DIE GLORREICHEN SIE­BEN

Bö­se Zun­gen be­haup­ten ja, al­le Wes­tern er­zäh­len die glei­che Ge­schich­te. An­toi­ne Fu­quas Re­make des 60er-Jah­re-Kult­films „Die Glorreichen Sie­ben“muss sich die­sen Vor­wurf zwar auch ge­fal­len las­sen, über­zeugt aber als herr­lich alt­mo­di­scher Strei­fen mit sie­ben

Blu-ray Magazin - - Film - PHIL­IPP WOLF­RAM

OT: The Ma­gni­fi­cent Se­ven L: US J: 2016 V: So­ny Pic­tu­res Ho­me B: MPEG-4, 2.39 : 1 T: DTS-HD MA 5.1 (deutsch), DTS-HD MA 7.1 (eng­lisch) R: An­toi­ne Fu­qua D: Den­zel Wa­shing­ton, Chris Pratt LZ: 132 min FSK: 16 P: 18 Eu­ro W-Co­ver: k. A. VÖ: 26.01.17

U×2 Ex­tras: 7/10

m den Ele­fan­ten im Raum gleich ein­mal an­zu­spre­chen: Nein, die 2016er-Ver­si­on von „Die glorreichen Sie­ben“ist nicht bes­ser als das Ori­gi­nal. Er ist nicht ein­mal der bes­te Wes­tern­film, der im letz­ten Jahr er­schie­nen ist und kam da­her in vie­len Kri­ti­ken we­ni­ger gut weg: Ide­en­lo­ses Wie­der­käu­en al­ter Mo­ti­ve, plat­ter He­ro­is­mus und Kli­schees so weit das Au­ge reicht, hieß es dort. Doch all das traf auch auf „Die Glorreichen Sie­ben“aus den 60ern zu. Re­gis­seur John Stur­ges wur­de da­mals in der Luft zer­ris­sen, da er es ge­wagt hat­te, Aki­ra Ku­ro­sa­was Meis­ter­werk „Die sie­ben Sa­mu­rai“in die Me­xi­ka­ni­sche Pr­ä­rie zu ver­le­gen und sei­ne Darstel­ler Yul Bryn­ner, Ste­ve McQueen und Charles Bron­son nicht als ehr­ba­re Schwert­kämp­fer, son­dern Colts schwin­gen­de Cow­boys ab­zu­bil­den. Ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter gilt der Strei­fen aber nun als ei­ner der Wes­tern schlecht­hin. Von El­mer Bern­steins epi­schem Sound­track ganz zu schwei­gen. Die­sen Kult­sta­tus wer­den die neu­en „Glorreichen Sie­ben“zwar wohl nicht er­rei­chen, aber das müs­sen sie auch nicht. Statt­des­sen ist es An­toi­ne Fu­qua („South­paw“) ge­lun­gen, ei­ne mo­der­ne und un­ter­halt­sa­me Neu­auf­la­ge des be­kann­ten Stof­fes ab­zu­lie­fern, die mit ho­hem Tem­po, cool in­sze­nier­ter Ac­tion und ei­nem gut auf­ge­leg­ten All­star-Cast punk­ten kann.

