Be­lei­di­gung kommt teu­er zu ste­hen

Bietigheimer Zeitung - - Kreis Ludwigsburg -

Ge­richt Weil ein 46-jäh­ri­ger Lud­wigs­bur­ger sei­ne Geld­stra­fe von 400 Eu­ro nicht zahl­te, muss er nun viel mehr be­rap­pen.

Ein 46-jäh­ri­ger Lud­wigs­bur­ger war am 15. No­vem­ber 2017 mit sei­nem Fahr­zeug auf der Schwie­ber­din­ger Stra­ße in Lud­wigs­burg un­ter­wegs und bog ge­ra­de in die Ein­fahrt ei­ner Tank­stel­le ein, als ihn nach sei­ner Darstel­lung ei­ne an­de­re Au­to­fah­re­rin dar­auf auf­merk­sam mach­te, er hät­te wäh­rend der Fahrt mit sei­nem Han­dy te­le­fo­niert.

Es ent­wi­ckel­te sich in der Dis­kus­si­on ein Streit zwi­schen ihm und der Frau, der laut den Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft mit bö­sen Be­schimp­fun­gen des An­ge­klag­ten ge­gen die Frau en­de­te. Sei­ne Be­teue­run­gen: Er ha­be gar nicht mit sei­nem Han­dy am Steu­er te­le­fo­niert und er ha­be die Frau nur be­lei­digt, weil sie ihn zu­vor eben­falls be­lei­dig­te, in­dem sie ihn auf­for­der­te, er sol­le erst ein­mal Deutsch ler­nen. Da­mit ha­be sie ihn in sei­ner Eh­re als ge­bür­ti­gen Tür­ke, aber mit deut­schem Pass, schwer ge­trof­fen. Den­noch setz­te es vom Lud­wigs­bur­ger Amts­ge­richt in der ers­ten In­stanz ei­ne 600 Eu­ro Geld­bu­ße. Spä­ter wur­de die Auf­la­ge auf 400 Eu­ro her­ab­ge­setzt, nach­dem der An­ge­klag­te Geld­man­gel vor­ge­bracht hat­te.

In Be­ru­fung ge­gan­gen

Die Stra­fe be­zahl­te er je­doch nicht. Das Amts­ge­richt ord­ne­te da­her we­gen Ver­sto­ßes ge­gen die Auf­la­gen ei­nen wei­te­ren Ver­hand­lungs­ter­min an – und ver­don­ner­te ihn jetzt zu 1000 Eu­ro Geld­stra­fe, wo­ge­gen der Mann in Be­ru­fung ging, und sich nun­mehr die Be­ru­fungs­kam­mer des Stutt­gar­ter Land­ge­richts da­mit be­fass­te. Er­neut ver­tei­digt sich der Aka­de­mi­ker jetzt vor der 33. Straf­kam­mer am Stutt­gar­ter Land­ge­richts da­mit, dass er nur das Wort „Schlam­pe“be­nutzt ha­be, sonst nichts. Auch ge­droht ha­be er nicht. Die Frau ha­be ihn in ag­gres­si­ver Art und Wei­se be­schul­digt, er hät­te beim Fah­ren das Han­dy be­nutzt. „Ei­ne Art Hilfs­po­li­zis­tin et­wa“, so sei­ne Aus­sa­ge.

Doch auch der Be­griff „Schlam­pe“ist ei­ne Be­lei­di­gung, muss er sich be­leh­ren las­sen. Die rich­ter­li­che Fra­ge, war­um er die Geld­bu­ße denn nicht be­zahlt ha­be, be­ant­wor­tet er mit dem Hin­weis auf sei­ne Geld­not. Da­bei er­fährt das Ge­richt, dass er in ei­nem fast be­zahl­ten Rei­hen­haus wohnt, Ten­nis spielt und 3400 Eu­ro net­to im Mo­nat ver­dient.

Schließ­lich gibt der 46-Jäh­ri­ge klein bei, und er­wähnt, er wer­de die jetzt noch rest­li­chen 200 Eu­ro, die ihm die Be­ru­fungs­rich­ter als Auf­la­ge für die neu­er­li­che Ver­fah­rens­ein­stel­lung auf­brumm­ten, nach dem Ver­kauf sei­ner Ten­nis­ball-Ma­schi­ne be­zah­len. Wenn das nicht rei­che, dann will er auch sei­ne Ten­nis­schlä­ger ver­kau­fen. Bis En­de Ja­nu­ar 2019 müs­se die Geld­bu­ße beim Kin­der­hos­piz Lö­wen­herz ein­ge­gan­gen sein, sagt ihm die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.