31 A ROB ZOM­BIE FILM

Hal­lo­ween 1976 im länd­li­chen Sü­den der USA. Ein Klein­bus mit ei­ner Hand­voll ab­ge­ris­se­ner Schau­stel­ler an Bord wird mit­ten in der Nacht von ei­ner Stra­ßen­sper­re aus Stroh­pup­pen auf­ge­hal­ten. Ehe sich die Trup­pe ver­sieht, ster­ben ein paar von ih­nen, da­hin­ge­me

Blu-ray Magazin - - Action/thriller - STEF­FEN KUTZNER

Als die fünf Über­le­ben­den wie­der zu sich kom­men, hat man sie in ei­nem skur­ril an­mu­ten­den Raum ge­fes­selt und ge­kne­belt. Ei­ni­ge Ge­stal­ten in ba­ro­cken Klei­dern und Pe­rü­cken er­klä­ren ih­nen, dass sie ei­ne Run­de „31“spie­len müs­sen. Re­geln gibt es nicht, aber das Ziel ist ein­fach: 12 St­un­den über­le­ben. Für Char­ly (She­ri Moon Zom­bie), Ve­nus Vir­go (Meg Fos­ter) und drei ih­rer Freun­de be­deu­tet das, kei­nem der Kil­ler­clowns in die Hän­de zu fal­len, die in dem Ge­bäu­de un­ter­wegs sind. Ihr ers­ter Geg­ner ist der klein­wüch­si­ge und – auch im Ori­gi­nal – spa­nisch­spre­chen­de Na­zi-Clown Sick-He­ad (Pan­cho Mo­ler). Ihm fol­gen zwei Clowns mit Ket­ten­sä­gen, die in Rei­men spre­chen­den Sa­do­ma­so-Ball­ari­nas Sex-He­ad (Eliz­a­beth Dai­ly) und De­ath-He­ad (Torsten Vo­ges), und schließ­lich auch noch Doom-He­ad (Richard Bra­ke), der Clown, der ge­ru­fen wird, wenn sich die Spie­ler als be­son­ders zäh her­aus­stel­len.

Rob Zom­bies per­sön­li­che Höl­len­fan­ta­sie

Rob Zom­bie hat ei­ne sehr un­kon­ven­tio­nel­le Fan­ta­sie. Schon in sei­ner ers­ten Re­gie­ar­beit aus dem Jahr 2003, „Das Haus der 1000 Lei­chen“, wur­de ei­ne Grup­pe Te­enager durch ein La­by­rinth ge­jagt, das an die übels­ten Epi­so­den aus „Die gött­li­che Ko­mö­die“oder die alp­traum­haf­ten Ge­mäl­de von Hier­ony­mus Bosch er­in­nert. Wo Men­schen die Ge­sich­ter an­de­rer als Mas­ke tra­gen und to­te Jun­gen zu Mensch-Fisch-Hy­bri­den ver­ar­bei­tet wer­den, hat man die Gren­ze zum Main­stream-Hor­ror schon längst hin­ter sich ge­las­sen und be­fin­det sich in Rob Zom­bies Welt doch gera­de erst am An­fang. Nach „Das Haus der 1000 Lei­chen“, der dem haupt­be­ruf­li­chen Mu­si­ker aus dem Nichts ei­ne gro­ße Fan­ge­mein­de be­scher­te, folg­ten der schon deut­lich kon­ven­tio­nel­le­re Thril­ler „The De­vil’s Re­jects“, die nur halb ge­glück­te Neu­auf­la­ge von „Hal­lo­ween“in­klu­si­ve Fort­set­zung und zu­letzt der na­he­zu völ­lig miss­lun­ge­ne „The Lords Of Sa­lem“, der Zom­bies Frau She­ri Moon als Op­fer ei­nes sa­ta­ni­schen He­xen­kul­tes zeigt. Mit „31“wen­det sich Rob Zom­bie von klas­si­schen Hor­ror­mo­ti­ven wie mes­ser­schwin­gen­den Se­ri­en­kil­lern und He­xen­flü­chen ab und kehrt end­lich zu sei­nen ci­ne­as­ti­schen Wur­zeln zu­rück – ge­mein­ge­fähr­li­chen Durch­ge­knall­ten mit ei­nem Hang zu Schmin­ke und Ver­klei­dun­gen. Und tat­säch­lich könn­te man die­sen Film kei­nem an­de­ren Re­gis­seur un­ter­schie­ben. Der Wahn­sinn ent­fal­tet sich an­fangs zwar lang­sam, aber nach ei­ner hal­ben St­un­de ist man dann doch mit­ten­drin in der von per­ver­tier­ten Zir­kus- und Jahr­markt­smo­ti­ven über­bor­den­den Rob-Zom­bie-Höl­le.

