei­nem Feld agie­ren: als Kul­tus­mi­nis­te­rin so­wie als Amts­ und Ver­wal­tungs­chef im Mi­nis­te­ri­um. Die Über­ra­schung dar­über, dass Föll zum Land wech­selt und nicht in die freie Wirtschaft, war groß. Da­bei ging ein we­nig un­ter, dass Ei­sen­mann und Föll nicht nur durch ein paar ge­mein­sa­me Jah­re als Bür­ger­meis­ter der Lan­des­haupt­stadt ver­bun­den sind.

Was hier auf po­li­ti­schem Feld pas­siert, ist so ähn­lich, wie wenn sich im Pri­vat­le­ben nach vie­len ge­mein­sa­men Jah­ren zwei Men­schen das Ja­wort ge­ben. „Wir wis­sen, wor­auf wir uns ge­gen­sei­tig ein­las­sen“, sag­te Föll denn auch un­se­rer Zei­tung, „da könn­te man si­cher nicht in ein paar Mo­na­ten sa­gen, dass man sich das an­ders vor­ge­stellt ha­be.“

Wann sie sich ken­nen­lern­ten, wis­se er ehr­lich ge­sagt gar nicht mehr, sagt Föll. Es müs­se wohl Mit­te oder En­de der 1980er Jah­re ge­we­sen sein. Sie ge­hör­ten der Jun­gen Uni­on an. Föll zog 1989 in den Ge­mein­de­rat ein, Ei­sen­mann in der fol­gen­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode: 1994. Als Föll 2003 den Frak­ti­ons­vor­sitz bei der CDU ab­gab, um Bür­ger­meis­ter für Wirtschaft, Fi­nan­zen und Be­tei­li­gun­gen zu wer­den, über­nahm Ei­sen­mann die Füh­rung der Frak­ti­on. Schon 2005 zog sie ins Bü­ro der Kul­tur­, Schu­lund Sport­bür­ger­meis­te­rin um. Und fort­an wirk­ten die bei­den ge­mein­sam im Bür­ger­meis­ter­amt, bis Ei­sen­mann, einst Bü­ro­lei­te­rin des da­ma­li­gen Frak­ti­ons­chefs und Re­gie­rungs­chefs Gün­ther Oet­tin­ger, in die grün­schwar­ze Lan­des­re­gie­rung be­ru­fen wur­de.

Ihr jet­zi­ger Schach­zug, Föll auf die Groß­bau­stel­le Kul­tus­mi­nis­te­ri­um nach­zu­ho­len, gilt nicht we­ni­gen als bril­lan­ter Coup, denn in dem Haus mit ei­nem Zwölf­Mil­li­ar­den­Eu­ro­Bud­get und 3000 Mit­ar­bei­tern kann sie den er­fah­re­nen, durch­set­zungs­fä­hi­gen, klar struk­tu­rier­ten Föll bes­tens ge­brau­chen. Vie­le glau­ben, die bei­den hät­ten noch mehr im Sinn: Ei­sen­mann den Job der Mi­nis­ter­prä­si­den­tin – und Föll?

Dar­über kur­sie­ren di­ver­se Theo­ri­en. Die viel­leicht po­pu­lärs­te ist, er wol­le un­ter ei­ner Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ei­sen­mann die Lei­tung im Staats­mi­nis­te­ri­um über­neh­men – wie der frü­he­re Grü­nen­Bür­ger­meis­ter Klaus­Pe­ter Mu­raw­ski un­ter Win­fried Kret­sch­mann.

Föll wol­le „den Mu­raw­ski ma­chen“oder ir­gend­wann Fi­nanz­mi­nis­ter wer­den, glau­ben auch CDUS­tadt­rä­te. Föll selbst wehrt ab. Ers­ tens: „Ein Mu­raw­ski ist ein­zig­ar­tig. Ein Äqui­va­lent wird es in der Re­gie­rung nie mehr ge­ben.“Zwei­tens: „Ich ha­be mich mit Su­san­ne Ei­sen­mann nur über den Pos­ten des Amts­chefs un­ter­hal­ten.“Den wol­le er, weil er „Lust auf et­was Neu­es“ha­be.

Den­noch kommt oft Theo­rie Num­mer zwei ins Spiel: Weil Ei­sen­mann nicht mehr die OB­Kan­di­da­tur an­stre­be, wer­de Föll in Stel­lung ge­bracht. Der Job im Mi­nis­te­ri­um schaf­fe Dis­tanz zur Stadt­ver­wal­tung. Da­durch kön­ne Föll 2020 bei der OBWahl an­tre­ten. Blie­be er im Rat­haus, wür­de sich die Kan­di­da­tur nach den üb­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten ver­bie­ten, falls der Amts­in­ha­ber sich wie­der be­wer­be. In Ab­wand­lung da­von ist auch ei­ne drit­te Theo­rie zu hö­ren: dass Föll sich ei­ne „Ab­kühl­pha­se“ver­ord­net, da­mit er spä­ter an die Spit­ze ei­nes Un­ter­neh­mens rü­cken kön­ne, an dem die Stadt be­tei­ligt ist.

Ge­gen die Theo­rie mit der OBKan­di­da­tur spricht, dass Föll mehr­fach, auch ge­gen­über un­se­rer Zei­tung, be­teu­er­te, das OB­Amt rei­ze ihn nicht; er stre­be es nicht an. Ei­nen Wech­sel vom Fi­nanz­re­fe­rat zu ei­nem der Be­tei­li­gungs­un­ter­neh­men, für die er bis­her auch zu­stän­dig war, schloss er eben­falls aus. Da­bei ging es al­ler­dings um ei­nen di­rek­ten Wech­sel, kei­nen auf Um­we­gen.

Auf die Fra­ge, ob er doch noch für den OB­Ses­sel kan­di­die­re, sorg­te Föll am Frei­tag­abend für Klar­heit: an den OB­Spe­ku­la­tio­nen sei „de­fi­ni­tiv nichts dran“. Er wer­de das Rat­haus nach dem Wech­sel nur noch als Gast be­tre­ten – „wenn ich ein­ge­la­den wer­de“.

Bis­her sag­te Föll im­mer, er stre­be kei­nes­wegs das OB-Amt an

Micha­el Föll und Su­san­ne Ei­sen­mann als Ge­mein­de­rats-Spit­zen­kan­di­da­ten 1999 – ei­nen Plan für die Zu­kunft hat­ten sie da längst.Fo­to: Fac­tum/Wei­se

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