Bramscher Nachrichten

End­lich wie­der Fuß­ball beim TV Pen­te

Seit 53 Jah­ren wie­der ei­ne Mann­schaft im of­fi­zi­el­len Spiel­be­trieb – Der Ball rollt al­ler­dings vor­erst in Schlep­trup

- Von Mal­te Golt­sche Sports · David, Panama · Stainz · Bramsche · DDR-Liga

Zum ers­ten Mal seit 1964 nimmt ei­ne Fuß­ball­mann­schaft des TV Pen­te in der kom­men­den Spiel­zeit am Li­ga­be­trieb (3. Kreis­klas­se) teil. Drei jun­gen Män­ner aus Lecht­in­gen, Pye und Wal­len­horst ist es zu ver­dan­ken, dass der 53 Jah­re lan­ge Dorn­rös­chen­schlaf be­en­det wer­den kann.

PEN­TE. „Wir hat­ten ein­fach Bock, et­was Ei­ge­nes zu ma­chen“, sagt Da­vid Mül­ler, wenn er über die An­fän­ge der neu­en Fuß­ball­mann­schaft des TV Pen­te spricht. Die Idee da­zu sei ei­gent­lich schon alt, sagt sein Freund und Mann­schafts­ka­me­rad Mi­guel Sou­pi­des. Zu­sam­men mit Bas­ti­an Wahm­hoff, ei­nem wei­te­ren Freund aus Kind­heits­ta­gen, setz­ten die jun­gen Män­ner aus Lecht­in­gen, Pye und Wal­len­horst ih­re Idee in die Tat um. Mit ei­nem An­ruf beim TV ging es los.

In der klei­nen Bram­scher Bau­er­schaft gibt es zwar ver­schie­de­ne Sport­an­ge­bo­te, al­ler­dings lag der „Volks­sport Num­mer eins“lan­ge brach. „Der TV hat das zwar am An­fang für ei­nen Scherz ge­hal­ten, aber dann ge­merkt, dass wir das wirk­lich ernst mei­nen“, sagt Mül­ler.

Seit 1964 hat in Pen­te kei­ne Mann­schaft mehr am of­fi­zi­el­len Spiel­be­trieb teil­ge­nom­men – in der kom­men­den Sai­son ist es jetzt wie­der so weit. Auch wenn die Mann­schaft nicht auf dem Sport­platz des Ver­eins auf­lau­fen darf und dort nur trai­niert. Das mit­ten im Wald ge­le­ge­ne Ra­sen­feld an der Hol­la­ger Stra­ße hat­te bei der Ab­nah­me durch den Ver­band lei­der kei­ne Chan­ce. Das ist al­ler- dings auch kein Wun­der: Das mod­ri­ge Klub­haus aus den 70er-Jah­ren ver­fügt le­dig­lich über ei­nen klei­nen Ge­rä­te­raum und zwei Um­klei­den mit cir­ca 20 Stüh­len. In den To­ren feh­len Tor­net­ze, ei­nen rich­ti­gen Ein­gang zum Sport­platz gibt es nicht, eher ein Loch im Zaun.

Hil­fe vom TuS Eng­ter

„Die­se Kreis­klas­sen­ro­man­tik ist aber ge­wollt. Wir woll­ten uns um al­les selbst küm­mern und uns be­hel­fen. Wir wuss­ten auch im­mer, dass nicht al­les top funk­tio­nie­ren wird“, sagt Da­vid Mül­ler zu den Ge­ge­ben­hei­ten. Bis auf Wei­te­res spielt der TV Pen­te auf der An­la­ge des TuS Eng­ter, der sich so­fort be­reit er­klärt hat zu hel­fen. Auf Hil­fe sind die drei Freun­de in vie­ler­lei Hin­sicht ge­sto­ßen. Die Stadt Bram­sche hat den Auf­ruf für ei­ne ge­eig­ne­te Sport­an­la­ge für den Spiel­be­trieb un­ter­stützt, der TuS hat sich be­reit er­klärt, und auch im TV Pen­te wur­de das Trio mit of­fe­nen Ar­men emp­fan­gen. „Da­für sind wir sehr dank­bar“, sa­gen al­le drei im Chor.

„Der Te­am­geist und die Ge­mein­schaft sol­len im Vor­der­grund ste­hen“, sagt Bas­ti­an Wahm­hoff über die sport­li­chen Zie­le der Mann­schaft. Es sol­len al­le spie­len, egal wie gut, schnell oder ziel­si­cher sie sind. Da­für ha­ben sich beim TV Pen­te Spie­ler mit ver­schie­de­nen Hin­ter­grün- den zu­sam­men­ge­tan. „Vie­le hat­ten in ih­ren al­ten Ver­ei­nen kei­ne Stamm­plät­ze oder hat­ten ein­fach Lust auf et­was Neu­es. Es sind aber auch ei­ni­ge da­bei, die in ih­rem Le­ben vor­her noch nie ge­gen ei­nen Ball ge­tre­ten ha­ben. Ei­ner hat bis vor 14 Ta­gen noch Hand­ball ge­spielt“, sagt Nor­bert Wahm­hoff mit ei­nem La­chen.

