Sul­ly

Dra­ma/Bio­gra­fie

Blu-ray Magazin - - Blockbuster - PHIL­IPP WOLF­RAM

Auf dem Pa­pier sah „Sul­ly“wie ein ech­ter Os­car-Kan­di­dat aus: Hol­ly­wood-Le­gen­de Cl­int East­wood auf dem Re­gie­stuhl, Schau­spiel­gott Tom Hanks in der Haupt­rol­le und die un­glaub­li­che Hel­den­ge­schich­te des US-Air­ways-Pi­lo­ten Ches­ley Sul­len­ber­ger und sei­ner bei­spiel­lo­sen Not­lan­dung auf dem Hud­son Ri­ver als Sto­ry-Vor­la­ge. Dass die fil­mi­sche Na­cher­zäh­lung des Un­glücks mit glück­li­chem Aus­gang am En­de nur in ei­ner tech­ni­schen Ka­te­go­rie no­mi­niert war, kann nur an der stär­ke­ren Kon­kur­renz ge­le­gen ha­ben. Denn an­ders lässt es sich nicht er­klä­ren, dass East­woods und Hanks ers­te Zu­sam­men­ar­beit nicht wei­ter ge­wür­digt wur­de. „Sul­ly“ist ein pa­ckend in­sze­nier­tes und den­noch äu­ßerst men­sch­li­ches Dra­ma ge­wor­den, das nicht nur die Sto­ry, die wir al­le ken­nen, auf ein­drucks­vol­le Art und Wei­se zeigt, son­dern sich auch auf die Nach­wir­kun­gen des „Wun­ders vom Hud­son“kon­zen­triert. Näm­lich auf die Ge­schich­te, die fast gar nicht in der Öf­fent­lich­keit statt­fand: Sul­len­ber­gers Kampf um sei­ne be­ruf­li­che In­te­gri­tät und die Su­che nach der Ant­wort auf die Fra­ge: Ist er ein Held oder doch ein Be­trü­ger, der das Le­ben sei­ner Pas­sa­gie­re fahr­läs­sig aufs Spiel ge­setzt hat?

Held wi­der Wil­len

Was am 15. Ja­nu­ar 2009 in New York Ci­ty pas­siert ist, dürf­te je­dem noch im Ge­dächt­nis sein: Ein Flug­zeug mit 150 Pas­sa­gie­ren und fünf Cr­ew-Mit­glie­dern an Bord stößt kurz nach dem Start mit ei­nem Vo­gel­schwarm zu­sam­men, wo­durch bei­de Trieb­wer­ke zer­stört wer­den. Oh­ne An­trieb bleibt den Pi­lo­ten Ches­ley „Sul­ly“Sul­len­ber­ger (Tom Hanks) und Jeff Ski­les (Aa­ron Eck­hart) kei­ne an­de­re Wahl, als ei­ne Not­was­se­rung im Hud­son zu ver­su­chen. Wie durch ein Wun­der ge­lingt das spek­ta­ku­lä­re Ma­nö­ver und al­le 155 In­sas­sen wer­den we­nig spä­ter aus dem ei­si­gen Fluss ge­ret­tet. Wäh­rend „Sul­ly“nun durch zahl­rei­che In­ter­views ge­trie­ben – und öf­fent­lich als Held ge­fei­ert wird, star­ten die US-Be­hör­den und die Ver­si­che­rung der Air­line ei­ne Un­ter­su­chung, die zeigt, dass das Flug­zeug pro­blem­los auf ei­nem der na­he­ge­le­ge­nen Flug­hä­fen hät­te lan­den kön­nen. Für Sul­len­ber­ger be­ginnt dar­auf­hin ein Kampf um sei­ne Re­pu­ta­ti­on und sei­ne Kar­rie­re. Cl­int East­wood hat mit „Sul­ly“ab­sicht­lich kei­ne klas­si­sche Bio­gra­fie ab­ge­lie­fert, son­dern lie­ber ein be­hut­sa­mes Cha­rak­ter­por­trait ei­nes Man­nes ge­schaf­fen, der von fast al­len als Held ge­se­hen wird und den­noch das ver­tei­di­gen muss, was er ge­tan hat. Auch wenn der Kon­flikt et­was kon­stru­iert wirkt – der Film ze­le­briert pu­re Pro­fes­sio­na­li­tät im An­ge­sicht un­mit­tel­ba­rer Ge­fahr, und das oh­ne ei­ne Spur von Pa­thos, son­dern mit ehr­fürch­ti­ger Ehr­lich­keit. Hanks Ta­lent, un­frei­wil­li­ge Hel­den zu spie­len, kommt hier wie­der voll zum Tra­gen. Mit sei­ner Darstel­lung des de­mü­ti­gen und gleich­zei­tig wil­lens­star­ken Cap­tain Sul­len­ber­ger trifft er so­wohl in den lei­sen als auch in den lau­ten Mo­men­ten des Films im­mer ins Schwar­ze.

Die Ins­ze­nie­rung der ei­gent­li­chen Not­lan­dung und der an­schlie­ßen­den Ret­tungs­ak­ti­on ge­schieht eben­falls oh­ne die ty­pi­sche Ef­fekt­ha­sche­rei und ge­hört den­noch zum Bes­ten, was man seit lan­gem ge­se­hen hat. Tech­nisch ist der Film so­wie­so über je­den Zwei­fel er­ha­ben. Der na­he­zu feh­ler­freie Dol­by-At­mos-Sound lässt ge­ra­de bei der Not­lan­dung or­dent­lich die Mus­keln spie­len und wirft ei­nen mit­ten rein ins Ge­sche­hen des Bei­nah-Un­glücks, das der Film zu je­der Zeit aus al­len nur mög­li­chen, emo­tio­na­len Blick­win­keln be­ein­dru­ckend ein­fängt. Die Aca­de­my hat „Sul­ly“vi­el­leicht über­gan­gen, Sie soll­ten es de­fi­ni­tiv nicht tun.

Nach der Not­lan­dung auf dem Hud­son Ri­ver muss sich Ches­ley „Sul­ly“Sul­len­ber­ger vie­len Fra­gen stel­len, so­wohl von der Pres­se als auch in­tern

Aa­ron Eck­hart, be­kannt aus Fil­men wie „The Dark Knight“und dem groß­ar­ti­gen „Thank You for Smo­king“als Co-Pi­lot Jeff Ski­les

Laura Lin­ney spielt Lor­rai­ne Sul­len­ber­ger, Sul­lys Ehe­frau und ist vor al­lem am Te­le­fon zu se­hen

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