Hor­ror mit ge­wis­sen Kli­schees

Wer „Das Haus der 1000 Lei­chen“moch­te, wird auch „31“ei­ni­ges ab­ge­win­nen kön­nen. Bei der Be­set­zung wur­de auf we­ni­ger be­kann­te, aber trotz­dem hoch­ka­rä­ti­ge Schau­spie­ler ge­setzt; Meg Fos­ter und ganz be­son­ders Richard Bra­ke ste­chen mit ih­rer Dar­bie­tung her­aus. Ein Wer­muts­trop­fen in die­ser Hin­sicht ist She­ri Moon Zom­bie, de­ren schau­spie­le­ri­sche Fä­hig­kei­ten ge­le­gent­lich an ih­re Gren­zen sto­ßen. Sie hät­te bes­ser wie­der als Teil der bö­sen Mäch­te und nicht als de­ren Op­fer be­setzt wer­den sol­len - denn dass die 45-Jäh­ri­ge kei­nen gan­zen Film tra­gen kann, hat­te sich bei „The Lords Of Sa­lem“deut­lich ge­zeigt. An­de­rer­seits ist schau­spie­le­ri­sche In­kom­pe­tenz in der Hor­ror­ecke wirk­lich kei­ne Sel­ten­heit; spe­zi­ell in Fil­men mit Kil­ler­clowns und Ket­ten­sä­gen ach­ten die meis­ten Zu­schau­er wohl eher auf aus­ge­fal­le­ne Blu­tef­fek­te, in­ten­si­ve Schock­mo­men­te und ab­ge­dreh­te Fi­gu­ren. All das bie­tet „31“. Was dem Film fehlt, ist In­no­va­ti­on. Als Zu­schau­er hat man trotz al­ler Ab­ge­dreht­heit das Ge­fühl, nur ei­ne Ent­leh­nung schon ein­mal da­ge­we­se­ner Ide­en zu be­trach­ten, wes­halb „31“ins­ge­samt ein we­nig un­be­frie­di­gend wirkt. Zur eher un­ta­len­tier­ten Haupt­dar­stel­le­rin kom­men ein paar an­de­re Hor­ror­film­kli­schees wie manch­mal höl­zern wir­ken­de Dia­lo­ge und zwei ka­putt­ge­schnit­te­ne Kampf­sze­nen, die den Zu­schau­er in die Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit stür­zen. Trotz­dem wird sich die ab­ge­dreh­te Blu­tor­gie bei vie­len Film­aben­den wie­der­fin­den, weil Zom­bies neu­er Film ge­rad­li­nig, un­ter­halt­sam und span­nend ist. Was bleibt, ist die Fra­ge, ob Rob Zom­bie die Fans sei­ner ers­ten Fil­me mit den sehr kom­mer­zi­el­len und mit­tel­mä­ßi­gen „Hal­lo­ween“-Re­makes und „The Lords Of Sa­lem“zu sehr ver­schreckt hat. Die 1,5 Mil­lio­nen für „31“hat er über zwei Crowd­fun­ding­kam­pa­gnen sam­meln müs­sen, aber gera­de der Fakt, dass er ge­nü­gend Spen­der ge­fun­den hat, zeigt, dass noch im­mer Be­darf be­steht an den co­mich­aft-psy­cho­pa­thi­schen Ge­schich­ten, die in sei­nem Kopf her­um­spu­ken. In Deutsch­land wird die ori­gi­na­le R-Ra­ted-Ver­si­on des Films „Uncut“ver­kauft. Für Fans gibt es ei­ne li­mi­tier­te 2-Disc-Edi­ti­on im Steel­book zu kau­fen, die bei Ama­zon.de zu­sätz­lich noch fünf Sam­mel­kar­ten ent­hält. Im re­gu­lä­ren Ein­zel­han­del sind die Kar­ten nicht ent­hal­ten.

ES AUCH "31“GIBT STEEL­BOOK ALS

HAN­DEL

IM SAM­MEL­KAR­TEN DIE BEI EX­KLU­SIV

SIND AMA­ZON-VER­SI­ON DER

ENT­HAL­TEN

Kunst­blut steht ihr gut: Prot­ago­nis­tin und Zom­bie-Gat­tin She­ri Moon in Be­dräng­nis

Wie wehrt man sich am Bes­ten ge­gen Kil­ler­clowns mit Ket­ten­sä­gen?

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