Wahm­hoff, Va­ter von Bas­ti­an, wur­de kur­zer­hand als Trai­ner en­ga­giert und greift sei­nem Sohn und des­sen Freun­den mit sei­ner lang­jäh­ri­gen Er­fah­rung als Ju­gend­trai­ner un­ter die Ar­me. „Er ist un­ser Er­folgs­coach. Un­ter ihm sind wir in der C-Ju­gend ein­mal Meis­ter ge­wor­den“, er­zählt Sohn Bas­ti­an.

Beim TV Pen­te ist Im­pro­vi­sa­ti­on ge­fragt, die­sen Ein­druck er­hält man beim ers­ten An­blick des Ge­län­des und der Mann­schaft. „Für das ers­te Trai­ning hat Mi­guel das Bier be­sorgt, Bas­ti­an die Hüt­chen, ich die Leib­chen und Nor­bert die Bäl­le“, sagt Da­vid Mül­ler, muss sich dann aber doch kor­ri­gie­ren: „Stimmt nicht. Den ers­ten Ball ha­be ich da­mals auf dem Platz ge­fun­den!“

Seit dem ers­ten Trai­ning ist die Mann­schaft auf mehr 30 Spie­ler an­ge­wach­sen, die nun in der neu­en Sai­son für den TV spie­len. Es sei viel Ar­beit ge­we­sen, die Spie­ler bei der Stan­ge zu hal­ten und die Bü­ro­kra­tie zu er­le­di­gen, „aber wir sind stolz dar­auf, dass wir ein Jahr nach dem ers­ten Trai­ning so viel auf die Bei­ne ge­stellt ha­ben“, sagt Mül­ler.

Vier Test­spie­le hat der TV Pen­te mitt­ler­wei­le ab­sol­viert. Nach drei Nie­der­la­gen gab es vor Kur­zem den ers­ten Sieg. Mit 5:3 be­zwang der TV den Haa­re­ner SC und – es schließt sich der Kreis – al­le drei Gründer wa­ren un­ter den Tor­schüt­zen.

Die Vor­freu­de auf die ers­te Sai­son ist groß, der ers­te Pflicht­spiel­ter­min steht auch schon fest. In der ers­ten Run­de des Kreis­po­kals geht es ent­we­der ge­gen Ohr­term­ersch oder die zwei­te Mann­schaft des Qua­ken­brü­cker SC.

Für die Li­ga neh­men sich die jun­gen Män­ner nichts zu Ehr­gei­zi­ges vor. „Wenn wir nichts mit dem Ab­stieg zu tun ha­ben, sind wir zu­frie­den“, lau­tet das Mot­to für ei­ne Li­ga, in der es kei­ne Ab­stei­ger gibt.

Trai­ner Wahm­hoff gibt aber doch ei­ne vor­sich­ti­ge Ziel­set­zung her­aus: „Ein ein­stel­li­ger Ta­bel­len­platz wä­re schön.“Sohn Bas­ti­an sagt aber auch: „Ich wä­re auch zu­frie­den, wenn wir Letz­ter wer­den. Ein­fach, weil es ge­klappt hat.“

Beim TV Pen­te geht es nicht um sport­li­che Zie­le und schnel­le Auf­stie­ge. Es geht um ehr­li­chen Fuß­ball, so wie er in der Kreis­klas­se sein soll­te. Wer sich die­se zu­sam­men­ge­wür­fel­te Mann­schaft auf die­sem ver­bes­se­rungs­be­dürf­ti­gen Sport­platz in Pen­te an­schaut, der ver­steht das.

 ?? Fo­to: Jan Thier­bach ?? Das neu zu­sam­men­ge­stell­te Team star­tet in der Sai­son 2017/18 in der 3. Kreis­klas­se und trägt sei­ne Heim­spie­le auf Schüt­ten­hei­de aus.
Fo­to: Jan Thier­bach Das neu zu­sam­men­ge­stell­te Team star­tet in der Sai­son 2017/18 in der 3. Kreis­klas­se und trägt sei­ne Heim­spie­le auf Schüt­ten­hei­de aus.
 ?? Fo­to: M. Dri­schel ?? Da der Fuß­ball­platz in Pen­te ak­tu­ell in schlech­tem Zu­stand ist, muss­te ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­fun­den wer­den.
Fo­to: M. Dri­schel Da der Fuß­ball­platz in Pen­te ak­tu­ell in schlech­tem Zu­stand ist, muss­te ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­fun­den wer­den.

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