USA und Is­ra­el ver­las­sen die Unesco

Streit um Pa­läs­ti­na führt zum Eklat

Bramscher Nachrichten - - VORDERSEITE - Von Tho­mas Seibert (Mit AFP)

dpa WA­SHING­TON/TEL AVIV. Die USA und Is­ra­el tre­ten aus der UN-Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on Unesco aus. Das ga­ben bei­de Län­der ges­tern über­ra­schend be­kannt. Der Schritt sei der Re­gie­rung von Prä­si­dent Do­nald Trump nicht leicht­ge­fal­len, sag­te die Spre­che­rin des US-Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums. Wa­shing­ton stö­re sich an „an­ti­is­rae­li­schen Ten­den­zen“in der Unesco. Der Aus­tritt sol­le am 31. De­zem­ber 2018 wirk­sam wer­den.

Kurz da­nach kün­dig­te auch Is­ra­els Pre­mier Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu den Rück­zug sei­nes Lan­des aus der Unesco an. Die Ar­beit der Or­ga­ni­sa­ti­on litt zu­letzt im­mer wie­der un­ter dem Nah­ost­kon­flikt. Nach der Auf­nah­me Pa­läs­ti­nas hat­ten die USA be­reits 2011 ih­re Zah­lun­gen ge­stoppt. Im Som­mer sorg­te die Ent­schei­dung, die Alt­stadt von He­bron zum Welt­kul­tur­er­be zu er­klä­ren, für Em­pö­rung in Is­ra­el.

Unesco-Ge­ne­ral­di­rek­to­rin Iri­na Bo­ko­wa be­dau­er­te die Ent­schei­dung zu­tiefst: „Das ist ein Ver­lust für die Fa­mi­lie der Ver­ein­ten Na­tio­nen.“Kul­tur­staats­mi­nis­te­rin Mo­ni­ka Grüt­ters (CDU) sprach von ei­nem „völ­lig fal­schen Si­gnal“aus Wa­shing­ton.

Seit ei­ni­gen Jah­ren lie­gen die USA mit der Unesco über Kreuz – Grund ist die Auf­nah­me Pa­läs­ti­nas in die Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on. Die Re­gie­rung Trump macht nun Ernst und ver­kün­det den Aus­stieg. Da­mit bleibt der Prä­si­dent sei­ner Au­ßen­po­li­tik der Ab­schot­tung treu.

WA­SHING­TON. US-Prä­si­dent Do­nald Trump setzt sei­nen iso­la­tio­nis­ti­schen Kurs in der Au­ßen­po­li­tik fort: Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zie­hen sich zum En­de kom­men­den Jah­res aus der UN-Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on Unesco zu­rück. Nach dem Aus­stieg wol­len die USA nur noch als Be­ob­ach­ter fun­gie­ren. Be­grün­det wird der Schritt mit ei­ner an­geb­lich an­ti-is­rae­li­schen Hal­tung der Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on. Un­ter Trump hat­ten die USA be­reits ih­ren Aus­stieg aus dem Pa­ri­ser Kli­ma­ver­trag ver­kün­det. Zu­dem stellt der Prä­si­dent das in­ter­na­tio­na­le Atom­ab­kom­men mit dem Iran in­fra­ge.

Der US-Prä­si­dent hat seit sei­nem Amts­an­tritt vor neun Mo­na­ten mehr­mals deut­lich ge­macht, dass er die Ein­bin­dung der USA in in­ter­na­tio­na­le Ver­ein­ba­run­gen und Bünd­nis­se skep­tisch sieht. Im Rah­men ei­ner „trans­ak­tio­na­len Au­ßen­po­li­tik“will Trump al­le Ver­trä­ge auf den Prüf­stand stel­len, die den USA nach sei­ner An­sicht nicht ge­nü­gend Vor­tei­le brin­gen. So ver­mied er zeit­wei­se ein Be­kennt­nis zur ge­gen­sei­ti­gen Bei­stands­ver­pflich­tung der Nato-Staa­ten, weil die Eu­ro­pä­er nach sei­ner Mei­nung nicht ge­nug für die Rüs­tung aus­ge­ben.

Der­zeit ver­han­delt Trumps Re­gie­rung mit Me­xi­ko und Ka­na­da über ei­ne Re­form der Nord­ame­ri­ka­ni­schen Han­dels­zo­ne Nafta. Laut Me­dien­be­rich­ten könn­te die Han­dels­ver­ein­ba­rung an Trumps

For­de­run­gen zer­bre­chen. Die Mit­ar­beit der USA in der ge­plan­ten Pa­zi­fi­schen Frei­han­dels­zo­ne TPP hat­te er gleich zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit ge­stri­chen.

Der Unesco-Aus­stieg passt al­so ins Bild. Schon seit sechs Jah­ren zah­len die USA in der Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on kei­ne Bei­trä­ge mehr und pro­tes­tie­ren auf die­se Wei­se ge­gen die Auf­nah­me der Pa­läs­ti­nen­ser-Re­gie­rung in die UN-Ein­rich­tung. Die jetzt ge­trof­fe­ne Ent­schei­dung zum Aus­stieg aus der Or­ga­ni­sa­ti­on ist nach Me­dien­be­rich­ten un­ter an­de­rem ei­ne Re­ak­ti­on dar­auf, dass Is­ra­el in Unesco-Re­so­lu­tio­nen als Be­sat­zungs­macht auf pa­läs­ti­nen­si­schem Ge­biet be­zeich­net wird.

