Any Day

Blu-ray Magazin - - Anspruch - FELIX RITTER

Vi­an McLe­an (Se­an Be­an) hat in sei­nem Le­ben die meis­te Zeit ei­gent­lich nur zwei Din­gen Auf­merk­sam­keit ge­schenkt – sei­nem Box­trai­ning und Al­ko­hol. Dass bei­des in Ver­bin­dung ei­ne ex­plo­si­ve Mi­schung er­gibt, er­fährt er schließ­lich am ei­ge­nen Leib. Auf ei­ner Barbe­cue-Par­ty sei­ner Schwes­ter Beth­ley (Ka­te Walsh aus „Grey’s Ana­to­my“) prü­gelt er in be­trun­ke­nen Zu­stand ei­nen Mann zu To­de. Über ein Jahr­zehnt muss er da­für im Ge­fäng­nis sit­zen. Als er wie­der raus kommt, ist er mit­tel­los und das Le­ben scheint an ihm vor­bei ge­rauscht zu sein. In sei­nem ehe­ma­li­gen Box­club ist er nicht mehr will­kom­men und sei­ne Schwes­ter hat we­nig Ver­ständ­nis für ihn. Trotz­dem darf er bei ihr in der Ga­ra­ge woh­nen, aber nur un­ter der Be­din­gung, kei­nen ein­zi­gen Trop­fen Al­ko­hol an­zu­rüh­ren. Beth­leys Sohn Jim­my baut da­ge­gen so­fort ei­ne Ver­bin­dung zu sei­nem On­kel auf und scheint dem ge­schei­ter­ten Ex­bo­xer mit sei­ner kind­li­chen Ver­eh­rung wie­der Selbst­ver­trau­en ein­zu­hau­chen. Auch sonst macht Vi­an klei­ne, aber ste­ti­ge Fort­schrit­te. Er fin­det ei­nen Job in ei­nem klei­nen Piz­za­re­stau­rant und freun­det sich recht schnell mit dem Be­sit­zer an. Zu­dem lernt er die at­trak­ti­ve Jo­le­ne (Eva Lon­g­o­ria) ken­nen. Zwi­schen den bei­den ent­wi­ckelt sich ei­ne viel­ver­spre­chen­de Roman­ze. Trotz al­le­dem be­ginnt das fra­gi­le Glück schnell wie­der zu brö­ckeln und Vi­an steht sich durch sei­nen Jäh­zorn oft selbst im Weg. Es will ihm nicht so recht ge­lin­gen, sich von sei­nen ver­gan­ge­nen Sün­den los­zu­sa­gen. Ein wei­te­rer Schick­sals­schlag stellt ihn und sein Um­feld am En­de auf ei­ne be­son­ders har­te Pro­be.

Zwi­schen All­tag und Me­ta­pho­rik

Das Fa­mi­li­en- und All­tags­dra­ma, in des­sen Mit­tel­punkt Se­an Be­an als ge­schei­ter­te Exis­tenz steht, dreht sich im Kern stets um die Fra­ge nach Schuld und Ver­ge­bung. Vi­ans frü­he­re Ver­feh­lun­gen ho­len ihn im­mer wie­der ein und le­gen ihm stän­dig St­ei­ne in den Weg. So macht der Film sehr deut­lich, dass man sich sei­nen ei­ge­nen Dä­mo­nen und der Schuld, die man auf sich ge­la­den hat, stel­len muss. Dass da­bei vor al­lem ei­ne gött­li­che Fü­gung die Chan­ce bie­tet, zu ei­nem bes­se­ren Men­schen zu wer­den, schwingt in der ers­ten Hälf­te nur hier und da mit. Ge­gen En­de wird dies hin­ge­gen über­deut­lich. Die in der zwei­ten Hälf­te ste­tig zu­neh­men­de, re­li­giö­se Me­ta­pho­rik und Sym­bo­lik lässt letzt­lich kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die We­ge Got­tes eben­so un­er­gründ­lich wie ziel­füh­rend sind. Erst als Vi­an das ak­zep­tiert, öff­nen sich ihm zu­vor ver­schlos­se­ne Tü­ren. In­halt­lich kann man über die­ses sehr spe­zi­fi­sche Men­schen­bild durch­aus ver­schie­de­ner Mei­nung sein. Auf dra­ma­tur­gi­scher Ebe­ne führt es al­ler­dings zu ei­nem ganz an­de­ren Pro­blem. Die vie­len ver­schie­de­nen Kon­flikt­punk­te wir­ken fast schon funk­tio­nal und vor­nehm­lich auf Vi­ans per­sön­li­che Läu­te­rung zu­ge­schnit­ten, was der an­ge­streb­ten Au­then­ti­zi­tät der Fi­gu­ren und der Glaub­wür­dig­keit ih­rer Hand­lun­gen im­mer wie­der im Weg steht. Die In­ter­pre­ta­ti­on der Er­zäh­lung liegt hier nicht in der Hand des Zu­schau­ers, son­dern wird vom Re­gis­seur vor­ge­ge­ben. Wer sich al­so in­halt­lich mit der re­li­giö­sen Kern­the­ma­tik nicht an­freun­den kann, wird es wohl auch um ei­ni­ges schwe­rer ha­ben, sich in das Dra­ma und die Fi­gu­ren ein­zu­füh­len, als je­mand, der die­ser Prä­mis­se grund­le­gend nä­her steht.

Auf ru­hi­gen Pfa­den

Als Schau­spie­ler fin­det sich Se­an Be­an da­für gut in sei­ne Rol­le ein und kann hin und wie­der die zwar so­li­de, aber im Ver­gleich eher mit­tel­mä­ßi­ge Per­for­mance von Ka­te Walsh und Eva Lon­g­o­ria mit durch den Film tra­gen. Der klei­ne Jim­my kann als auf­ge­weck­ter, klei­ner Jun­ge da­ge­gen sel­ten über­zeu­gen. Man kann wohl nicht im­mer ei­nen Ha­ley Jo­el Os­ment er­war­ten. Trotz­dem be­schleicht ei­nen das Ge­fühl, dass der Grund da­für we­ni­ger beim Jung­dar­stel­ler selbst und mehr beim Re­gis­seur und Au­tor liegt. So ist „Any Day“ein eher durch­wach­se­nes und recht fest­ge­zurr­tes Dra­ma, das letzt­lich ei­ne still­schwei­gen­de Über­ein­stim­mung mit den christ­li­chen Deu­tun­gen vor­aus­setzt, aber un­ab­hän­gig da­von ei­nen stim­mi­gen Soundtrack und ei­ne auf an­ge­neh­me Wei­se schlicht ge­hal­te­ne Ins­ze­nie­rung vor­wei­sen kann. Letz­te­res un­ter­streicht auch die Tech­nik in pas­sen­der Wei­se. Das na­tür­li­che Farb­bild be­dient sich nur ei­ner de­zen­ten Nach­be­ar­bei­tung in In­ten­si­tät und Licht­stim­mung und auch die Klang­dy­na­mik bleibt stets ru­hig und ge­tra­gen, oh­ne sich in aus­la­den­den Hö­hen oder Tie­fen zu er­ge­hen.

Da bahnt sich et­was an: Vi­an (Se­an Be­an) und Jo­le­ne (Eva Lon­g­o­ria)

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