Die Frau im Mond

Er­in­ne­run­gen an die Lie­be

Blu-ray Magazin - - Anspruch - PHIL­IPP WOLF­RAM

Für Sig­mund Freud wä­re die­ser Film ein ge­fun­de­nes Fres­sen. Denn er be­stä­tigt ein­mal mehr die The­se des ös­ter­rei­chi­schen Tie­fen­psy­cho­lo­gen, dass der Mensch ein „Lust­su­cher“ist, ein We­sen, für das Sex und Lie­be oft das glei­che sind und un­er­füll­te Sehn­süch­te den Ur­sprung al­ler see­li­schen Pein dar­stel­len. Das schwer­mü­ti­ge Me­lo­dram „Die Frau im Mond“der in Can­nes ge­fei­er­ten Re­gis­seu­rin Ni­co­le Gar­cia spielt im An­satz mit die­sen Ide­en, ver­gräbt sie aber un­ter ei­nem zäh prä­sen­tier­ten Plot, des­sen Fi­gu­ren in bes­ter By­ron-Ma­nier lie­ber das Leid als die Er­lö­sung su­chen und ver­packt sei­ne ei­gent­lich fe­mi­nis­ti­sche Aus­sa­ge über ei­ne Frau auf der Su­che nach der wah­ren Lie­be in mas­sig se­xu­el­les In­nu­en­do, wel­ches nie ei­nen rich­ti­gen Hö­he­punkt er­reicht.

Lang­wei­li­ge Lieb­schaf­ten

Eben­je­ne Frau ist die jun­ge Ga­b­ri­el­le (Ma­ri­on Co­til­lard), die Toch­ter ei­nes fran­zö­si­schen La­ven­del-Far­mers aus der Pro­vence. Ge­lang­weilt vom Land­le­ben in der Nach­kriegs­zeit be­rei­tet sie ih­rer Fa­mi­lie mit ih­ren sprung­haf­ten Lau­nen im­mer wie­der Pro­ble­me. Die Bür­de wird dar­auf­hin Jo­sé (Àlex Bren­de­mühl), ei­nem ka­ta­la­ni­schen Wan­der­ar­bei­ter, über­tra­gen, als er aus Be­quem­lich­keit mit Ga­b­ri­el­le ver­hei­ra­tet wird. Das sich nicht lie­ben­de Ehe­paar zieht dar­auf­hin an die Küs­te, doch die La­ge bes­sert sich nicht, Ga­b­ri­el­le wird wie schon zu Hau­se von Krämp­fen ge­plagt – ei­ne Kur in den Schwei­zer Al­pen soll ihr Lin­de­rung ver­schaf­fen. Dort lernt sie dann ih­ren ver­meint­li­chen See­len­ver­wand­ten ken­nen: den at­trak­ti­ven Of­fi­zier An­dré (Louis Gar­rel), des­sen Zu­nei­gung Ga­b­ri­el­le nicht nur kör­per­lich ge­ne­sen lässt. Doch die Lie­be der bei­den soll nur kur­ze Zeit an­dau­ern, denn der In­do­chi­na-Ve­te­ran ist schwer­krank. Die ei­gent­lich ein­fa­che Sto­ry aus der gleich­na­mi­gen Ro­man­vor­la­ge der Ita­lie­ne­rin Mi­le­na Agus wird von Gar­cia un­nö­tig in die Län­ge ge­zo­gen. Die in­ne­re Trieb­fe­der von Ga­b­ri­el­le ist zu­dem (an­ders als in der No­vel­le) nicht nur Lie­be, son­dern oft­mals se­xu­el­le Frus­tra­ti­on, was durch Co­til­lard wie­der­um wun­der­bar ein­ge­fan­gen wird. Ih­re Fä­hig­keit, auf Knopf­druck von glück­lich zu de­pres­siv zu wech­seln, wird al­ler­dings fast schon zu häu­fig aus­ge­nutzt und lässt ih­re Fi­gur am En­de ein­fach nur ner­vig wir­ken. Ge­ne­rell tun die toll be­setz­ten Darstel­ler aber alles, um aus den plat­ten Rol­len das Bes­te her­aus zu ho­len. Vi­su­ell bie­tet „Die Frau im Mond“au­then­ti­sches Chic der spä­ten 1940er bis -60er Jah­re und wan­delt zwi­schen wei­chen Pa­s­tell­tö­nen und har­ten Kon­tras­ten. Die Sound­ku­lis­se ver­sprüht ein gut ab­ge­misch­tes me­di­ter­ra­nes Flair, wäh­rend der Mu­sik-Sco­re ge­ra­de in den dra­ma­ti­schen Sze­nen pas­send im Hin­ter­grund schwelt. Beim Bo­nus­ma­te­ri­al bie­tet die Blu-ray au­ßer­dem ein halb­stün­di­ges Ma­king-Of mit zahl­rei­chen In­ter­views von Cast und Crew.

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