Es geht aber nicht nur im Is­ra­el. Schon seit dem Jahr 2013 hat Wa­shing­ton we­gen ei­nes Zah­lungs­stopps in der Unesco kein Stimm­recht mehr. In­zwi­schen schul­den die USA der Or­ga­ni­sa­ti­on mehr als ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar an Bei­trä­gen. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten sei­en des­halb fäl­li­ge Ver­set­zun­gen von Di­plo­ma­ten des US-Au­ßen­am­tes zur Unesco-Zen­tra­le nach Pa­ris ge­stoppt wor­den, mel­de­te die Agen­tur AP.

US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son traf die Ent­schei­dung zum Rück­zug aus der Unesco of­fen­bar oh­ne Kon­sul­ta­tio­nen mit den po­li­ti­schen Part­nern der USA. Til­ler­sons Mi­nis­te­ri­um be­ton­te, die Unesco müs­se grund­le­gend re­for­miert wer­den. Al­ler­dings ha­ben die USA nach dem Aus­stieg kei­ne Mög­lich­keit mehr, die­se Re­for­men mit­zu­ge­stal­ten.

1983 hat­ten die Ame­ri­ka­ner un­ter dem da­ma­li­gen Prä­si­den­ten Ro­nald Rea­gan – ei­nem Vor­bild von Trump – schon ein­mal die Unesco aus Pro­test ge­gen an­geb­li­che an­ti-ame­ri­ka­ni­sche Ten­den­zen ver­las­sen. Da­mals kri­ti­sier­te Wa­shing­ton un­ter an­de­rem, die Unesco fi­nan­zie­re Pro­jek­te, die von der So­wjet­uni­on an­ge­regt wor­den sei­en. 2003 kehr­ten die USA un­ter dem eben­falls re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten Ge­or­ge W. Bush in die Unesco zu­rück.

Rea­gans Re­gie­rung hat­te je­doch bei ih­rer Aus­stiegs­ent­schei­dung aus­drück­lich be­tont, sie wer­de ihr En­ga­ge­ment in an­de­ren Ein­rich­tun­gen der Ver­ein­ten Na­tio­nen ver­stär­ken. Ein sol­ches Be­kennt­nis zum Prin­zip der in­ter­na­tio­na­len Zu­sam­men­ar­beit fehlt bei Trumps Rück­zug aus der Unesco. Der Prä­si­dent hat­te die UN erst kürz­lich scharf kri­ti­siert.

Kri­ti­ker Trumps war­nen, der Rück­zug der USA aus in­ter­na­tio­na­len Fo­ren bei ei­ner gleich­zei­ti­gen Stär­kung pro­tek­tio­nis­ti­scher Ten­den­zen wer­de zu ei­nem Ein­fluss­ver­lust Ame­ri­kas füh­ren. Der Prä­si­dent der Denk­fa­brik Coun­cil on For­eign Re­la­ti­ons, Richard Haass, sprach von ei­ner „Rück­zugs-Dok­trin“des Prä­si­den­ten.

Bei An­hän­gern des Prä­si­den­ten wird der Ab­schied der USA aus der Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on da­ge­gen be­grüßt. Der rechts­po­pu­lis­ti­sche Blog­ger Grant Kid­ney lob­te den Be­schluss

als „gro­ßen Sieg für das Volk“. Die Unesco sei ein In­stru­ment des „glo­ba­len Esta­blish­ments“.

In­ter­na­tio­nal stieß der Schritt auf Un­ver­ständ­nis – nur nicht in Is­ra­el. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu be­grüß­te die Ent­schei­dung des US-Prä­si­den­ten, die Unesco zu ver­las­sen – und tat es ihm nach: Der Re­gie­rungs­chef ha­be das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an­ge­wie­sen, den Aus­tritt Is­ra­els an der Sei­te der USA vor­zu­be­rei­ten, hieß es in ei­ner in Je­ru­sa­lem ver­öf­fent­lich­ten Er­klä­rung. Zur Be­grün­dung ließ Ne­tan­ja­hu ver­laut­ba­ren: „Dies ist ei­ne mu­ti­ge und mo­ra­li­sche Ent­schei­dung, weil die Unesco ein ab­sur­des Thea­ter ge­wor­den ist und weil sie, an­statt Ge­schich­te zu be­wah­ren, die­se ver­zerrt.“

mehr zur US-Au­ßen­po­li­tik le­sen Sie auf noz.de/trump

Be­wah­rer der Welt­kul­tur? Mehr zur Unesco auf noz.de/kul­tur

Fo­to: ima­go/ITAR-TASS

Das Ster­nen­ban­ner fehlt dem­nächst: die Flag­gen der Mit­glieds­län­der vor dem Sitz der Unesco in Pa­ris.

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