Stadt will sich ge­gen Un­wet­ter rüs­ten

Bietigheimer Zeitung - - Bietigheim-bissingen -

Stark­re­gen Der Ge­mein­de­rat soll am Di­ens­tag über ein „Ri­si­ko­ma­nage­ment“ge­mein­sam mit Tamm be­schlie­ßen. Es wird ei­ne För­de­rung durch das Land er­war­tet. Von Uwe Mol­len­kopf

Bie­tig­heim-Bis­sin­gen am 4. Ju­li die­ses Jah­res: Bis weit nach 22 Uhr sind die Ak­ti­ven der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr im Ein­satz, nach­dem ge­gen 16.30 Uhr ge­wal­ti­ge Re­gen­und Ha­gel­schau­er auf die Stadt nie­der­ge­pras­selt sind. Es gibt mehr als 50 Ein­satz­stel­len. In der Un­ter­füh­rung am Bie­tig­hei­mer Bahn­hof sind Au­tos von den Was­ser­mas­sen ein­ge­schlos­sen, der Grotz-Tun­nel in Bis­sin­gen muss zeit­wei­se ge­sperrt wer­den. Durch ei­nen um­ge­stürz­ten Baum auf den Glei­sen zwi­schen Bie­tig­heim und Tamm ist der Zug­ver­kehr für rund ei­ne hal­be St­un­de un­ter­bro­chen. Kann man sich auf sol­che Na­tur­ka­ta­stro­phen bes­ser vor­be­rei­ten? Die Stadt­ver­wal­tung meint ja und schlägt dem Ge­mein­de­rat, der am Di­ens­tag tagt, die Ein­füh­rung ei­nes in­ter­kom­mu­na­len „Stark­re­gen-Ri­si­ko­ma­nage­ments“ge­mein­sam mit der Ge­mein­de Tamm vor.

Die Ver­wal­tung re­agie­re da­mit auch auf An­trä­ge aus dem Ge­mein­de­rat (Freie Wäh­ler im Jahr 2012, CDU 2017), die un­ter dem Ein­druck star­ker lo­ka­ler Re­gen­fäl­le zur Er­stel­lung ei­ner Stark­re­gen­ge­fah­ren­kar­te be­zie­hungs­wei­se zur Er­stel­lung ei­nes Maß­nah­men­kon­zepts ge­stellt wur­den, heißt es in der Vor­la­ge an die Stadt­rä­te. Un­ter „Stark­re­ge­ner­eig­nis­sen“ver­steht man lo­kal be­grenz­te Un­wet­ter mit ei­ner gro­ßen Nie­der­schlags­men­ge und In­ten­si­tät (ab 5 Li­ter in 5 Mi­nu­ten oder 10 Li­ter in 10 Mi­nu­ten pro Qua­drat­me­ter). In­fol­ge des Kli­ma­wan­dels sei mit ei­ner Zu­nah­me sol­cher lo­ka­ler Stark­re­gen zu rech­nen, so die Ver­wal­tung.

Das ist in­so­fern pro­ble­ma­tisch, als sol­che Ge­wit­ter schwer vor­her­sag­bar sind, wor­aus sich kur­ze Vor­warn­zei­ten er­ge­ben. „Durch die ho­he Nie­der­schlags­in­ten­si­tät fließt ein gro­ßer Teil ober­ir­disch ab auf We­gen, Stra­ßen und Ge­län­de­ein­schnit­ten mit ent­spre­chen­den Ge­fah­ren für Ge­bäu­de, Fahr­zeu­ge und im Ex­trem­fall auch für Men­schen“, be­rich­tet die Ver­wal­tung. Das Stark­re­gen-Ri­si­ko­ma­nage­ment sol­le die­se Ge­fah­ren auf­zei­gen, die Bür­ger für die Ei­gen­vor­sor­ge sen­si­bi­li­sie­ren und Vor­schlä­ge zur Ri­si­ko­re­du­zie­rung ma­chen.

