Kein Land in Wäh­rungs­uni­on zwin­gen

Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro-Staa­ten sind zu­rück­hal­tend beim „Eu­ro für al­le“

Bramscher Nachrichten - - WIRTSCHAFT -

EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker will den Eu­ro schon bald für al­le EU-Län­der. Das stößt in ei­ni­gen Staa­ten auf we­nig Be­geis­te­rung.

AFP TAL­LINN. Die Fi­nanz­mi­nis­ter der Eu­ro­zo­ne ha­ben zu­rück­hal­tend auf die Äu­ße­run­gen von EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker zur Er­wei­te­rung der Wäh­rungs­uni­on re­agiert. „Ich glau­be nicht, dass Län­der in die­sen Pro­zess ge­zwun­gen oder ge­drängt wer­den kön­nen“, sag­te Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em am Frei­tag in Est­lands Haupt­stadt Tal­linn.

Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) sag­te, Bei­tritts­kan­di­da­ten müss­ten die wirt­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen er­fül­len, sonst wer­de „die Sta­bi­li­tät der gan­zen Wäh­rungs­uni­on ge­fähr­det“.

Juncker hat­te am Mitt­woch ge­sagt, der Eu­ro sei da­zu be­stimmt, die „ein­heit­li­che Wäh­rung der Eu­ro­päi­schen Uni­on als Gan­zes zu sein“. Er ver­wies da­bei dar­auf, dass recht­lich al­le EULän­der au­ßer Groß­bri­tan­ni­en und Dä­ne­mark zum Bei­tritt ver­pflich­tet sei­en.

Tech­ni­sche Hil­fen

Um Kan­di­da­ten zu hel­fen, schlug Juncker ein „Vor­bei­tritts­in­stru­ment“vor, das den be­trof­fe­nen Staa­ten „tech­ni­sche und manch­mal auch fi­nan­zi­el­le Her­an­füh­rungs­hil­fen bie­tet“. Di­js­sel­blo­em glaubt aber nicht, dass al­le Län­der „zu ei­ner hö­he­ren Ge­schwin­dig­keit“ge­zwun­gen wer­den kön­nen. Ei­ni­ge Län­der ar­bei­te­ten zwar „sehr hart“dar­an, die Kri­te­ri­en zu er­fül­len, zu de­nen un­ter an­de­rem ein Haus­halts­de­fi­zit von un­ter drei Pro­zent der Wirt­schafts­leis­tung und Preis­sta­bi­li­tät ge­hö­ren. In an­de­ren Län­dern ge­be „es aber der­zeit noch sehr we­nig Ap­pe­tit“auf ei­nen Eu­ro-Bei­tritt.

Der Wäh­rungs­uni­on ge­hö­ren bis­her 19 der 28 EU-Staa­ten an. Schwe­den hät­te wohl schon lan­ge bei­tre­ten kön­nen, dort hat­te dies die Be­völ­ke­rung aber 2003 in ei­nem Re­fe­ren­dum ab­ge­lehnt.

Auch meh­re­re ost­eu­ro­päi­sche Län­dern wie Tsche­chi­en, Po­len und Un­garn zei­gen der­zeit kein In­ter­es­se.

Schäu­b­le at­tes­tier­te Juncker ei­ne „be­deu­ten­de Re­de“

vor dem Eu­ro­pa­par­la­ment und ging da­von aus, dass der Kom­mis­si­ons­chef in sei­nen Äu­ße­run­gen zur Eu­ro­zo­ne „ein biss­chen miss­ver­stan­den wor­den“sei. Denn auch die­ser ha­be klar­ge­stellt, dass für die Eu­ro-Mit­glied­schaft öko­no­mi­sche Vor­aus­set­zun­gen er­füllt sein müss­ten. Und die Kri­se in Grie­chen­land ha­be ge­zeigt, „dass es für die Eu­ro­zo­ne und das

Land selbst pro­ble­ma­tisch ist, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für die Mit­glied­schaft in der Wäh­rungs­uni­on nicht voll er­füllt sind“, sag­te Schäu­b­le wei­ter.

Ös­ter­reichs Fi­nanz­mi­nis­ter Hans Jörg Schel­ling sag­te, die Er­wei­te­rung der Eu­ro­zo­ne sei „ein lan­ger Weg“, und stell­te fest: „Ein zwei­ter Fall Grie­chen­land wird nicht pas­sie­ren.“Grie­chen­land war

2001 der Wäh­rungs­uni­on bei­ge­tre­ten. Im Nach­hin­ein hat­te sich her­aus­ge­stellt, dass das Haus­halts­de­fi­zit in den Jah­ren da­vor über der Drei-Pro­zent-Schwel­le ge­le­gen hat­te – das Land hät­te da­mit nicht auf­ge­nom­men wer­den kön­nen. In der Fi­nanz­kri­se ge­riet At­hen im­mer wie­der an den Rand des Staats­bank­rotts und muss­te von den Eu­ro-Part­nern mit Mil­li­ar­den­hil­fen ge­ret­tet wer­den. Bis Mit­te 2018 läuft das mitt­ler­wei­le drit­te Hilfs­pro­gramm. Junckers Wirt­schafts­und Wäh­rungs­kom­mis­sar Pier­re Mosco­vici be­ton­te, nie­mand sol­le „ge­zwun­gen wer­den, dem Eu­ro bei­zu­tre­ten“.

Le­sen Sie mehr über die Eu­ro­päi­sche Uni­on auf noz.de/the­men/eu

Fo­to: dpa

Gu­te Lau­ne, aber skep­tisch: Frank­reichs Fi­nanz­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re (l.), Eu­ro­grup­pen­chef Je­ro­en Di­js­sel­blo­em (M.) und der grie­chi­sche Amts­kol­le­ge Ef­kli­dis Tsaka­lo­tos (r.).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.