Die et­was an­de­re Bür­ger­wehr

„Die glorreichen Sie­ben“bleibt in Sa­chen Hand­lung sei­nem ur­sprüng­li­chen Ma­te­ri­al treu und er­zählt – ab­ge­se­hen von ein paar wirk­lich stim­mi­gen Än­de­run­gen - die­sel­be Sto­ry wie das Ori­gi­nal. Die me­xi­ka­ni­schen Dörf­ler, die ein paar Cow­boys en­ga­gie­ren, um sie vor ei­nem bö­sen Ban­di­ten­boss zu schüt­zen, sind nun die Be­woh­ner des klei­nen Städt­chens Ro­se Creek, wel­ches vom skru­pel­lo­sen Mi­nen-Ty­coon Bar­tho­lo­mew Bo­gue (Pe­ter Sars­gaard in sel­te­ner, aber be­ste­chen­der Prä­senz) ty­ran­ni­siert wird. Als der ge­walt­tä­ti­ge Ka­pi­ta­list sei­nen Macht­an­sprü­chen durch das Ab­bren­nen der ört­li­chen Kir­che und dem Tö­ten von Un­schul­di­gen Nach­druck ver­leiht, zieht die taf­fe Em­ma Cul­len (Ha­ley Ben­nett) los, um Hil­fe zu ho­len. Und da kommt ihr der Kopf­geld­jä­ger Sam Chi­solm (Den­zel Wa­shing­ton) ge­ra­de recht. Zu­sam­men mit ihm ge­lingt es Em­ma, noch sechs wei­te­re Re­vol­ver­hel­den zu ver­pflich­ten: Den Drauf­gän­ger Josh Fa­ra­day (Chris Pratt), den ehe­ma­li­gen Scharf­schüt­zen Good­night Ro­bi­cheaux (Et­han Haw­ke) so­wie des­sen ko­rea­ni­schen Mes­ser-Ex­per­ten Bil­ly Rocks (Byung-hun Lee), den me­xi­ka­ni­schen Pis­to­len-Künst­ler Vas­quez (Ma­nu­el Gar­cia-Rul­fo), den Trap­per Jack Hor­ne (her­aus­ra­gend in­ter­pre­tiert von Vin­cent D’Ono­frio) und den Co­man­chen Red Har­vest (Mar­tin Sens­mei­er). Zu­sam­men mit den Be­woh­nern von Ro­se Creek stellt sich die (im Ver­gleich zum reich­lich „wei­ßen“Team der 60er) bunt ge­misch­te Trup­pe von An­ti­hel­den dem Mi­nen-Boss und sei­nen schier un­zäh­li­gen Miet­ge­weh­ren.

Sie­ben Freun­de sollt ihr sein

Auch wenn die Mi­schung der Be­set­zung mehr kos­me­ti­scher als er­zäh­le­ri­scher Na­tur ist, so trägt sie den­noch zur Stim­mung des Films bei, die trotz

des ho­hen Bo­dy­counts oft er­staun­lich leicht­fü­ßig da­her­kommt. Ge­ra­de, weil die Che­mie zwi­schen den sie­ben Hel­den ein­fach stimmt. Fu­quas „Best Bud­dy“Den­zel Wa­shing­ton scheint in sei­ner mitt­ler­wei­le drit­ten Zu­sam­men­ar­beit mit dem Re­gis­seur ver­dammt viel Spaß zu ha­ben und trägt den Film in sei­ner Rol­le als hart­ge­sot­te­ner Leit­wolf. Chris Pratt spielt sei­nen Part als Gau­ner mit Herz in ge­wohn­ter Star­lord-Ma­nier und lie­fert sich mit Gar­cia-Rul­fos Fi­gur Vas­quez ei­ni­ge wit­zi­ge Re­de-Du­el­le. Et­han Haw­ke (eben­falls zum drit­ten Mal vor Fu­quas Ka­me­ra) darf sei­ne Rol­le als Ve­te­ran mit Kriegs­trau­ma zwar nur sel­ten voll aus­le­ben, bringt aber die not­wen­di­ge Schwe­re in den Film.

Lees asia­ti­scher Mes­ser­wer­fer Bil­ly Rocks und Sens­mei­ers In­dia­ner Red Har­vest sind da­ge­gen lei­der nur als exo­ti­sche Kämp­fer im Ein­satz, mehr nicht. D‘Ono­fri­os got­tes­fürch­ti­ger Trap­per bleibt ei­nem als bul­li­ger Pa­pa der Trup­pe da­für um­so mehr im Ge­dächt­nis. Ein­fa­cher aus­ge­drückt, sind „Die glorreichen Sie­ben“die Aven­gers des Wil­den Wes­tens. Und das ist durch­aus po­si­tiv ge­meint. Denn ähn­lich wie Joss Whe­don bei Mar­vels Ein­greif­trup­pe, so gibt auch An­toi­ne Fu­qua je­der sei­ner Fi­gu­ren ih­re klei­nen, wirk­sa­men Hel­den-Mo­men­te.