Un­ter­stüt­zung kommt vom Land Ba­den-Würt­tem­berg, das En­de letz­ten Jah­res ei­nen ak­tu­el­len Leit­fa­den zu die­sem The­ma her­aus­ge­ge­ben hat. Dar­über hin­aus wur­de durch die Lan­des­an­stalt für Um­welt Ba­den-Würt­tem­berg zur Qua­li­fi­zie­rung der Fach­bü­ros für die­ses neue und kom­ple­xe Auf­ga­ben­ge­biet ein stan­dar­di­sier­tes Re­fe­renz­ver­fah­ren ent­wi­ckelt. Ober­flä­chen­ab­fluss­kenn­wer­te so­wie die je­wei­li­gen Ein­zugs­ge­bie­te und hy­drau­li­schen Ge­ge­ben­hei­ten sei­en lan­des­weit di­gi­tal er­mit­telt und den Kom­mu­nen zur Ver­fü­gung ge­stellt wor­den, heißt es in der Ge­mein­de­rats­vor­la­ge.

Kri­ti­sche Ob­jek­te be­nen­nen

Das Stark­re­gen-Ri­si­ko­ma­nage­ment teilt sich in drei Pha­sen auf. Zu­nächst wer­den, ba­sie­rend auf der Da­ten­grund­la­ge, si­mu­la­ti­ons­ge­stütz­te Ge­fähr­dungs­ana­ly­sen für Stark­re­gen­sze­na­ri­en un­ter­schied­li­cher In­ten­si­tät durch­ge­führt und Stark­re­gen­ge­fah­ren­kar­ten er­stellt. An­schlie­ßend wird ei­ne Ri­si­ko­ana­ly­se ge­macht, bei der die Stark­re­gen­kar­ten aus­ge­wer­tet und be­son­ders ri­si­ko­be­haf­te­te Ob­jek­te, In­fra­struk­tur­ein­rich­tun­gen und Ge­bie­te iden­ti­fi­ziert wer­den. Das mög­li­che Scha­den­s­po­ten­zi­al wird da­bei ab­ge­schätzt. Für be­son­ders kri­ti­sche Ob­jek­te wer­den so­ge­nann­te „Ri­si­ko­steck­brie­fe“er­stellt.

Das Gan­ze soll dann zu ei­nem Hand­lungs­kon­zept füh­ren, in wel­chem un­ter an­de­rem dar­ge­legt ist, wie durch In­for­ma­tio­nen vor­ge­sorgt wer­den kann, wie das Kri­sen­ma­nage­ment auf­ge­baut ist und was an kom­mu­na­len bau­li­chen Maß­nah­men nö­tig ist. Auf­grund der sich über­schnei­den­den hy­drau­li­schen Ein­zugs­be­rei­che der Mar­kun­gen von Bie­tig­heim-Bis­sin­gen und Tamm soll das Pro­jekt in­ter­kom­mu­nal an­ge­gan­gen wer­den.

Laut Vor­la­ge wur­den vier Bü­ros um ein An­ge­bot ge­be­ten. Das güns­tigs­te An­ge­bot wur­de mit 89 500 Eu­ro vom In­ge­nieur­bü­ro Wink­ler und Part­ner aus Stutt­gart ab­ge­ge­ben. Der Be­trag re­du­zie­re sich für Bie­tig­heim-Bis­sin­gen durch die in­ter­kom­mu­na­le Be­auf­tra­gung auf rund 61 000 Eu­ro, so die Stadt. Den Rest­be­trag trägt die Ge­mein­de Tamm. Zu­dem gilt das Vor­ha­ben zu 70 Pro­zent als för­der­fä­hig. Das heißt, den Lö­wen­an­teil wür­de das Land über­neh­men. Die Ver­wal­tung schlägt da­her vor, das In­ge­nieur­bü­ro erst nach Vor­lie­gen ei­nes För­der­be­scheids zu be­auf­tra­gen.

Fo­to: Hel­mut Pang­erl

Was­ser auf der Stra­ße nach ei­nem Un­wet­ter am 6. Ju­li 2012 beim Bie­tig­hei­mer Kauf­land. Die Stadt will sich auf sol­che Er­eig­nis­se bes­ser vor­be­rei­ten und da­zu ein Kon­zept er­ar­bei­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.