The Ac­coun­tant

Thril­ler

Blu-ray Magazin - - Editorial 3/2017 - CHRIS­TI­AN GRUBE

Mal im Ernst, Buch­hal­ter ist wohl ei­ner der eher lang­wei­li­ge­ren Jobs. Chris­ti­an Wolff (Ben Af­f­leck) ist so ein Buch­hal­ter bzw. Steu­er­be­ra­ter. Er ist akri­bisch – fast schon pe­dan­tisch, äu­ßerst emo­ti­ons­los und ein Zah­len­ge­nie. In ei­ner Kle­in­stadt ir­gend­wo in den USA ar­bei­tet er in ei­nem Steu­er­bü­ro. Doch das ist nur Fas­sa­de. Wolff ist Buch­hal­ter für di­ver­se du­bio­se Un­ter­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen welt­weit. Über sein Han­dy be­kommt er von ei­ner mys­te­riö­sen Frau, ge­nannt „The Voice“, die Auf­trä­ge. Von An­fang an ist klar, dass Chris­ti­an Wolff an­ders ist. So wird in Rück­blen­den deut­lich, dass er an Au­tis­mus lei­det. Nach der Dia­gno­se bot man sei­nen El­tern an, ihn in ei­nem neu­ro­lo­gi­schen Zen­trum be­han­deln zu las­sen. Doch dies lehn­te der Va­ter, ein hoch­ran­gi­ger Mi­li­tär­of­fi­zier, ab. In sei­ner Auf­fas­sung ist es nur ei­ne Fra­ge des Trai­nings und der Selbst­dis­zi­plin um die Be­hin­de­rung in den Griff zu be­kom­men. Die Flash­backs zei­gen au­ßer­dem, dass der Va­ter sei­ne Söh­ne in Kampf­tak­ti­ken und an Waf­fen zu re­gel­rech­ten Eli­te­sol­da­ten aus­ge­bil­det hat.

Bei der Steu­er­fahn­dung ist Chris­ti­an Wolff nur als „The Ac­coun­tant“be­kannt. Man ver­mu­tet, dass er hin­ter ei­ner Schie­ße­rei steckt, bei der zahl­rei­che Mit­glie­der ei­nes New Yor­ker Ma­fi­a­clans ge­tö­tet wor­den sind. Ei­nes Ta­ges be­kommt er den Auf­trag, die Bü­cher der Fir­ma „Li­ving Ro­bo­tics“zu prü­fen. De­ren Buch­hal­te­rin (An­na Kend­rick) hat­te hier Un­stim­mig­kei­ten ent­deckt. Die bei­den Ge­schäfts­füh­rer La­mar (John Lith­gow) und Ri­ta Black­burn (Je­an Smart) ko­ope­rie­ren. Wolff er­kennt, dass 61 Mil­lio­nen Dol­lar feh­len. Lan­ge Zeit ist nicht er­sicht­lich, wer hier was für ein Spiel spielt. Es ist ein Netz aus In­tri­gen und Dop­pel­zün­gig­kei­ten. Auf ein­mal ist nicht nur die Steu­er­fahn­dung hin­ter Wolff her, son­dern auch ei­ne Grup­pe von Auf­trags­kil­lern.

Durch­dach­te Be­set­zung

Der von Ben Af­f­leck ge­spiel­te Chris­ti­an Wolff ist auf­grund sei­ner Be­hin­de­rung emo­tio­nal ge­han­di­capt. Er ist hoch­in­tel­li­gent, ei­ne Kampf­ma­schi­ne und sei­ne wirk­li­chen Zie­le wer­den erst ganz zum En­de of­fen­bart. Gleich­zei­tig dürf­te es ei­ner der ers­ten Fil­me sein, in dem ein Au­tist so et­was wie ein Ac­tionstar ist. Ben Af­f­leck kann hier mal wie­der be­wei­sen, dass er mehr als nur Su­per­hel­den, Lo­ver­boys und sex­hung­ri­ge Co­mic­zeich­ner mi­men kann. Bild­tech­nisch hat man bei „The Ac­coun­tant“so­li­de Ar­beit ge­leis­tet. Schär­fe und Kon­trast lie­gen im ab­so­lu­ten Norm­be­reich. Der Schwarz­wert ist gut bis sehr gut. Die Farb­sät­ti­gung ist de­zent zu­rück­ge­nom­men und dient dem Set­ting. Schnit­te sind be­hut­sam ein­ge­setzt und nicht über­mä­ßig schnell. Das Bo­nus­ma­te­ri­al bie­tet ne­ben ei­nem Per­sön­lich­keit­scheck des „Ac­coun­tant“und der Ac­tion auch ei­nen Ein­blick in die Ver­hal­tens­for­schung, die er­klärt, wie der Au­tis­mus die Hand­lun­gen des be­droh­lich ef­fi­zi­en­ten Film­hel­den Chris­ti­an Wolff be­ein­flusst.

Auch in „Up in the Air“war An­na Kend­rick in ei­ner Bü­ro­land­schaft zu se­hen, al­ler­dings als je­mand, der kommt, um die An­ge­stell­ten zu feu­ern und nicht als Buch­hal­te­rin

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