Ei­ne gu­te alt­mo­di­sche Schie­ße­rei

Bei der Ins­ze­nie­rung sei­ner Welt ist der Film da­ge­gen wie­der den Weg des ge­rings­ten Wi­der­stan­des ge­gan­gen und han­gelt sich von ei­nem Wes­tern-Kli­schee zum nächs­ten: Vor je­dem der spek­ta­ku­lä­ren und enorm phy­sisch in­sze­nier­ten Schuss­wech­sel gibt es den üb­li­chen Trash-Talk in­klu­si­ve Na­h­auf­nah­men der ver­schwitz­ten Be­tei­lig­ten und dem ob­li­ga­to­ri­schen Griff an den Re­vol­ver – Ser­gio Leo­ne lässt grü­ßen. Aber auch sonst sieht man be­kann­te Wes­tern-Ac­tion: Rei­ter fal­len in den Staub, Cow­boys wer­den durch Sa­loon-Schei­ben auf die Stra­ße ge­prü­gelt und auch ei­ne Gat­ling Gun hat ei­nen gro­ßen Auf­tritt. Die Dia­lo­ge könn­ten an man­chen Stel­len nicht plat­ter sein und sprü­hen oft nur so vor Pa­thos. Wenn et­wa Vin­cent D‘Ono­fri­os bär­bei­ßi­ger Ber­ge­re­mit das Al­te Tes­ta­ment zi­tiert, wäh­rend er die Schur­ken nie­der­streckt, dann ist es mit der Sub­ti­li­tät nicht weit her. Ach­ja, und na­tür­lich es­sen un­se­re Hel­den Boh­nen mit Speck. Ist das in­no­va­tiv? Nein. Aber die­se klas­si­schen Mo­ti­ve sind ein­fach zeit­los und ver­lei­hen dem Film „Die glorreichen Sie­ben“ein an­ge­nehm bo­den­stän­di­ges Flair.

Al­te Schu­le, neue Klas­se

Die­se ge­er­de­te At­mo­sphä­re spie­gelt sich auch in der Tech­nik wi­der. Fu­qua setzt auf ein stark sa­tu­rier­tes Bild, um die Ära der al­ten Spa­ghet­ti-Wes­tern ge­konnt ein­zu­fan­gen, bleibt da­für in an­de­ren Be­rei­chen mo­dern: Die gu­te Schär­fe lei­det nur sel­ten un­ter der Hel­lig­keit der Wes­tern­prä­rie und der dy­na­mi­sche Sur­round-Sound er­tönt ge­nau so glas­klar aus den Bo­xen wie der ex­zel­len­te Wes­tern-Sco­re, zu dem der ver­un­glück­te Kom­po­nist Ja­mes Hor­ner vor sei­nem Tod noch ei­ni­ge Mu­sik­the­men bei­steu­er­te. Das ein­stün­di­ge Bo­nus­ma­te­ri­al samt zu­sätz­li­cher Sze­nen und ei­nem Ma­king-Of gibt au­ßer­dem net­te Ein­bli­cke in die auf­wen­di­ge Pro­duk­ti­on des Films. „Die glorreichen Sie­ben“ist zwar kein Wes­tern für die Ge­schichts­bü­cher. Aber ein se­hens­wer­ter Ac­tionB­lock­bus­ter ist er auf je­den Fall.

Es ist Em­ma Cul­len (Ha­ley Be­nett), die ein­sieht dass Ro­se Creek Un­ter­stütz­umg im Kampf ge­gen Bar­tho­lo­mew Bo­gue braucht

Die Schie­ße­rei­en sind na­tür­lich mit aus­rei­chend Pa­thos ver­bun­den. Hier schwingt Ma­nu­el Gar­cia-Rul­fo be­herzt die Schieß­ei­sen

Din­ge, die un­ab­ding­bar zu Wes­tern ge­hö­ren: Pfer­de, Staub und na­tür­lich Cow­boys, die von den Pfer­den in den Staub fal­len

Die glorreichen Sie­ben: Vin­cent D’Ono­frio, Mar­tin Sens­mei­er, Ma­nu­el Gar­cia-Rul­fo, Et­han Haw­ke, Den­zel Wa­shing­ton, Chris Pratt und Byung Hun-Lee

Mit Chi­solm (Den­zel Wa­shing­ton) trom­melt Em­ma Cul­len (Ha­ley Ben­nett) die glorreichen Sie­ben zu­sam­men. Der Bo­dy­count wird bald dras­tisch stei­gen

Der Ort des Ge­sche­hens. Was in der Neu­auf­la­ge die klei­ne Stadt Ro­se Creek ist, war im Ori­gi­nal ein me­xi­ka­ni­sches Dorf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.