Ne­bel im Au­gust

Blu-ray Magazin - - Anspruch - FT

The­men wie Eut­ha­na­sie und Mas­sen­mord in ei­ner Ner­ven­heil­an­stalt sind nicht gera­de leich­ter Stoff, mit dem sich das Pu­bli­kum ger­ne aus­ein­an­der­setzt. Den­noch hat es Re­gis­seur Kai Wes­sel ge­schafft, Ro­bert Do­mes Ro­man so zu ver­fil­men, dass sich der Zu­schau­er an­fangs ger­ne in den auf­müp­fi­gen Jun­gen Ernst Los­sa (Ivo Pietz­ker) hin­ein­ver­setzt. Der Di­rek­tor der An­stalt (Se­bas­ti­an Koch) wirkt zu­nächst sehr freund­lich und in­tel­li­gent, ver­deut­licht dem jun­gen Ernst so­gar, dass er hier wie ein Mensch be­han­delt und nicht wie in den an­de­ren Ein­rich­tun­gen ge­schla­gen wird. Fast schon un­ter­schwel­lig schleicht sich das Ver­bre­chen ein, als wä­re es ei­ne ak­zep­ta­ble Sa­che. So sieht die neue Ober­schwes­ter (Frit­zi Ha­ber­land) das Eut­ha­na­sie-Pro­gramm, was nun auch in die­ser Ner­ven­heil­an­stalt durch­ge­führt wer­den soll, als ein not­wen­di­ges Übel. Je­ne Kin­der bzw. Pa­ti­en­ten, die vom Di­rek­tor als „un­heil­bar“ein­ge­stuft wur­den, er­hal­ten nur noch Nähr­stoff-frei ge­koch­tes Es­sen. So nimmt die­ser Hor­ror Ernsts Welt im­mer stär­ker ein. Wen al­so die Hand­lung und das „fröh­li­che“En­de nicht scho­ckie­ren, der wird spä­tes­tens bei den im Nach­hin­ein ge­zeig­ten Text­ein­blen­dun­gen stut­zig, die die wei­te­ren Schick­sa­le der his­to­ri­schen Per­so­nen um­rei­ßen. Gera­de weil der Zu­schau­er bei der Darstel­lung der Gräu­el stark ge­schont wird, be­ginnt das Ober­stüb­chen zu rat­tern. Es ist ein Skan­dal, der dem Zu­schau­er nicht mit dem Vor­schlag­ham­mer prä­sen­tiert wird, son­dern mit ei­ner nüch­ter­nen Gleich­gül­tig­keit. Und das sorgt au­to­ma­tisch für grö­ße­re Em­pö­rung, als je­des an­de­re Mit­tel, das dem Me­di­um Film zur Ver­fü­gung steht.

Kai Wes­sels Film um Ernst Los­sa (Ivo Pietz­ker, Mit­te) er­zeugt an den rich­ti­gen Stel­len Span­nung, fast so als wür­de man ein In­ter­nats-Dra­ma mit Thril­ler-Ele­men­ten se­hen. Da­vid Ben­nent (rechts) spielt eben­falls ein­drucks­voll

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